Café und Bäcker sollen in Gartenfachhandel

Nur geduldet: Backshop vor Ostmann soll weg

Nur geduldet: Der Backshop auf dem Parkplatz von Ostmann soll nach den neuen Festsetzungen des Bebauungsplanes nicht mehr zulässig sein. Foto: Rohdenburg
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Nur geduldet: Der Backshop auf dem Parkplatz von Ostmann soll nach den neuen Festsetzungen des Bebauungsplanes nicht mehr zulässig sein.

Der Backshop vor Ostmann in Wildeshausen ist nur geduldet: Wenn es nach dem Bauausschuss geht, soll der Shop in den Innenbereich des Gartenfachhandels verlagert werden.

Wildeshausen - Der Backshop neben dem Pflanzenhandel Ostmann am Westring müsste schon bald entfernt werden, wenn die Empfehlung des Bauausschusses der Stadt Wildeshausen vom Donnerstagabend in einen rechtskräftigen Bebauungsplan für den Westring mündet. Die Mehrheit des Gremiums sprach sich dafür aus, dass die 30 Quadratmeter für einen Backshop sowie 100 Quadratmeter für ein Café in die 2 850 große Innenverkaufsfläche von Ostmann integriert werden sollen - wenn dann noch der Wunsch besteht, das zu realisieren. Das letzte Wort darüber ist aber noch nicht gesprochen. Zunächst wird der Bebauungsplan am Donnerstag, 21. Februar, noch einmal im Verwaltungsausschuss behandelt, zudem ist in den kommenden Monaten die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden vorgesehen.

Der ursprüngliche Entwurf des Bebauungsplanes sah vor, dass die Gesamtverkaufsfläche des Gartenfachmarktes auf maximal 2 850 Quadratmeter festgelegt wird. Dies entspricht dem derzeitigen Status quo. Außerdem sind Verkaufsflächen im Außenbereich (Freiverkaufsfläche) bis 2. 000 Quadratmeter zulässig. Die Sortimente zoologischer Bedarf, Glas, Porzellan, Keramik, Haushaltswaren und Geschenkartikel werden auf maximal zehn Prozent der zulässigen Verkaufsfläche und auf eine maximale absolute Verkaufsfläche von 285 Quadratmeter begrenzt.

„Das ist ein Sargnagel für die Innenstadt“

Die Zulässigkeit eines Backshops mit bis zu 30 Quadratmetern Verkaufsfläche und die gastronomischen Einrichtungen (Café) bis zu einer Grundfläche von 100 Quadratmetern wurden in der Stellungnahme zum Bebauungsplan als das Ergebnis einer Chancen-Risiko-Abwägung dargestellt. Danach wurde die Einrichtung eines Cafés auf „ein wirtschaftlich erforderliches Minimum“ reduziert.

Diese Einschätzung wollten aber am Mittwochabend einige Politiker nicht teilen. „Das mit dem Café verstehe ich nicht“, so Marko Bahr (FDP). „Das ist ein Sargnagel für die Innenstadt. Die Leute gehen sonntags Blumen anschauen und können das Café besuchen. Da haben sie bald keinen Grund mehr, in die Stadt zu gehen.“

Auch Heiner Spille (UWG) kann nach eigenen Aussagen mit dem Café nicht leben und wollte die Fläche wieder aus dem Bebauungsplan streichen.

Backshop hat Ausnahmegenehmigung

Obwohl die Mehrheit des Ausschusses ganz offensichtlich Probleme damit hatte, zusätzliche Fläche für ein Café und einen Backshop zu genehmigen, sahen sich einige Politiker in der Pflicht, Zusagen einzuhalten. „Wir haben dem Backshop auf dem Parkplatz mehrmals eine Ausnahmegenehmigung erteilt, weil wir das endgültig im neuen Bebauungsplan regeln wollten“, betonte Wolfgang Sasse (CDU). Und Hartmut Frerichs (SPD) machte klar, dass man gegenüber den Investoren im Wort stehe, gastronomische Bereiche anzubieten. Er regte an, die Fläche für das Café und den Backshop in die Verkaufsfläche von Ostmann zu integrieren. Der Pflanzenhändler müsste danach in seinem Gebäude beide Nutzungen anbieten, was ihm jedoch Fläche für den Blumenverkauf oder von zentrenrelevanten Produkten nehmen würde. Die Verwaltung soll nun noch einmal die Gespräche über das Projekt aufnehmen.  

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Kommentar von Dierk Rohdenburg

Seit bald 20 Jahren versucht die Wildeshauser Politik, Ordnung in die Entwicklung am Westring zu bringen. Seit knapp zehn Jahren befasst sich die Stadt ganz konkret mit der Änderung des Flächennutzungsplanes und mehrerer Bebauungspläne, um zu regeln, wo Handel und Gewerbe ansässig und wo Lebensmittel oder nicht zentrenrelevante Waren angeboten werden dürfen. Bislang ist das Projekt grandios gescheitert und führte zu einer Aneinanderreihung von Ausnahmen. Am Donnerstag wurde eine vor Kurzem beschlossene Einzelhandelsfläche am Westring wieder aus dem Flächennutzungsplan herausgenommen – um wenige Meter weiter eine privilegierte Einzelhandelsfläche für einen Biofachmarkt zu ermöglichen, der eigentlich Waren anbietet, die es ausschließlich in der Innenstadt geben soll. Kurz darauf entbrannte die Diskussion über den Backshop und ein Café neben Ostmann. Bäcker Dirk Schnittker, der ein Café in der Innenstadt betreibt, monierte zurecht, dass ein neues Café am Westring sein Geschäft ebenso schädigen dürfte, wie ein neues Café im Rewe-Neubau am Huntetor. 

Es ist einfach lächerlich, immer wieder plakativ die Innenstadt schützen zu wollen und dann attraktive Verweilorte in den Nebenzentren zu erlauben. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die Gastronomie auf Verkaufsflächen angerechnet wird oder nicht. Wer die Innenstadtgeschäfte stärken möchte, lässt in Supermärkten keine Cafés zu. Dass es auch außerhalb Brötchen gibt, macht hingegen Sinn, denn niemand sollte am Sonntag in ein Auto steigen müssen, um sich für das Frühstück zu verpflegen. Für den Westring heißt das: Backshop am Gebäude von Ostmann ohne Anrechnung der Verkaufsfläche ja, Café im Gartencenter nein! So einfach ist das und die Politik macht sich nicht lächerlich. Oder sie stellt fest, dass es ihr mit dem Innenstadtschutz doch nicht so wichtig ist. Dann muss nämlich auch niemand mehr ständig aufs Neue schachern – was die Glaubwürdigkeit erhöht.

Auch Weymann in Wildeshausen ändert den Standort

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