AUS DEM GERICHT 25-Jährige zeigt Ex-Freund auch wegen Körperverletzung an

Angeblich Ex-Partnerin vergewaltigt

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Vergewaltigt und verprügelt? Eine 25-Jährige erhob am Mittwoch im Amtsgericht Wildeshausen schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Freund, einen 23 Jahre alten Wildeshauser. Sie gab an, er habe sie einmal zum Sex gezwungen, nachdem sie ihn mit einer anderen erwischt und die Beziehung beendet hatte. Ein paar Tage später habe sich das Paar in der gemeinsamen Wohnung in der Kreisstadt gestritten, wobei der Angeklagte ausgerastet sei und sie zusammengeschlagen habe.

Wie die Richterin mitteilte, fiel am Mittwoch noch kein Urteil. Das Verfahren wird kommende Woche fortgesetzt. Die Verhandlung wird vor dem Jugendschöffengericht geführt, weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt Heranwachsender war.

Die Vorgänge sollen sich rund um den Jahreswechsel 2016/17 zugetragen haben. Laut Aussage der 25-Jährigen kam sie kurz nach Weihnachten vorzeitig von ihren Eltern nach Hause, um ihren Freund zu überraschen. Das tat sie auch, denn dieser hatte gerade ein romantisches Beisammensein mit einer Internet-Bekanntschaft – und das nicht zum ersten Mal. „Es gab da die Pia, die Janin, die Kim, die Theresa“, zählte der Verteidiger ein paar der Frauen auf, mit denen sein Mandant während der rund einjährigen Beziehung fremd gegangen war. Das sei oft geschehen, weil der Angeklagte gerne Sex gehabt hätte.

Die 25-Jährige sagte, sie habe die Partnerschaft beendet, nachdem sie ihren Freund mit der anderen Frau erwischt habe. Sie war damals noch in der Ausbildung und haben keinen Arbeitstag verpassen wollen, weswegen sie weiter in der gemeinsamen Wohnung schlief – auf einer Luftmatratze im Büro. Eines Nachts, der genaue Tag ließ sich vor Gericht nicht mehr bestimmen, habe der 23-Jährige die verschlossene Tür aufgebrochen und sie zum Sex gezwungen. „Ich habe versucht, mich zu wehren, und geschrien“, erinnerte sie sich, als sie die Szene beschrieb. Sie habe auf dem Bauch gelegen, und er habe ihren Oberkörper mit einer Hand runter gedrückt. Sie habe nichts dagegen tun können, dass er den Geschlechtsakt vollzog.

Verteidiger spricht von „Falschbeschuldigung“

Ein paar Tage später sei es dann zum Streit gekommen, der sich zu einer körperlichen Auseinandersetzung entwickelt habe. Wie ein Arztbericht zeigte, war der Körper der Frau übersät mit Hämatomen. An den Grund für den Streit konnte sich die 25-Jährige nicht mehr so recht erinnern. Der Angeklagte habe ihr vorgehalten, sie habe Sex mit anderen gehabt, meinte sie.

Überhaupt hatte sie viele Erinnerungslücken. „Es sind nur noch Fetzen“, sagte die junge Frau, die sich in therapeutischer Behandlung befindet. Laut ihrer Psychologin leidet sie unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Erst 2018 traute sich die Frau, die Tat anzuzeigen. Über einen Bekannten habe sie erfahren, dass der Angeklagte eine weitere Frau geschlagen habe. „Zu zweit fühlt man sich stärker.“ Auch diese Körperverletzung wurde in dem Prozess verhandelt.

Der Verteidiger verlas Chats zwischen dem Angeklagten und seiner Ex-Freundin. In diesen beschwerte sie sich unter anderem, weil er das Waffeleisen nicht sauber gemacht hatte, und warf ihm immer wieder vor, sie betrogen zu haben. „Für jemanden, der gerade frisch vergewaltigt war, habe ich größte Probleme, das mit dem Chat zu verbinden“, sagte der Anwalt. Und auch die Richterin fragte noch einmal nach: „Es wurde über ein dreckiges Waffeleisen gesprochen, aber nicht über die Vergewaltigung?“ Die 25-Jährige betonte jedoch: „Es ist passiert.“

Der Verteidiger sprach angesichts des Vergewaltigungsvorwurfs von einer „Falschbeschuldigung“ und einvernehmlichem Sex ohne jede Gewalt nach der Trennung. „Als mein Mandant den gekriegt hatte, erlosch sein Interesse.“ Daraufhin sei die 25-Jährige wütend geworden und habe die körperliche Auseinandersetzung gesucht. Dabei sei seinem Mandanten fast der Daumen gebrochen worden.

Die beiden Frauen hätten gemeinsam Anzeige bei der Polizei erstattet, ging der Anwalt von einer Absprache unter ihnen aus. Was die Rangelei mit der zweiten Freundin anging, räumte der Angeklagte durch seinen Verteidiger ein, sie gegen das Bein getreten zu haben. „Das war eine unschöne Situation. Es tut meinem Mandanten leid.“

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