Vorfreude auf neuen Abschnitt

„Stationäre Dauer-Wanderung“: Aussteiger im Bauwagen zieht weiter

Gute Laune beim Packen: Das Holz, das Jens Fröhlke bei seinem Bauwagen in der Wiekau gelagert hat, soll noch verwertet werden.
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Gute Laune beim Packen: Das Holz, das Jens Fröhlke bei seinem Bauwagen in der Wiekau gelagert hat, soll noch verwertet werden.

Raus aus dem Alltag, so manche fesselnde Verpflichtung hinter sich lassen – Jens Fröhlke hat dies schon lange umgesetzt. Nun zieht er von Wildeshausen nach Visbek.

Wildeshausen/Visbek – Kaum Geld, viel Freiheit: Seit vier Jahren lebt Jens Fröhlke in einem Bauwagen in der Wildeshauser Wiekau. Der Aussteiger versucht, so weit es möglich ist, ohne Geld auszukommen. So verwertet er zum Beispiel Lebensmittel, die sonst weggeschmissen würden, und nutzt Holz zum Bauen und Verbrennen, das ebenfalls sonst im Müll gelandet wäre.

All das will er auch weiterhin tun, aber nicht mehr in Wildeshausen. Weil auf dem Grundstück im Wald, auf dem seine beiden Bauwagen stehen, bald ein Haus errichtet werden soll, zieht Fröhlke auf einen Hof in der Gemeinde Visbek. „Das wird eine ganz andere Zeit für mich“, sagt er.

Von Anfang an war klar, dass das Grundstück in absehbarer Zeit bebaut werden würde. Es war ihm von der Besitzerin zur Verfügung gestellt worden. Er zieht gerne weiter, obwohl er den Platz lieb gewonnen hatte. Seit 2017 hat er im Wald gelebt, ganzjährig umgeben von Natur. „Ich liebe diesen Platz“, sagt er und blickt sich um. Inmitten von ganz viel Grün, von der Straße aus kaum zu sehen, hat er sich hier sein eigenes, kleines Reich geschaffen. Und er hat sich gut eingerichtet, für eine Duschmöglichkeit, eine Feuerstelle und ein Kompost-Klo gesorgt. All das muss jetzt zurückgebaut werden. Teile sind schon verschwunden.

Schuhe erinnern an geldfreie Wanderung durch Deutschland

Und auch Kleinkram hat sich im Laufe der Zeit jede Menge angesammelt. „Ich bin schon seit Wochen am Sortieren“, sagt Fröhlke. Zwar hat er viele Gegenstände zweitverwendet, aber irgendwann ist einfach Schluss. Viele Sachen hat der Wildeshauser wegwerfen müssen.

Die liebevoll in jahrelanger Kleinarbeit zurechtgebauten Bauwagen will Fröhlke aber behalten. Um nur ein Detail zu nennen: Die Schuhe seiner geldfreien Wanderung durch Deutschland sind als Vogelkästen an der Außenseite befestigt.

Der Bauwagen, in dem Jens Fröhlke lebt, soll bald nach Visbek transportiert werden.

Seinen für viele Menschen außergewöhnlichen Lebensstil will der Wildeshauser in Visbek auf jeden Fall weiterführen. „In der Wiekau hatte ich das Gefühl: Hier bin ich richtig gelandet.“ Am neuen Standort werde es ihm gut gehen, ist sich Fröhlke sicher. Er befinde sich sozusagen auf einer „stationären Dauer-Wanderung“, sagt er mit viel Vorfreude. „Und jetzt geht die Reise weiter.“

Als Gesellschaft „müssen wir auch über Reduktion reden“

Wohin sie führt? Das wird sich zeigen. Was die gesellschaftliche Entwicklung angeht, „müssen wir auch über Reduktion reden“, ist sich der Wildeshauser sicher. „Es kann keine innovative oder technische Gesamtlösung geben.“ Das sei aber nicht zwangsläufig mit einem Verlust an Lebensqualität verbunden. „Verzicht und Reduktion kann auch ein Gewinn sein“, sagt er.

Der Kreisstadt fernbleiben möchte Fröhlke nicht, auch wenn das heißt, dass er künftig längere Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen muss. Er werde weiterhin im Buchladen „bökers am Markt“ anzutreffen sein, betont er.

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Auf dem Hof in der Gemeinde Visbek, auf dem demnächst seine Bauwagen stehen, wird er nicht so alleine leben wie in der Wiekau. Dort gebe es ein anderes soziales Miteinander, sagt Fröhlke. Auch eine Umstellung für den Aussteiger, der bereits konkrete Vorstellungen für Visbek hat. Zum Beispiel möchte er einen Überstand zwischen beiden Bauwagen bauen, sodass er trockenen Fußes von einem zum anderen kommt. Einen Wagen hat er inzwischen soweit umgebaut, dass sich dort eine Küche einrichten lässt. Ein weiteres Projekt von Fröhlke, der als Heimwerker schon so einiges bewerkstelligt hat. „Da stecken unter anderem Reste vom abgerissenen Aldi-Markt drin“, verrät er mit Blick auf einen seiner Wagen. Er schmeißt eben ungern Sachen weg, die noch genutzt werden können.

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