Bedarf steigt an

Wohnraum in Wildeshausen: Neu bauen oder sanieren?

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An der Bahnhofstraße weichen zwei Häuser bald einem großen Neubau.

Düngstrup - Braucht Wildeshausen mehr Wohnungen oder reicht es, den Bestand zu modernisieren? Und was für Menschen beziehen den neu geschaffenen Wohnraum? Diese Fragen beschäftigten den Wildeshauser Rat während seiner Sitzung am Donnerstagabend bei „Schönherr“ in Düngstrup anlässlich der neuen Wohnbedarfsprognose. Und auch wenn die Politik erst kommendes Jahr tief in die inhaltliche Debatte einsteigen will, zeigte sich schon jetzt, dass die Meinungen weit auseinandergehen.

Auf der einen Seite positionierte sich die SPD klar in Richtung Neubauten. „Wir brauchen unbedingt neuen Wohnraum“, betonte Matthias Kluck und verwies auf die weiter steigende Bevölkerungszahl. „Es kann doch keiner aus dem Stegreif ein paar freie, bezahlbare Wohnungen nennen“, behauptete der Ratsherr. Der Liberale Arne Peters berichtete aus eigener Erfahrung: „Der Markt für Wohnungen mit 30 bis 50 Quadratmetern ist wie leer gefegt.“

Auf der anderen Seite gibt es aus Sicht der UWG hingegen durchaus zumindest potenziell verfügbaren Wohnraum in Wildeshausen. Allerdings würden sanierungsbedürftige Bestandsbauten zurzeit oft zugunsten hochwertiger Wohnhäuser abgerissen, in denen entsprechend hohe Mieten zu zahlen seien. Ratsherr Hermann Hitz warnte davor, „in eine Sackgasse zu laufen“. Er befürchtet, dass bald viel teuerer Wohnraum leer steht, weil es dafür nicht genug Nachfrage gibt. UWG-Kollege Rainer Kolloge verwies auf die Wohnbedarfsprognose, der zufolge 96 Prozent der Zuzügler keinen deutschen Pass hätten. Diese Klientel könne sich nur günstigen Wohnraum leisten.

CDU: Wohnraum für junge Mitarbeiter

„Junge Menschen, die in der Stadt arbeiten wollen, brauchen Wohnungen“, erinnerte Wolfgang Sasse (CDU) an die Interessen der heimischen Wirtschaft. Wenn allerdings weiter günstiger Wohnraum geschaffen werde, „locken wir mehr ausländische Gäste aus Osteuropa an“. Da müsse „man sich auch mal Gedanken machen, in welche Richtung sich die Stadt entwickelt“.

Kreszentia Flauger (Linke) sprach sich hingegen klar für den Bau neuer Sozialwohnungen aus. Auch weil der Bestand nach und nach aus der Preisbindung falle. „Der Markt wird nicht genug günstigen Wohnraum bereitstellen“, ist sie sich sicher. „Wir müssen handeln.“

In Bezug darauf verwies Bernhard Block (CDW) allerdings auf den Etat der Stadt. „Wir haben zu wenig Geld. Investoren müssen es machen. Der Nachteil dabei ist: Die wollen Geld verdienen.“

Anfang kommenden Jahres will sich eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Rates und der Verwaltung treffen, um ein paar Vorschläge zur Schaffung von Wohnraum in Wildeshausen zu erarbeiten. Dann wird sich zeigen, ob sich die schon jetzt sehr unterschiedlichen Vorstellungen der Parteien auf einen Nenner bringen lassen.

Laut Wohnbedarfsprognose ist der Bedarf an preisgünstigen Wohnungen bis 2020 gedeckt. Von 2021 bis 2025 müssten allerdings 95 Wohneinheiten gebaut werden, um Personen mit niedrigem Einkommen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Außerdem müssten laut den Gutachtern bis 2035 insgesamt 175 barrierefreie Wohnungen (Ein- und Zweipersonenhaushalte) entstehen, weil vor allem ältere Wildeshauser ab 75 Jahren aus ihren Einfamilienhäusern in kleinere Wohneinheiten umziehen wollen, die dann auch möglichst behindertengerecht sein sollten. Insgesamt sagen die Experten einen Anstieg der Bevölkerung, aber vor allem eine Zunahme der Haushalte in der Kreisstadt voraus. Daraus werden die gestiegenen Bedarfe abgeleitet.

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