Beängstigende Botschaften von Rechtsaußen

Vortrag zum Thema „Alter Hass in neuen Kleidern“ im historischen Rathaus

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Kristin Harney vom „Zentrum für Demokratie“

Wildeshausen - Musik, Markenklamotten und eine gemeinsame Erlebniskultur spielen in der rechtsextremen Szene eine große Rolle. Im Vergleich zu den 90er Jahren versuchen rechte Organisationen heute jedoch immer mehr, die Nähe zum Nationalsozialismus zu verschleiern und ihre „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ dadurch in verschiedene Gesellschaftsschichten zu tragen.

Sie stellen sich zum Beispiel als „Null Prozent rassistisch“ dar und nutzen den Hip-Hop, eine Musikrichtung mit afroamerikanischen Wurzeln, um andere Subkulturen zu durchdringen.

Wie wir solche Formen des verschleierten, kulturellen Rassismus von rechtsextremen deutschen Gruppierungen erkennen können, war das Thema des vom „Arbeitskreis für Demokratie und Toleranz“ organisierten Vortrags „Alter Hass in neuen Kleidern“, den die Diplom-Soziologin Kristin Harney vom „Zentrum für Demokratie“ in Wolfsburg am Mittwochabend im Rathaussaal in Wildeshausen hielt. Der Arbeitskreis hatte im Rahmen der jährlichen Veranstaltungsreihe zum Holocaust-Gedenken dazu eingeladen.

„Als rechtsextrem bezeichnen wir Menschen, die in ihrem Verhalten oder auch nur in ihrer Einstellung eine Ideologie der Ungleichwertigkeit verfolgen“, leitete Harney ihren Vortrag ein. Nach dieser Ideologie sind bestimmte Gruppen – fast immer Minderheiten – weniger wert. Diese Gruppen werden dann als Feindbilder konstruiert, gegen die Gewalt angewendet werden darf.

Die Ausübung solcher Gewalt ist eine sichtbare Form des Rechtsextremismus. Doch was ist bereits passiert, bis es soweit gekommen ist? Harney beschrieb, wie sich viele kriminelle Rechtsextreme vor Straftaten mit martialischer Musik aufputschen, in denen der Kampf gegen eine konstruierte Bedrohung und oft auch zahlreiche Bezüge zum Nationalsozialismus Themen sind. 

Außenstehende können solche Musik leicht als rassistisch und rechtsextrem erkennen. Ebenfalls sind Kleidungsstücke rechtsextremer Marken mit Aufschriften wie „Wüstenfuchs“ eindeutig – dennoch aber leider nicht strafbar, wie Harney informierte.

Andere Formen von Rechtsextremismus sind für Außenstehende viel weniger eindeutig. So sprechen junge Angehörige der „Identitären Bewegung“ in einem Werbe-Video für die Gruppierung beispielsweise von ihrer konstruierten Angst vor einer multikulturellen Gesellschaft. Die Organisation bezeichnet sich selbst als „Null Prozent rassistisch“.

Als sehr gefährliche und strafrechtlich schwer zu verfolgende Form des Rechtsextremismus schilderte Harney einige von sich mittlerweile beunruhigend häufigenden Fällen, in denen rechtsextreme Botschaften mit einem vermeintlichen Augenzwinkern als Gag transportiert werden. So kursieren beispielsweise Bilder von Menschen auf dem Weg zu Waggons mit der Unterschrift: „Konzentriert euch.“

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