Angeblich fast mittelloser Mann hat 1200 Euro bei sich/Amtsgerichtsprozess

Mit 385 Gramm Haschisch an der A1 aufgeflogen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. 385 Gramm Haschisch in vier Platten und ein Joint sind eine nicht unerhebliche Menge an Rauschgift. Weil Beamte des Zolls am 26. Februar 2014 einen 60-Jährigen aus Reinbek (bei Hamburg) mit diesen Drogen in der Jacke auf dem Parkplatz der Autobahnraststätte Wildeshausen-Nord erwischten, musste er sich gestern vor dem Schöffengericht verantworten.

Zu einem Urteil kam es noch nicht, weil ein weiterer Zollbeamter über die Geschehnisse in der Nacht befragt werden soll.

Der Reinbeker handelt selbstständig mit medizinischen Produkten. Das Geschäft läuft nach seinen Angaben nicht gut, sodass ihm nur bis zu 300 Euro im Monat bleiben. Sozialleistungen bezieht er jedoch nicht und will das auch vermeiden. Er finanziere sein Leben aktuell, indem er die Altersversorgung angreife, sagte er.

Um seinen Drogenbesitz zu erklären, holte der 60-Jährige ein wenig weiter aus. Er habe in einem Billard-Club in Hamburg zwei junge Männer getroffen und mit ihnen um Geld gespielt. Er habe etwa 250 Euro gewonnen, dann sei der Einsatz immer weiter erhöht worden, und am Ende habe er insgesamt 300 Euro verloren. „Für mich war das ein erheblicher Verlust. Ich habe angeboten, das in Raten abzuzahlen“, so der Angeklagte. Man sei dann auf den Parkplatz gegangen, wo einer der Männer mit Namen „Maik“ ihm angeboten habe, er könne in Deutschland Haschisch transportieren und so seine Schuld abtragen.

Der Reinbeker schilderte, wie er am nächsten Tag nach Kleve gefahren sei und dort um 0.20 Uhr bei einem Schnellimbiss ein Päckchen übernommen habe. „Ich habe es in die Tasche gesteckt und für einen Freund noch einen Joint gedreht.“ Auf dem Heimweg sei er in Wildeshausen vom Zoll kontrolliert worden. Ihm sei gar nicht klar gewesen, dass er eine schwere Straftat begangen habe, zudem habe ihn niemand vom Zoll darüber belehrt.

Für eine Nacht musste der Mann in Wildeshausen in Polizeigewahrsam bleiben, dann fuhr er nach Hause. „Am nächsten Nachmittag hat Maik bei mir auf dem Festnetz angerufen, obwohl ich ihm nur meine Handy-nummer gegeben habe.“ Er traf sich im Industriegebiet mit mehreren Männern. Dort berichtete er von dem Misserfolg mit dem Zoll. „Die haben mir aber nicht geglaubt und wollten zunächst 5000 Euro von mir, dann sollte ich innerhalb von einer Woche 2300 Euro zahlen.“

Gezahlt hat der Angeklagte nach eigenen Angaben nichts, nachdem er mit der Polizei gedroht hatte. Von den Männern habe er nichts mehr gehört. Richterin und Staatsanwältin fragten intensiv nach. Warum er bei der Festnahme über 1 200 Euro bei sich gehabt habe, wo er doch fast mittellos sei, wollte die Richterin wissen. „Ich habe immer alle Bargeld-Reserven bei mir“, lautete die Antwort.

Ob er nicht doch vorher in den Niederlanden gewesen sei, und warum er nicht die Polizei benachrichtigte, als Maik sich bei ihm meldete, interessierte die Staatsanwältin. Das mit den Niederlanden hätte man ihm lediglich unterstellt, so der Angeklagte. Er sei nie dort gewesen. Und der Gedanke mit der Polizei sei ihm auch nicht gekommen.

Der als Zeuge geladene Zollangestellte konnte zwar die Festnahme schildern, hatte die Aussage des Angeklagten zu einem Aufenthalt in den Niederlanden jedoch nicht protokolliert. Deshalb muss nun noch ein Kollege befragt werden. Die Aussage ist wichtig, denn so lässt sich klären, ob der 60-Jährige die Drogen nach Deutschland eingeführt oder nur innerhalb des Landes transportiert hatte. Deshalb gibt es nun einen Fortsetzungstermin.

dr

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