INTERVIEW Peter Adamczyk und Didier Planchais pflegen die deutsch-französische Freundschaft

„Der Austausch ist ein Persönlichkeitsschub“

Seit 30 Jahren im Dialog: Peter Adamczyk (links) und Didier Planchais. Foto: bornholt

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Seit 30 Jahren gibt es einen Schüleraustausch zwischen dem Gymnasium Wildeshausen und dem Collège Sacré-Coeur in Frankreich. Im Interview erzählen die Lehrer Peter Adamczyk (66) und Didier Planchais (60), die seit 1989 dabei sind, welche Unterschiede es zwischen den Ländern gibt, was ihre Schüler lernen und welche Kuriositäten sie erlebt haben.

Herr Adamczyk, Monsieur Planchais, über welche Unterschiede im Alltag stolpert man in Deutschland beziehungsweise in Frankreich?

Planchais: Kaffee und Kuchen. Das kennen wir nicht. Kuchen essen wir als Nachtisch. Ich war mal zum Mittagessen, zu Kaffee und Kuchen und zum Abendessen eingeladen. Das war wirklich ein Marathon.

Und im Straßenverkehr?

Planchais: Bei Ampeln achtet man in Frankreich als Fußgänger nicht darauf, ob rot ist. Außerdem: Radwege auf dem Trottoir gibt es nicht. Das ist gefährlich für unsere Schüler. Wenn sie auf dem Bürgersteig sind, passen sie nicht auf. Und die Deutschen fahren ganz schnell, weil sie denken, dass alle darauf achten. Und wenn sie klingeln: Für uns bedeutet das nichts.

Was für Fettnäpfchen warten denn in Frankreich auf Deutsche?

Adamczyk: Was mich immer wundert: Blumen als Geschenk werden verpackt übergeben. Planchais: Das ist eben viel Arbeit für uns, wenn man die extra vorher auspacken muss (lächelt).

Noch weitere Unterschiede?

Adamczyk: Die Disziplin bei den Schülern. Sie dürfen zum Beispiel das Schulgelände nicht verlassen. Der Schulhof hat einen Zaun und ein Tor. Das ist in der Pause abgeschlossen.

Das Essen ist in Frankreich ja auch etwas anders.

Adamczyk: Es ist eine Zeremonie. Wenn unsere Schüler drei Stunden gegessen haben... Es geht mit einem Amuse-Gueule, eine Vorspeise, los, und dann gibt es Salat, den Hauptgang, Käse, Nachtisch, das dauert schon. Und das ist für deutsche Schüler, die sonst alles auf einem Teller haben und verspeisen, außergewöhnlich.

In 30 Jahren Austausch hat sich bestimmt so manche kuriose Geschichte abgespielt.

Adamczyk: Wir sollten zum Empfang beim Bürgermeister. Vorher sind wir über den Markt gegangen, wo auch lebende Tiere angeboten werden. Und da kam auf einmal ein deutscher Schüler an, mit einem Kaninchen und einer Taube. Er hatte die gekauft und wollte die mitnehmen. Da haben wir gesagt: Das kann doch nicht wahr sein. Der Verkäufer war ein bisschen sauer, das Kaninchen hat er zurückgenommen, die Taube aber nicht. Die haben wir dann freigelassen.

Sie sind Lehrer für die jeweils andere Sprache. Haben Sie Lieblingswörter?

Planchais: Das sind immer zusammengesetzte Wörter wie „nichtzustimmungsbedürftige Gesetze“. Das rollt wie ein Ball und klingt ganz gut in meinem Ohr. Adamczyk: Nénuphar, das bedeutet Seerose und ist vom Klang sehr schön. Das Französische ist eine Sprache, in der der Klang ganz wichtig ist.

Was lernen Ihre Schüler denn durch den Austausch?

Planchais: Wir haben manchmal Schüler, die Heimweh haben. Die lernen, dass man sich anpassen muss. Sie sind immer anders, wenn sie zurückkommen. Adamczyk: Wir sagen ihnen: Wir können euch nicht zurückbringen, auch wenn ihr Heimweh habt. Der Austausch ist für viele ein Persönlichkeitsschub, weil sie gestärkt nach Hause fahren.

Und wie sieht es mit der Zukunft aus, Sie sind ja jetzt in Pension, Herr Adamczyk?

Adamczyk: Ich sehe den Austausch bei meiner Nachfolgerin Nicola Malaske in besten Händen.

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