Ausschuss empfiehlt Zusätze im Innenstadtbereich/Kosten: 2000 Euro

Straßenschilder mit Erklärung

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Auch die Bedeutung der Heemstraße wird bereits erklärt.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Nicht jeder Straßenname in Wildeshausen ist sofort verständlich. Wer weiß schon, was ein Heem oder der Stockenkamp ist – und wer Dr. Strahlmann war? Noch in diesem Jahr sollen in der Kreisstadt im Innenstadtbereich die Straßenschilder mit erklärenden Zusätzen versehen werden.

Wie man mit Personen umgehen soll, die wegen ihres Wirkens in der NS-Zeit umstritten sind oder mit Namen von weltbekannten Schriftstellern wie Goethe oder Schiller, war jedoch umstritten im Ausschuss für Stadtentwicklung.

Bereits vor einem Jahr hatte der Stadtrat auf Antrag der FDP-Fraktion beschlossen, dass die Straßenschilder in der Innenstadt erklärende Zusätze bekommen sollen. Hierzu hatte Cornelia Harms, die im Stadtmarketingbüro tätig war, zunächst alle innerstädtischen Straßen mit Namen, die auf Personen hinweisen, kartiert. Da in der City nur wenige dieser Schilder vorhanden sind, wurden auch Schilder, die auf andere interessante Gegebenheiten in Wildeshausen hinweisen, sowie zwei Gebiete in Innenstadtnähe (Luftfahrt- und Schulviertel) und Einzelstraßen mit interessanten Personennamen berücksichtigt.

„Bislang existieren Zusatzschilder an Bahnhofstraße, Brauereiweg, Heemstraße, Herrlichkeit, Kleine Straße, Landskrone, Lütjen Ort, Mühlenstraße, Sägekuhle, Sögestraße sowie neun weitere Schilder in Zusammenhang mit bedeutenden Frauen der Geschichte“, so Harms. Sie schlägt vor, die neuen Zusatzschilder nach einem dreizeiligen Modell zu beschriften. Neben dem Namen der Person und ihren Lebensdaten soll die Profession und die Leistung hervorgehoben werden.

Diskussionen gab es bei den Namen August Hinrichs und Wernher von Braun, die beide überzeugte Nationalsozialisten waren. Während Stephan Dieckmann (SPD) und Stephan Rollié vorschlugen, bei den beiden Namen auf Zusätze zu verzichten, fand Lars Kosten (FDP) das gerade dort wichtig. Man müsse sich damit eben kritisch auseinander setzen.

Die Mehrheit des Ausschusses plädierte dann dafür, einen kritischen Zusatz zu machen und bei Wildeshauser Bürgern den Bezug zur Kreisstadt deutlich zu machen.

Als einen „Schildbürgerstreich“ bezeichnete Rainer Kolloge (UWG) die erklärenden Hinweise unter Namen wie Goethe und Schiller. Es sei peinlich, wenn man solche berühmten Personen noch erklären würde. Zudem würde ein Zusatz wie „Wichtigster Vertreter des Sturm und Drang und der Weimarer Klassik“ wohl eher für fragende Gesichtsausdrücke sorgen.

Harms klärte Kolloge aber darüber auf, dass es viele Städte gebe, die auch die bekannten Schriftsteller per Schild erklären würden.

Ganz gegen Zusätze auf Schildern war hingegen Christoph Wach (Grüne). Viele Namen würden nicht interessieren, zudem könnte doch heutzutage jeder Interessierte per Smartphone im Internet forschen, was der Name bedeutet.

Bei einer Gegenstimme wurde das Beschaffen und Aufhängen von 42 Schildern zum Preis von 2000 Euro im Innenstadtbereich empfohlen, die noch dieses Jahr installiert werden sollen. Bei einem Heem handelt es sich übrigens um eine Flurbezeichnung, die auf eine Siedlung hindeutet, der Stockenkamp bedeutet „eingefriedetes Landstück mit Baumstümpfen“, und Strahlmann war ein Schriftsteller und Verleger (1887 bis 1955).

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