Fünf Kilometer lange Route

Auf dem Pilgerweg durch Wildeshausen

Mit einem Pilgerstab geht‘s los.
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Mit einem Pilgerstab geht‘s los.

Pilgern ist im Trend, aber wem Santiago de Compostela in Spanien zu weit weg ist, der kann auch in Wildeshausen pilgern. Ganz wichtig: Sonnencreme.

Die katholische Kirchengemeinde hat eine rund fünf Kilometer lange Route in Wildeshausen ausgewiesen, die in erste Linie für die Vorbereitung der Erstkommunion gedacht ist. Aber jeder könne den Weg gehen, der gern über Gott, sich selbst und die Welt nachdenken möchte, heißt es im neuen Pfarrbrief.

Um das Angebot zu testen, habe ich die Redaktion beziehungsweise das Homeoffice verlassen und mich am Mittwoch auf den Weg gemacht. Erst einmal ging‘s zum Discounter: Sonnencreme besorgen. Ausgiebig eingeschmiert startete ich um 11.30 Uhr beim Waltberthaus an der Wittekindstraße. Kleine Info-Hefte mit den einzelnen Stationen liegen dort genauso bereit wie Pilgerstäbe.

Spuren von Johannes Teutonicus an einem Haus.

Erste Station ist der Wall. Dort soll ein Hinweis auf Johannes Teutonicus zu finden sein. Johannes wer? Im Info-Heft heißt es: „Johannes wurde 1180 in Wildeshausen geboren und besuchte auch hier die Schule. Er wurde ein gelehrter Mönch und später sogar Bischof.“ Aha. Tatsächlich hängt sein Name an einem weißen Häuschen am Wall. Erste Station nach nur sechs Minuten abgehakt. Na, wenn das so weiter geht, bin ich zum Mittag durch, denke ich beschwingt und marschiere weiter.

Auf der Tafel rechts sind ein paar Engel zu finden.

Wieder nur sechs Minuten später schließe ich Station zwei ab. Immer noch auf dem Wall, aber jetzt zwischen Wester- und Bahnhofstraße sind ein paar Engel versteckt, die ich sofort erspähe. Pilgern macht echt Spaß. Im Info-Heft finde ich einen QR-Code, den ich mit dem Handy einscanne. „Mögen Engel dich begleiten“, dudelt es aus dem Smartphone. Joar, ich fliege ja auch quasi von Station zu Station.

Jetzt zu Nummer drei: „Holzbrücke bei der Eisenbahnbrücke“. Wie jetzt? Die bei der Hunte? Das ist aber schon ein Stück. Naja, ich bin ja gut zu Fuß. Schnurstracks gehe ich auf dem Wall weiter an der Polizei und dem „Amtshaus“ vorbei, biege scharf links ab und folge dem Verlauf des Flusses. Die träge dahinfließende braune Hunte strahlt eine angenehme Kühle aus. Inzwischen sind es 23 Grad – und ich schwitze.

Erste Rast direkt bei der Hunte.

20 Minuten nach Station zwei bin ich bei der Brücke angekommen und mache erst einmal Rast auf einer Bank. Als Pilger muss man sich ja auch stärken. Wegen des Stocks haben mich übrigens ein paar Rentner, die mit ihren E-Bikes durch die Gegend brettern, blöde angeguckt, aber ich bin ja Pilger – das gehört eben dazu.

Leider kommt man beim Rasten so schlecht vorwärts, also mache ich mich wieder auf den Weg. Diesmal am anderen Ufer der Hunte entlang zurück Richtung Innenstadt. Haltestelle ist das Seniorenheim an der Hunte, welches Station vier markiert. Ich möge doch den Bewohnern einen Gruß hinterlassen, heißt es im Info-Heft. Eine Karte liegt bei. Ich schreibe „Prost“ drauf. Das passt ja eigentlich immer.

Inzwischen ist es 12.18 Uhr. Vom Hunger getrieben, marschiere ich gleich weiter. „Pilgern mit dem Krafttier“ heißt die fünfte Station an der Ecke Marschweg/An der Hunte. Ich kann mir ein „Krafttier“ aussuchen, das mich dann beim nächsten Abschnitt unterstützt.

Abkühlung auf der Burgwiese.

Dass es nun durchaus anstrengend wird, verrät ein Blick auf den Standort von Station sechs. Das ist der Brunnen auf der Burgwiese. Anstatt einfach über die Melkerbrücke zu gehen, führt die Route aber zur Pionierbrücke. Jaja, der Weg ist das Ziel... Fast eine Dreiviertelstunde brauche ich – okay mit einer Pause –, um den Fluss erneut zu queren und mich auf einer Bank beim Brunnen auf der Burgwiese niederzulassen. Das Info-Heft schlägt vor, die Füße ins kalte Nass zu stecken. Endlich mal eine vernünftige Idee! Erholt höre ich ein weiteres Lied, das mir der QR-Code ans Herz legt. So, noch mal schnell zur Konzertmuschel und dann der Aufstieg zum Burgberg.

Um 13.16 Uhr stehe ich beim Mahnmal. Eingehüllt von einem Schweiß-Sonnencreme-Gemisch halte ich mich hier aber nicht lange auf, sondern marschiere direkt zur neunten und letzten Station: die Taufkapelle an der St.-Peter-Kirche. Hier ist es zum ersten Mal angenehm kühl. Man kann einen Fußabdruck im Sand hinterlassen und eine Pilgermuschel einstecken.

In der Taufkapelle gibt‘s eine Muschel als Belohnung.

Es ist 13.21 Uhr, als ich die Route beendet habe. Um die 8 000 Schritte bin ich kreuz und quer durch Wildeshausen gelatscht. Ob mich die Pilgerei Gott näher gebracht hat? Mal abwarten, aber meine Schrittzähler-App auf dem Smartphone feiert mich gerade richtig ab. Und besser als zwei Stunden hinterm Bildschirm zu sitzen, ist das Pilgern allemal.

Die Info-Hefte und Pilgerstäbe liegen noch bis zum 30. Juni beim Waltberthaus für alle Interessierten bereit. Natürlich kann man auch Abschnitte weglassen oder andere Wege gehen. Entwickelt und umgesetzt wurde die Strecke vom Team der Kernkatechetinnen Annegret Arkenberg, Birgit Gier, Maria Tangemann und Petra Furmanek sowie dem Pastoralreferenten Thimo Holetzke. Eine schöne Idee, gerne mehr davon.

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