„Großes Konfliktpotenzial“

Beförderungsunternehmen reagieren skeptisch auf 3G-Kontrollen

Abfahrt nur noch mit 3G? Vom Bahnhof in Wildeshausen starten viele Busse.
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Abfahrt nur noch mit 3G? Vom Bahnhof in Wildeshausen starten viele Busse.

Bus- und Bahnunternehmen müssen ihre Passagiere bald auf den 3G-Status kontrollieren. Das wirft in der Branche einige Fragen auf.

Die nun beschlossenen Pläne der sich abzeichnenden Ampel-Koalition im Bund, Fahrgäste in Bussen und Bahnen auf ihren 3G-Status zu kontrollieren, stoßen bei regionalen Beförderungsunternehmen auf Unverständnis. „Ich weiß nicht, was sich der Gesetzgeber dabei gedacht hat“, sagt etwa Harald Wrede von der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE), die mehrere Buslinien im Landkreis Oldenburg betreibt. Unternehmer Leo Wilmering aus Vechta, dessen Busse ebenfalls im Landkreis unterwegs sind, sieht ein „großes Konfliktpotenzial“ auf seine Angestellten zukommen. Und die Nordwestbahn ist ebenfalls alles andere als glücklich über die neuen Vorgaben.

Wrede stellen sich zum jetzigen Zeitpunkt einige praktische Fragen, zum Beispiel, was seine Mitarbeiter tun sollen, wenn ein Fahrgast nicht nachweisen kann, genesen, geimpft oder getestet zu sein. „Wir müssen uns da mit der Polizei und dem Ordnungsamt absprechen“, sagt der DHE-Geschäftsführer. Seine Angestellten hätten doch kein „Durchgriffsrecht“.

Wilmering spinnt den Faden weiter: „Was ist denn, wenn da vier Leute angetrunken von einem Fußballspiel kommen, einer kann 3G nicht nachweisen und ist uneinsichtig? Wir haben nicht nur Lämmchen als Fahrgäste. Und mein Fahrpersonal soll auf keinen Fall in solch eine Konfliktsituation geraten.“ Ähnliches gelte bei Fahrgästen, die bewusst gegen das Impfen seien. Der Unternehmer befürchtet, dass es zu gezielten Provokationen seiner Mitarbeiter kommt.

Politik übers Ziel hinausgeschossen?

Wrede und Wilmering sind sich dahingehend einig, dass ihre Busfahrer genug damit zu tun haben, zu fahren und die Tickets abzurechnen. „Ich habe doch keine Leute, die hier darauf warten, dass sie den 3G-Status kontrollieren können“, betont Wrede. Da sei die Politik ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen. Für Wilmering zeigt das Gesetz sogar, „weil weit die Politik inzwischen vom tatsächlichen Geschehen entfernt ist“. Das Gesetz sei „vollkommen absurd“.

Ein anderer Teil, die 3G-Pflicht am Arbeitsplatz, treibt den Bus-Unternehmer ebenfalls um. Seine Mitarbeiter würden teilweise frühmorgens zu ihren Bussen zum Beispiel nach Kirchhatten kommen und von dort losfahren. „Wir sind doch in der Fläche verteilt“, fragt er sich, wie er als Arbeitgeber da den 3G-Status der Angestellten kontrollieren soll. Zumal er ja noch nicht einmal abfragen dürfe, welcher Mitarbeiter geimpft ist.

Bei der Nordwestbahn ist man immerhin erleichtert, dass es die befürchteten flächendeckenden 3G-Kontrollen der Passagiere nicht mehr geben soll. Allerdings berge auch die stichprobenartige Überprüfung des Geimpft-, Genesenen- oder Getestet-Status „ein enormes Konfliktpotenzial“, sagt Pressesprecher Steffen Högemann. „Wir sind nicht glücklich darüber, müssen uns aber dem beugen, was der Gesetzgeber verlangt.“

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