Anschaffung der Behälter würde 1,75 Millionen Euro kosten

Entsorger und Verwaltung sehen Gelbe Tonne skeptisch

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Werden die Gelben Säcke im Landkreis Oldenburg zugunsten einer Gelben Tonne abgeschafft?

Landkreis - Soll eine Gelbe Tonne den Gelben Sack ersetzen? Über diese Frage debattiert der Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschuss des Landkreises Oldenburg während seiner Sitzung am Dienstag, 10. November, ab 17 Uhr im Kreishaus.

Drei Parteien haben Anträge für die Debatte gestellt: Die CDU will über die Einführung der Gelben Tonne auf freiwilliger Basis beraten. Die UWG/FWG möchte, dass der Landkreis die Bürger in öffentlichen Veranstaltungen über das Thema informiert und alle Haushalte per Wahlzettel über die Einführung der Tonne abstimmen. Die FDP beantragt eine Beratung und sieht deutliche Vorteile bei der Gelben Tonne: „Es gibt keine zerrissenen und verwehten Gelben Säcke mehr, die Abfuhr alle vier Wochen spart Entsorgungskosten.“ Die SPD plädiert hingegen dafür, die Entwicklung zu beobachten, aber das bisherige System beizubehalten.

Eine Einführung der Gelben Tonne mit den gleichen Inhalten wie beim Gelben Sack kommt laut Landkreis nach Rücksprache mit den Entsorgern nicht in Betracht, heißt es in der Sitzungsvorlage. Demnach kämen in die neue Tonne nicht nur der bisherige Inhalt des Gelben Sacks, sondern auch sogenannte „stoffgleiche Nichtverpackungen“ – also Kunststoffe wie Kleiderbügel, die sonst im Restmüll landen. Aber auch Bratpfannen dürften in die Gelbe Tonne.

Gegenwind für die Umstellung kommt von der Verwaltung und den Entsorgern. Die Abfuhr des Gelben Sacks ist privatwirtschaftlich durch das Duale System organisiert – dahinter stehen Industrie und Handel, die gesetzlich verpflichtet sind, ihre Verpackungen zu entsorgen.

Vor allem hakt es am lieben Geld. Bei einem Tonnenbedarf von 55000 Stück à 240 Litern und 1500 Containern à 1100 Litern für größere Wohnanlagen kostet die Beschaffung neuer Tonnen voraussichtlich 1,75 Millionen Euro, rechnen die Buchhalter im Kreishaus vor. Davon müsste der Landkreis rund 20 Prozent tragen. Diese Quote ergibt sich aus dem voraussichtlichen Anteil an stoffgleichen Nichtverpackungen, für die sich das Duale System nicht zuständig fühlt.

Auch bei den laufenden Kosten säße der Landkreis mit 20 Prozent im Boot. Hier kalkuliert die Verwaltung mit einem Anteil von 240000 Euro für die Sammlung und 120000 Euro für Sortierung und Verwertung. Aber es gäbe auch Einsparungen: Die Restabfallmenge würde sinken, was rund 95000 Euro sparen würde.

Summa summarum müsste der Landkreis also 350000 Euro für die Beschaffung der Tonnen und 265000 Euro pro Jahr an laufenden Kosten in seinen Haushalt aufnehmen.

Ein Nebeneinander von Sack und Tonne schließt die Verwaltung übrigens aus. Die Sammelleistung könne bei einer Wahlfreiheit unmöglich ausgeschrieben werden. In 88,5 Prozent der Landkreise und kreisfreien Städte in Niedersachsen gibt es eine Sacksammlung, heißt es noch ergänzend. Gleichwohl steige aber der Komfort für die Nutzer.

In der Sitzungsvorlage finden sich auch Einschätzungen der Versorger zu der Einführung einer Gelben Tonne. „Die Notwendigkeit, ein funktionierendes, etabliertes System (Sammlung mit dem Gelben Sack) zu ändern, wird von den Dualen System nicht gesehen“, heißt es. Zudem ist eine Änderung frühestens zum 1. Januar 2018 möglich, da der laufende Vertrag bis Ende 2017 datiert ist.

Nach Auffassung der Verwaltung sollte zum jetzigen Zeitpunkt keine Entscheidung über die Einführung einer Gelben Tonne zum 1. Januar 2018 getroffen werden, heißt es abschließend in der Vorlage.

bor

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