Bürger können sich beteiligen

Arbeit am Integrationskonzept für Wildeshausen läuft

Konzentriert: Viele Bulgaren in Wildeshausen leben in den Häusern an der Hermann-Ehlers-Straße.
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Konzentriert: Viele Bulgaren in Wildeshausen leben in den Häusern an der Hermann-Ehlers-Straße.

Wie können die Bulgaren in Wildeshausen integriert werden? Dazu wird jetzt ein Konzept erstellt, bei dem Bürger mitarbeiten. Die Herausforderung ist aber groß.

Die Bürgerbeteiligung an einem Integrationskonzept für die Stadt Wildeshausen ist am Mittwochabend angelaufen. Rund 60 Anmeldungen lagen vor. Nicht ganz so viele Interessierte fanden dann auch den Weg in die Aula der Realschule. Dort stellten Frank Jessen vom Ibis-Institut in Duisburg und seine Kollegen ihre Bestandsaufnahme der Lage in der Kreisstadt vor. Anschließend teilten sich die Teilnehmer in vier Gruppen auf und diskutierten, welche Probleme am schnellsten gelöst werden müssen.

Wie ist die Lage?

Die Ibis-Mitarbeiter haben seit Anfang des Jahres 19 Experten aus der Stadt nach ihren Einschätzungen befragt – unter anderem Lehrer, Schulsozialarbeiter, Integrationskräfte sowie Migranten selbst. Herausgekommen ist dabei, „dass die große Zahl an Bulgaren von der Bevölkerung nicht ganz unkritisch gesehen wird“, sagte Mareike Schmidt von Ibis. „Vor allem ältere Menschen fühlen sich nicht wohl und überrumpelt“, berichtete sie angesichts von mehr Präsenz von Migranten auf den Straßen. Letzteres ist auch kein Wunder: Die Zahl der Bulgaren habe sich in fünf Jahren von 700 auf 1 500 mehr als verdoppelt, so Schmidt.

Ebenfalls habe sich gezeigt, dass es „selten Kontakte zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gibt“. Das liege auch daran, dass die Bevölkerung in bestimmten Wohnquartieren nicht gemischt sei. Grundsätzlich hielt sie fest: „Für Integration ist ein hohes Maß an Motivation und Energie auf beiden Seiten notwendig.“ Allerdings scheint das ein größeres Problem zu sein. Migranten hätten durch ihre Beschäftigungssituation oft begrenzte zeitliche und finanzielle Mittel, führte Schmidt aus. Zudem sei bei vielen die Bleibeperspektive in der Stadt unklar. „Sie sind nur wegen der Arbeit hier und haben wenig Motivation, sich auf den anstrengenden Integrationsprozess einzulassen.“ Außerdem haben die Ibis-Mitarbeiter in den Interviews ermittelt, dass „es ein hohes Maß an Skepsis und Misstrauen“ unter den bulgarischen Bewohnern der Stadt gibt. „Viele sind Opfer von Betrug und Ausbeutung geworden – oft durch die eigenen Landsleute.“

Grundsätzlich stelle sich die Fragen nach den Zielen, sagte Schmidt. „Sollen die Bulgaren voll integriert werden oder will man sich nur auf grundlegende Regeln des Zusammenlebens verständigen.“ Es gebe die Idee, sich vor allem auf die Personen zu konzentrieren, die länger hierbleiben. „Aber manchen ist selbst gar nicht klar, wie es für sie weiter geht.“

Wo liegen die Probleme?

In Bezug auf die Bildung gebe es bei einigen Schulen „eine sehr, sehr hohe Migrantenquote“, sagte Schmidt und regte an, die Jungen und Mädchen anders zu verteilen. Ein anderes Hindernis ist, dass Bulgaren als Pendelmigranten während des Schuljahres mit der ganzen Familie in die Heimat fahren. „Das wirkt sich negativ auf den Bildungserfolg aus“, so die Ibis-Mitarbeiterin. Außerdem seien viele Eltern sehr ungebildet.

Was die Wohnsituation angeht, verwies Schmidt auf die räumliche Konzentration. Ein Lösungsansatz sei es, den Bulgaren besseren Zugang zu günstigem Wohnraum zu verschaffen. Viele Migranten würden Diskriminierung auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt erfahren und Opfer von Vorurteilen werden. Sie sprach von „Abzocke bei der Wohnungsvermittlung“ und überbelegten sowie teuer vermieteten Betten. Auch über prekäre Arbeitsverhältnisse, unter denen viele Migranten leiden, wurde gesprochen. Wichtig sei es, die Sprachkurse auszuweiten, betonte Schmidt. „Für Bulgaren ist es oft schwierig, an regulären Angeboten teilzunehmen.“

Mitmachen noch möglich

Ibis-Leiter Jessen appellierte an die Anwesenden und stellvertretend an alle Wildeshauser: „Es ist Ihr Projekt und Ihr Prozess.“ An dessen Ende soll nach ein paar Workshoptreffen im ersten Quartal kommenden Jahres ein Maßnahmenkatalog stehen. Dann fange die Arbeit erst an, so Jessen. Denn dieser müsse umgesetzt werden.

Frank Jessen vom Ibis-Institut erläuterte das Verfahren.

Unter den Teilnehmern der Konferenz waren neben Migranten und Bürgern auch Vertreter der meisten politischen Parteien. „Wir sind alle gefordert“, unterstrich Ratsherr Wolfgang Sasse (CDU). Bürger sollten bei ihren Vorschlägen aber auch immer die Machbarkeit bedenken.

So geht`s weiter

Auch wer nicht an der Auftaktveranstaltung teilgenommen hat, kann sich noch beteiligen. Es wurden vier Workshop-Gruppen gebildet, die sich mit den Themen „Interkulturelles Zusammenleben und Begegnung“, „Schule und Bildung“, „Wohnen und Nachbarschaft“ sowie „Beschäftigung und Arbeitsmarkt“ befassen. Die einzelnen Gruppen treffen sich am Freitag, 15. Oktober, von 15 bis 17 Uhr sowie 18 bis 20 Uhr und am Samstag, 16. Oktober, von 10 bis 12 Uhr sowie 13.30 bis 15.30 Uhr im Rathaus und am Freitag, 12. November, von 15 bis 17 Uhr sowie 18 bis 20 Uhr und Samstag, 13. November, von 10 bis 12 Uhr und 13.30 bis 15.30 Uhr im Stadthaus. Anmeldungen nimmt Michaela Kurwinkel unter der Telefonnummer 04431/88350 sowie per E-Mail an michaela.kurwinkel@wildeshausen.de entgegen.

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