Industriedenkmal nur bedingt geschützt

Bauvoranfrage für Areal der Lohgerberei Benecke

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Vom Gildeplatz aus sind die alten Werkstattgebäude zu sehen, die aber teilweise arg marode sind.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Für einige Aufregung sorgt eine Bauvoranfrage, die bei der Stadt Wildeshausen eingereicht wurde und bereits Thema im Verwaltungsausschuss am Donnerstag war.

Wie der Landkreis Oldenburg bestätigte, bezieht sich die Anfrage auf die Häuserzeile Huntestraße 34-38 und das rund 2000 Quadratmeter große Areal. Die Gebäude beheimaten die alte Lohgerberei Benecke, ein Industriedenkmal, das in dem Zustand ist wie zur Schließung im Jahr 1970.

Gerberei soll in die touristische Meile integriert werden

Dokumentationen belegen, dass dort alles so aussieht, als hätte der letzte Handwerker gerade eben die Werkbank verlassen. Die Gerberei gehört zu den schützenswerten historischen Gebäuden in der Stadt, steht aber nicht unter Denkmalschutz und verfällt zusehends. Der 1922 geborene Besitzer Bernhard Benecke aus Wildeshausen war am 6. Januar gestorben. Seitdem bemüht sich das Stadtmarketing darum, die Gebäude für eine touristische Nutzung zu sichern. Die Immobilien gehören einer Erbengemeinschaft.

Nach Informationen des Bürger- und Geschichtsvereins Wildeshausen ist die Gerberei eine von zweien ihrer Art in Deutschland, die in ihrer Gesamtheit erhalten sind. Sie könnte in eine touristische Meile zwischen der Herrlichkeit und dem Dampfkornbranntweinbrennereimuseum eingebettet werden und somit dokumentieren, welche Handwerke es früher in der Kreisstadt gab.

Die Bauvoranfrage wurde an den Landkreis Oldenburg weitergereicht, der darüber letztendlich entscheidet. Dieses geschieht aber nur nach einer Stellungnahme der Stadt.

Die Stadt hat ein Veto-Recht

Dem Vernehmen nach möchten die Investoren das alte Gebäude entfernen und ein modernes Wohn- und Geschäftshaus errichten, das von der Huntestraße bis hin zum Gildeplatz reicht.

Recht unscheinbar wirken die Gebäude an der Huntestraße. Dahinter verbirgt sich ein Industriedenkmal.

Ein derartiges Projekt könnte mit den Festlegungen des Bebauungsplanes 10e „Stadtmitte“ vereinbar sein, da dort fast die gesamte Fläche durchgehend mindestens zweigeschossig bebaut werden muss.

Der Stadt bleibt das Veto durch die Erhaltungssatzung, nach der innerhalb des Planungsgebietes Abbruch, Umbau oder Änderungen genehmigt werden müssen. Bei der Diskussion über zwei Häuser am Marktplatz hatte sich aber schon gezeigt, dass dennoch komplette Neubauten möglich sind.

Nach Auskunft von Bürgermeister Jens Kuraschinski ist die Stadt im regen Gespräch mit der Erbengemeinschaft. Ziel solle es sein, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und alle erhaltenswerten Teile der Lohgerberei zu schützen. Die Fraktionen des Stadtrates wollten am Montagabend über die Bauvoranfrage und eventuelle Reaktionen darauf diskutieren. Bislang hatten die Politiker es mehrheitlich abgelehnt, einer Veränderungssperre beidseitig der Huntestraße zuzustimmen, wie die FDP es beantragt hatte. Diese Maßnahme hätte jede Entwicklung unter einen Vorbehalt gestellt und der Stadt mindestens zwei Jahre Zeit gegeben, ein städtebauliches Konzept für den Bereich zu entwickeln und das Areal neu zu überplanen.

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