Arbeitskreis für Demokratie und Toleranz organisiert „Gelebte Erinnerung in Wildeshausen“

Mit Aufklärung gegen Antisemitismus

Hoffen auf viele Teilnehmer: Bürgermeister Jens Kuraschinski und Majken Hjortskov vom Arbeitskreis für Demokratie und Toleranz. Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Wie kann Antisemitismus bekämpft werden? Eine Frage, die angesichts des Anschlags auf eine Synagoge in Halle vor knapp zwei Wochen an Brisanz gewonnen hat. „Mit Aufklärung“, antwortet Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski. „Und indem man wachsam bleibt.“ Er verweist auf die Veranstaltungen des städtischen Präventionsrates in diesem Herbst, die sich um einen Erinnerungsgang mit Gedenkstunde gruppieren.

Am Freitag, 8. November, um 14.30 Uhr starten vom Marktplatz Jugendliche, die daran erinnern wollen, dass im Umfeld der Reichspogromnacht vor 81 Jahren jüdische Familien aus Wildeshausen verfolgt, gedemütigt und zum überwiegenden Teil auch ermordet wurden. Die Teilnehmer gehen an den Häusern vorbei, in denen jüdische Familien ihre letzten frei gewählten Wohnungen hatten. Auch die Synagoge an der Huntestraße wurde damals von SA-Leuten aus Oldenburg zerstört. Im Vorfeld der Veranstaltung wollen Hauptschüler Stolpersteine in der Innenstadt reinigen.

Nach dem Erinnerungsgang ist für 16 Uhr eine Gedenkstunde am jüdischen Friedhof geplant, zu der der Landesverband jüdischer Gemeinden in Niedersachsen einlädt.

Im Arbeitskreis für Demokratie und Toleranz im städtischen Präventionsrat wurden noch drei weitere Aktionen unter dem Motto „Gelebte Erinnerung in Wildeshausen“ organisiert. Morgen ab 20 Uhr läuft der Film „Der letzte Jolly Boy“ im LiLi-Servicekino. Es geht um Leon Schwarzbaum (97), der vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in der Swingband „Jolly Boys“ spielte. Gemeinsam mit einem Dokumentarfilmer hat er sich auf eine Reise in die deutsch-polnische Vergangenheit begeben. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Vom 4. bis 22. November ist im Stadthaus auf allen drei Stockwerken eine Ausstellung mit Werken des 2018 verstorbenen Wildeshauser Malers und Grafikers Hartmut Berlinicke zu sehen. Das Thema interreligiöse Kunst und Kultur trieb den ehemaligen Kunstlehrer lange um und war schon einmal Schwerpunkt einer Ausstellung. Die jetzige Schau soll auch im Andenken an sein künstlerisches Schaffen stehen. Die Vernissage findet am Dienstag, 5. November, um 18 Uhr statt.

Literarisch wird es am Samstag, 16. November, ab 20 Uhr in der Galerie Berlinicke. Dann liest der in Oldenburg geborene und in Berlin lebende Autor Kolja Mensing aus seiner Autobiografie „Fels“. Darin rekonstruiert er Recherche ein weiteres Stück seiner Familiengeschichte, heißt es in der Ankündigung. Der Abend stellt gewissermaßen eine Fortsetzung seines letzten Auftritts in Wildeshausen dar, als Mensing aus seinem Buch „Legenden der Väter“ biografisch auf die Vergangenheit seiner Vorfahren einging.

In der neuen, 2018 erschienen Erzählung beschäftigt sich der Autor mit der Geschichte einer jüdischen Familie, zu der ein Viehhändler namens Albert Fels gehörte. Zwar handelt es sich eigentlich um ein Sachbuch, einer Kritik des MDR zufolge, soll das Buch aber „trotz Nüchternheit von zutiefst bewegenden Dingen erzählen“.

Der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigt sechs Euro. Karten gibt es über den Kulturkreis, der die Lesung in Kooperation mit dem Arbeitskreis veranstaltet, und in den Buchhandlungen der Stadt.

Alles in allem ein vielfältiger Mix aus Film, Gedenken vor Ort, Literatur und Kunst im Stadthaus. „Wir sind froh über jeden, der eine der Veranstaltungen besucht und damit dokumentiert, wie wichtig das Gedenken ist“, betont Kuraschinski.

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