Zahl zweistelligen Bereich

Behörde erfasst Prostituierte und Bordellbetreiber

Landkreis - Schätzungsweise eine Million Männer nutzen täglich die Dienste von 400. 000 in Deutschland lebenden Prostituierten – auch im Landkreis Oldenburg. Nachdem das „älteste Gewerbe der Welt“ im Jahr 2002 legalisiert wurde – wenn es freiwillig ausgeübt wird – hat der Bundestag zum Juli dieses Jahres das Prostituiertenschutzgesetz beschlossen. Für den Vollzug ist die Kreisverwaltung zuständig, die sich mit einer großen Grauzone konfrontiert sieht, wie aus dem Jahrespressebericht hervorgeht.

Ziel des Gesetzes ist es, die Prostituierten durch persönliche Gespräche besser über gesundheitliche Risiken, Absicherung im Krankheitsfall sowie zur Steuer- und Kondompflicht aufzuklären. Zudem soll die Kriminalität zurückgedränt werden. Jegliche Tätigkeit, ob gelegentlich oder hauptberuflich, ist anmeldepflichtig. Da die Verordnung unter den Sex-Arbeitern und in Fachkreisen sehr umstritten ist, richten die zuständigen Mitarbeiter des Ordnungs- und Gesundheitsamts ihr Hauptaugenvermerk zunächst auf die vertrauliche Erreichbarkeit dieser Personen. Alle Informationen unterliegen dabei einer besonderen Schweigepflicht.

Altersdurchschnitt beträgt 42 Jahre

Mit 21 Personen, ausschließlich Frauen, wurden bisher die erforderlichen Gespräche in der Kreisverwaltung geführt, die mit der Übergabe der für zwei Jahre geltenden Anmeldebescheinigung endeten. Auf Wunsch wurde zusätzlich eine anonymisierte Alias-Bescheinigung ausgestellt. Darin kann ein Pseudonym oder ein Fantasiename angegeben werden, um die Anonymität zu wahren. Der Altersdurchschnitt liegt bei 42 Jahren, und die Herkunft ist zu 86 Prozent „Osteuropa“. Sprachmittler halfen beim Übersetzen.

Zum Hintergrund der Frauen gehört auch, dass viele ihre Sexdienste aus wirtschaftlichen Gründen in wiederkehrenden Zeitabständen und an unterschiedlichen Orten jeweils für ein bis zwei Wochen in Deutschland anbieten. Danach geht es zurück ins Heimatland zur Familie, um nach einem Monat wieder der Prostitution in Deutschland nachzugehen.

Ziel der Kreisverwaltung ist es, bis Mitte 2018 alle im Kreisgebiet tätigen Prostituierten zu erreichen. Angesichts einer sehr hohen Grauzone ist deren Anzahl nicht berechenbar. Die zuständigen Mitarbeiter gehen noch von zu bearbeitenden Fällen im oberen zweistelligen Bereich aus. Auskünfte und Anmeldungen werden unter den Telefonnummern04431/85272 und -85503 erteilt.

In naher Zukunft will sich die Kreisverwaltung auch mit den Betreiben beziehungsweise Besitzern von Bordellen und „Love-Mobilen“ befassen. Diese müssten zahlreiche Mindestanforderungen aus dem Sicherheits- und Hygienebereich erfüllen, so die Behörde.

Die Betreiber, nicht die Prostituierten, müssen den Behörden zudem ihre Zuverlässigkeit nachweisen. Wer zum Beispiel innerhalb der vergangenen fünf Jahre rechtskräftig wegen eines Verbrechens verurteilt worden ist, besitzt in der Regel nicht die erforderliche Zuverlässigkeit und darf kein Prostitutionsgewerbe betreiben, jedoch selber der Prostitution nachgehen, informiert die Verwaltung. 

bor

Rubriklistenbild: © dpa

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