1 100 Kilometer für den guten Zweck

Mit dem Rennrad durch Deutschland: Andreas Eckermann sammelt Spenden für Kinderhospize

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Freuen sich über die vielen Spender: Die Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag (l.) und Astrid Grotelüschen sowie Bürgermeister Jens Kuraschinski (Zweiter v.l.). und Radfahrer Andreas Eckermann (r.). 

Mit dem Rennrad fährt Andreas Eckermann von Baden-Württemberg bis nach Sylt. Pro gefahrenen Kilometer sammelt er einen beliebigen Cent-Betrag. Die Summe ist als Spende für Kinderhospize gedacht.

Wildeshausen/Endingen am Kaiserstuhl - Von Lara Terrasi. Ich packe meine Tasche und nehme mit: „Eine lange Hose, eine Badehose, vier Trikots, drei Radfahrhosen, Pullover und genug Unterwäsche“, listet der 36-jährige Andreas Eckermann aus Endingen am Kaiserstuhl auf. Am 31. Juli machte er sich mit seinem Rennrad vom südlichsten Punkt Baden-Würtembergs, Grenzach-Wyhlen, für insgesamt zwölf Tage auf den Weg. Sein Ziel: die Nordseeinsel Sylt. Seine Absicht: Spenden sammeln für Kinderhospize. Eckermann fährt also nicht einfach nur zum Spaß. 1 025 Kilometer liegen bereits hinter ihm, als er am Donnerstag in Wildeshausen ankommt. 75 sollen noch folgen – Er nimmt die Cuxhaven-Fähre über die Elbe. Eine Summe von 68 301 Euro ist bislang zusammengekommen.

Der Radler stoppt für 45 Minuten in der Kreisstadt. Er möchte von seiner bisherigen Reise berichten – dazu fährt er im himmelblauen, engen Trikot und schwarzen, kurzen Radlerhosen vorm Stadthaus vor, schließlich soll es gleich weitergehen. Denn er kommt gerade aus Barnstorf, hat schon ein paar Kilometer zurückgelegt, aber auch noch einige vor sich.

Kaffee und eine Tasse für den Radler

Bürgermeister Jens Kuraschinski sowie die Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag (SPD) und Astrid Grotelüschen (CDU) nehmen den 36-jährigen Eckermann in Empfang. Kuraschinski heißt ihn mit einem Kaffeepäckchen einer Wildeshauser Rösterei sowie einer Tasse willkommen.

Der Baden-Württemberger hatte sich im Vorfeld bei den Abgeordneten gemeldet. Mittag sagt: „Ich dachte mir, das unterstütze ich.“ Schnell wurde ein Treffen vereinbart. „Und ich freue mich sehr, dass Sie sich als Spender eingetragen haben“, bedankte sich Eckermann bei beiden Abgeordneten. Grotelüschen lobte sein Engagement: „Ich finde es klasse, dass Sie sich für die Kinderhospize engagieren. Es ist ein wichtiges Thema. Durch Ihre Rolle als offizieller Botschafter des Bundesverbands Kinderhospiz erreichen Sie einen großen Kreis der Öffentlichkeit.“ Sie unterstützt das Projekt und hat bereits eine feste Summe von 100 Euro gespendet. Mittag hat sich bislang mit 110 Euro beteiligt. Förderer können pro gefahrenem Kilometer einen selbst gewählten Centbetrag spenden, das macht bei einem Cent pro Kilometer und 1 100 Kilometern zum Beispiel elf Euro.

Die Idee kam vor etwa fünf Jahren

Während seiner Tour fuhr Eckermann unter anderem durch Karlsruhe, Mainz, Koblenz und Düsseldorf. Übernachtet hat er überwiegend in Hotels. Die Idee zu dem Projekt hatte er vor etwa fünf Jahren. „Als unsere Tochter geboren wurde, schwebte meine Frau in Lebensgefahr. Aber sie hat es geschafft. Wir waren alle erleichtert und glücklich.“ Dieser Kontrast, auf der einen Seite die Geburt der Tochter, auf der anderen Seite die Angst um die Frau, bewegte ihn tief. „Durch diese Situation musste ich an Familien denken, deren Kinder erkranken“, sagt Eckermann, der eine unheimliche Lebensfreude und positive Energie ausstrahlt.

Der 36-Jährige engagiert sich seit der Geburt seiner Tochter als Botschafter des Bundesverbands Kinderhospiz. Bei einem Aufenthalt auf Sylt kam der Hobbyradfahrer auf die Idee für eine große Radtour. „Ich finde Sylt so schön und dachte mir, da möchte ich unbedingt einmal mit dem Fahrrad hin.“ Aber er wollte sein Vorhaben mit einer guten Sache verbinden. „Wieso soll ich das nur für mich machen und nicht auch für andere?“, fragte er sich damals. Ein Jahr lang bereitete er sich vor und trainierte für die Fahrt.

Mainz: Mittags persönliches Highlight

Am Tag fährt Eckermann um die sechs Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. „Bisher hatte ich auch noch keinen Platten“, berichtet er und lacht. Von dem Empfang in Mainz war er total überrascht. „Das war mein Highlight unterwegs. 100 Menschen, die mich gar nicht kennen, haben mich begrüßt“, erzählt der 36-Jährige. Einen Stopp legte er in Bielefeld ein. Dort besuchte er das Kinderhospiz Bethel. Das sei sehr emotional gewesen. Er habe dort ein kleines Mädchen kennengelernt, das unheilbar krank ist. „Sie hat mir einen Muschel-Sticker geschenkt, den ich mir anschließend ans Fahrrad geklebt habe. Der begleitet mich jetzt bis nach Sylt“, freut er sich. Diese Begegnung habe ihm neue Motivation gegeben. „Mit fast 70. 000 Euro bin ich super zufrieden. Als ich mich auf den Weg gemacht habe, waren 5 000 bis 10.000 Euro mein Ziel“, sagt er. Dann blickt er auf die Uhr und ergänzt: „Oh, ich muss auch gleich weiter.“ Sonntag möchte er Sylt dann endlich erreichen. Wie er von da aus wieder zurückkommt? „Mit dem Zug“, sagt er und lacht.

Spenden

www.spendenradtour.de

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