Pharamund Nieberding war Mann der ersten Stunde

Archivar Peter Hahn blättert in der Chronik der Liedertafel

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens trat die „Liedertafel“ 1949 auf dem Marktplatz auf.

Wildeshausen - Viele Jahre war Peter Hahn der Archivar der Liedertafel Wildeshausen. Jetzt hat er diesen Posten im neu gegründeten Männergesangverein Wildeshausen inne. Rückblickend auf die Geschichte der Liedertafel hat Hahn jetzt in der Chronik geblättert und einiges niedergeschrieben.

„Gravierende Nachwuchsprobleme der beiden ältesten Wildeshauser Männerchöre – Euphonia und Liedertafel von 1848 – führten dazu, dass sich beide Vereine zum Männergesangverein Wildeshausen vereinigt haben. Damit geht für die Liedertafel eine 169-jährige Geschichte zu Ende. Unter den Kapiteln des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Wildeshausen hatte diese altehrwürdige Chorgemeinschaft einen hohen Stellenwert.

Alles begann 1848

Alles begann 1848, im Jahr der deutschen Revolution, in dem liberale Bürger erstmals für einen demokratischen Nationalstaat kämpften. Im Zuge dieser gesellschaftspolitischen Entwicklung beschlossen sangesfreudige Wildeshauser Männer, einen Gesangverein zu gründen.

Sänger der ersten Stunde waren heraushebend als Liedervater und Vorsitzender Dr. med. Pharamund Nieberding und Johann Oeltze als Dirigent. Ihnen folgten bis heute zwölf Dirigenten und vierzehn Vorsitzende.

Im Gasthof Kolloge an der Huntestraße wurde die Liedertafel aus der Taufe gehoben und gegründet. In den ersten Jahrzehnten wurden bereits Sängerfeste in Wildeshausen veranstaltet und der Chor besuchte solche auch in Harpstedt, Sulingen und Bassum. Diese benachbarten Gesangvereine vereinigten sich 1870 zum ,Alten Bund‘.

Bundessängerfest zum 100-jährigen Bestehen 1949 in Wildeshausen

Einen schweren Schlag erlebte die Liedertafel, als 1895 das Anwesen des Vereinswirts Kolloge niederbrannte und sämtliche Unterlagen des Vereins ein Raub der Flammen wurden.

In der Zeit des Ersten Weltkriegs ruhte das Vereinsleben. 1919, nach den Wirren des Krieges, kam es zur Wiederbelebung der Liedertafel. Im Jahre 1934 sollten auf Drängen der NS-Regierung die Chöre der Liedertafel und der Euphonia zusammengeschlossen werden. Diese Maßnahme war für beide Chöre nicht von Vorteil und führte dazu, dass die Beteiligung am Singen nachließ. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges – viele Sänger mussten an die Front – wurde das Singen gänzlich eingestellt.

Erst im Oktober 1947 gab es eine Wiederbelebung. Im Gasthof Osterloh wurden Otto Tschannen als Vorsitzender und Heinz Obersold als Dirigent als Führung der Liedertafel gewählt.

Aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Vereins wurde das nächste Bundessängerfest am 20. und 21. November 1949 in Wildeshausen auf die Beine gestellt. Dieses Ereignis wurde im Rahmen eines Festkonzertes im Saal der Berufsschule an der Huntestraße gefeiert und mit einem Auftritt auf dem Marktplatz unter der Leitung des Dirigenten Dietrich Osterthun begangen.

Die letzten Vorsitzenden der Liedertafel sind die ersten des Männergesangsvereins

In den folgenden Jahrzehnten war das Vereinsleben mit vielfältigen Auftritten, Vereinsfesten, dem Singen am Himmelfahrtstag mit den Euphonen in der lauschigen Lehmkuhle oder anderen Aktivitäten reichlich ausgefüllt.

Im Jahre 1998 feierten die Liedertafel-Sänger im Beisein vieler Ehrengäste und auswärtiger Chöre ihr 150-jähriges Bestehen.

Nun, nach vielen Jahrzehnten wechselvoller Geschichte, ist die alte Liedertafel gemeinsam mit der Euphonia im neu gegründeten Männergesangverein Wildeshausen vereint. Somit ist ein stimmgewaltiger Klangkörper entstanden. Wie zu Beginn dieser Ausführungen der erste Vorsitzende und der Dirigent namentlich erwähnt wurden, so sind zum Ende der Liedertafel Gisela Kröger als Dirigentin und Hans Rüger als Vorsitzender zu erwähnen.

Die Sänger der neuen Chorgemeinschaft haben Kröger und Rüger während der Gründungsversammlung in ihre alten Funktionen gewählt. Wenn in absehbarer Zeit einige sangesfreudige Männer zum Chor stoßen sollten, was dringend wünschenswert wäre, würde auch diese Gemeinschaft von Bestand und Dauer geprägt sein.“

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