Asylbewerber wollen Sprache lernen/Wöchentlich einmal im Gymnasium

Deutsch statt Nuer sprechen

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Lustiges Worträtsel: Simon schreibt die erratenen Buchstaben an die Tafel.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Ihre Muttersprachen sind Arabisch, Nuer oder auch Spanisch – im Wildeshauser Gymnasium lernen einmal pro Woche fünf bis acht Flüchtlinge aus dem Sudan auf eher spielerische Weise die deutsche Sprache. So auch gestern wieder, als es im Raum 106 eher lustig zuging, denn es war ein Worteraten angesagt.

Schnell war zu merken, dass die Asylbewerber, die derzeit in Dünsen und Kirchseelte untergebracht sind und auf ihr Verfahren warten, durchaus die deutsche Sprache lernen möchten. „Ich will das unbedingt richtig können“, erklärte Simon, der gerade einmal gut drei Monate in Deutschland ist. Und was er auf Deutsch noch nicht konnte, berichtete er in perfektem Englisch.

Den Kontakt zum Gymnasium hatten Schülerin Tara Brinkman und ihre Mutter Yvonne aus Harpstedt im März geknüpft. „Frau Brinkmann ist in Harpstedt auch sehr engagiert“, erzählte Lehrerin Nadine Feldhus-Dierking, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen Silke Sager und Jutta Arzberger die Runde betreut: „Nach dem ersten Besuch war für einige Schüler des neunten bis elften Jahrgangs klar, dass es nicht bei dem einen bleiben sollte.“ Seither besuchten die Gäste schon einige Unterrichtsstunden im Gymnasium.

Unter verschiedenen thematischen Schwerpunkten wird in gemeinsamer Runde mit den deutschen Schülern der Wortschatz erarbeitet und erweitert. „Ich lerne ja auch in Harpstedt Deutsch, aber hier ist es schön locker und ich kann auf diese Weise mehr erfahren“, betonte Simon, dem Mutasim, Babiker, Omar und Altjane bei dieser Aussage Recht gaben.

Hannah Eylers findet es gut, auf diese Weise mit anderen Menschen zu arbeiten, sie kennenzulernen und ihnen zu helfen. „Wenn wir Flüchtlinge wären, dann würden wir es sicherlich auch mögen, wenn sich jemand um uns kümmert“, meinte Anna Scorz. Das sah auch Feldhus-Dierking so: „Aus diesem Grund lernen wir nicht nur, sondern unternehmen auch andere Dinge. Unter anderem waren wir schon gemeinsam einkaufen.“

Dass die Asylbewerber daran interessiert sind, Kontakte zu knüpfen und am Leben teilzunehmen, dürfte sicherlich die Tatsache beweisen, dass sie im Sportclub Dünsen sowie im Harpstedter Turnerbund aktiv sind. „Dort habe ich sie auch kennengelernt“, erzählte Gymnasiast Efe Alkanat. „Auf diese Weise sind schon mehrere persönliche Kontakte und auch Freundschaften entstanden.“ Er komme zwar aus Wildeshausen, aber zum Sport fahar er zusätzlich nach Harpstedt.

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