Abbruch der Fahrzeughalle / Mehrheit will Urgeschichtliches Zentrum für vier Millionen Euro

Ausschuss für Teilabriss der alten Feuerwehr

Bald Geschichte? Die Decken in der alten Fahrzeughalle müssten aufwendig ertüchtigt werden. Deswegen soll die Halle durch einen Neubau ersetzt werden.
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Bald Geschichte? Die Decken in der alten Fahrzeughalle müssten aufwendig ertüchtigt werden. Deswegen soll die Halle durch einen Neubau ersetzt werden.

Wildeshausen – Eine Mehrheit des Ausschusses für Stadtentwicklung hat am Donnerstagabend empfohlen, die Fahrzeughalle der alten Feuerwehr an der Huntestraße in Wildeshausen abzureißen und dort eine neue, zweigeschossige Stahlhalle für das Urgeschichtliche Zentrum (UZW) zu errichten. Für eine Dauerausstellung über die Megalithkultur sowie für die Museumspädagogik stünden darin insgesamt 400 Quadratmeter zur Verfügung. Das UZW würde frühestens im Jahr 2024 in Betrieb gehen.

Die Halle wäre ein reiner Zweckbau, der nur eine schicke Fassade erhalten würde. Die Kosten für ihren Bau, die Sanierung des restlichen Teils der Feuerwehr und die Einrichtung der Ausstellung würden knapp vier Millionen Euro betragen. Davon würde die Stadt 2,4 Millionen Euro vom Land erhalten, müsste also selbst 1,6 Millionen Euro aufwenden.

Geld, das Wildeshausen nach Ansicht der Ratsmitglieder Jens-Peter Hennken (CDW) und Wolfgang Sasse (CDU) nicht hat beziehungsweise besser anders einsetzen sollte. „Manche Dinge gehen einfach nicht. Erst mal müssen wir die Schulen machen“, forderte Sasse mit Blick auf Raumnot sowie Container an der Real- und der Hauptschule. „Wir können es uns nicht leisten“, stellte Hennken fest, der weitere Kostensteigerungen erwartet. Ursprünglich seien nur zwei Millionen Euro für diese „Black Box“ veranschlagt gewesen. „Wir haben noch keinen Handschlag gemacht und die Kosten haben sich verdoppelt“, mahnte er. Diese Entscheidung falle ihm nicht leicht. „Es tut mir wirklich extrem leid für die, die sich für das UZW engagiert haben.“

Hennken erntete Häme von Rainer Kolloge (UWG), der von „Krokodilstränen“ sprach, klaren Widerspruch von Klaus Schultze (Grüne), der in dem CDWler einen „Totengräber unserer Zukunft“ sah, sowie inhaltliche Kritik von Kämmerer Thomas Eilers: „Das Projekt ist gesichert und steht im Haushalt.“

Zum Hintergrund: Das UZW ist Teil eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts. Für neun Millionen Euro sollen das Museum gebaut, aber auch die Wallanlagen, die Herrlichkeit und die Burgwiese aufgewertet werden. Sechs Millionen Euro kommen vom Land und drei Millionen Euro von der Stadt. „Das sind alles Fakten und Zahlen aus der Zeit vor Corona“, sagte Sasse. „Wir können heute nicht so weit nach vorne gucken“, warnte er davor, sich jetzt auf große Investitionen festzulegen.

Das Geld ist jedoch nach Meinung von Kolloge und anderen Befürwortern gut angelegt. „Die Bedeutung des UZW kann man gar nicht groß genug einschätzen“, so der UWG-Ratsherr. Noch lieber hätte er die Ursprungsplanung mit dem Museum in der alten Fahrzeughalle umgesetzt, aber dafür gab es keine Mehrheit. „Die Förderung auszuschlagen, wäre eine Katastrophe“, beharrte auch Schultze (Grüne) auf dem UZW. Man dürfe das Projekt nicht gegen Schulen oder die Freibadsanierung aufwiegen. Auch Kreszentia Flauger (Linke) und Arne Peters (FDP) wollten die Umsetzung. „Es ist wirklich schade, dass wir die archäologischen Denkmäler nicht besser nutzen“, so die Ratsfrau. „Dieser Schatz muss verdammt noch mal gehoben werden“, forderte der Liberale.

Bei der SPD bemängelte hingegen Matthias Kluck, dass es keine konkrete Info zu den Betriebskosten gab. Laut Kämmerer Eilers könne die Verwaltung erst nach einem positiven Beschluss konkret mit potenziellen Partnern wie dem Kreis sprechen. „Wir hoffen, ihn für die Co-Finanzierung der laufenden Ausgaben zu gewinnen.“ Das war zu wenig für Kluck, der „angesichts der großen Uneinigkeit“ eine Verschiebung der Abstimmung erwog. „Wir brauchen heute eine Marschrichtung“, widersprach Bürgermeister Jens Kuraschinski entschieden. Es gehe darum, „das Projekt über die Ziellinie zu schieben“, so Eilers.

Bei drei Enthaltungen von Sasse, Hennken und Kluck tat der Ausschuss das dann auch. Das letzte Wort hat allerdings der Stadtrat am 10. Dezember.

Von Ove Bornholt

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