Bald könnten vermehrt unbetreute Jugendliche Schutz suchen

Flüchtlinge: Landkreis steht vor Herausforderungen

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Mit unbetreuten minderjährigen Flüchtlingen, die eine besonderen Betreuung brauchen, hatte der Landkreis bislang kaum zu tun. Das könnte sich aber demnächst ändern.

Landkreis - Von Karsten Tenbrink. Im Landkreis Oldenburg gibt es noch Wohnraum für etwa 100 weitere Flüchtlinge. Doch allein bis zum Sommer sind voraussichtlich drei Mal so viele Asylbewerber aufzunehmen. Außerdem könnte auf den Landkreis schon bald eine zusätzliche Herausforderung in der Flüchtlingsarbeit zukommen.

Ein Blick nach Bremen: Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl der neu aufgenommenen Schutzsuchenden dort 2014 mehr als verdoppelt: 2233 gegenüber 1111. Besonders deutlich ist dieser Trend bei den minderjährigen Flüchtlingen, die ohne Begleitung eines für ihn verantwortlichen Erwachsenen einreisen: 495 waren es 2014 gegenüber 200 im Vorjahr. Diese Jugendlichen benötigen eine besondere Betreuung.

Der Landkreis Oldenburg hatte mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen bislang kaum zu tun, sagt Jugendamtsleiter Martin Ahlrichs. 2014 habe der Landkreis gerade einmal zwei dieser Jugendlichen unterbringen müssen. „Auch in diesem Jahr waren es bislang nur zwei“, ergänzt er. Der gewaltige Unterschied zu den Bremer Verhältnissen erklärt sich durch die Gesetzeslage: „Sie werden dort aufgenommen, wo sie als minderjährig erkannt werden“, sagt Ahlrichs. Das sei zum Beispiel bei Polizeikontrollen der Fall. Das führe zu einer sehr ungleichmäßigen Verteilung der Jugendlichen. Deswegen habe das Land Bayern eine Diskussion angestoßen, wonach auch die unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber künftig – genauso wie die erwachsenen – nach einem Quotensystem auf die Bundesländer verteilt werden sollen. Sollte sich diese Idee durchsetzen, „dann müssen wir uns Gedanken machen“, sagt der Jugendamtsleiter.

Derweil plagt den Sozialdezernenten Bodo Bode nach wie vor die Sorge, wo die vielen noch zu erwartenden Flüchtlinge bleiben sollen. Bislang wurden dem Landkreis Oldenburg in diesem Jahr 530 Flüchtlinge zugewiesen (wir berichteten). 210 von ihnen sind bereits hier, weitere 320 werden bis zum Sommer folgen, sagt Bode. Danach gebe es zudem eine neue Quote.

Bei einem Gespräch mit den Bürgermeistern der Kommunen im Landkreis sei klar geworden, dass „einige Gemeinden am Ende ihrer Kapazitäten“ sind. Derzeit stände kreisweit noch Wohnraum für etwa 100 Personen zur Verfügung. Bislang sei es gelungen, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen. In Anbetracht der Situation sei aber die Einrichtung von Sammelunterkünften kaum noch zu vermeiden.

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