Anfrage der Grünen Kreistagsfraktion

Landrat Harings über Tuberkulose: „Wir gehen jedem gemeldeten Fall nach“

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Aus Osteuropa stammende Mitarbeiter von Schlachtbetrieben in der Region waren mit Tuberkulose infiziert.

Wildeshausen/Landkreis - Fälle von Tuberkulose bei Mitarbeitern von fleischverarbeitenden Betrieben in den Nachbarlandkreisen haben die Kreistagsfraktion der Grünen aufgeschreckt. In einer eiligen Anfrage an die Kreisverwaltung wollten die Politiker wissen, ob in dieser Hinsicht Gefahr für den Landkreis Oldenburg besteht: Nicht zuletzt, weil viele der Beschäftigten im Kreisgebiet lebten, etwa in Ahlhorn. Landrat Carsten Harings beantwortete den Fragenkatalog während der jüngsten Kreistagssitzung.

„Tuberkulose ist nicht hochansteckend“, schickte Harings seiner Einleitung zu den Antworten voraus. In Mitteleuropa sei eine Übertragung durch Lebensmittel wie etwa Rohmilch weitgehend ausgeschlossen, da die Rindertuberkulose hierzulande eingedämmt ist. Bei Mensch zu Mensch sei der Übertragungsweg über die Luft maßgebend. Daher sei eine Übertragung durch Nahrungsmittel, die in der fleischverarbeitenden Industrie hergestellt werden, „kaum denkbar“.

„Im Jahr 2018 sind im Landkreis Oldenburg acht Indexfälle dem Gesundheitsamt bekannt geworden“, lautet die verlesene Antwort auf die die erste Frage der Grünen. Ein solcher Index- oder auch Erstpatient ist die tatsächliche oder angenommene Quelle für die Ausbreitung einer Infektionskrankheit. Daraufhin habe das Gesundheitsamt 150 Umgebungsuntersuchungen – also im Kontaktbereich der Betroffenen – veranlasst. Demnach gibt es drei an Tuberkulose erkrankte Wanderarbeiter aus dem osteuropäischen Raum, die in Schlachtbetrieben des Landkreises Oldenburg tätig sind, beziehungsweise waren. Diese Personen seien aber nicht mehr ansteckend. Zwei weitere wohnen zwar im Kreisgebiet, seien aber in Schlachtbetrieben außerhalb des Landkreises tätig, so Harings.

Ein Arzt zeigt auf das Röntgenbild einer Lunge: Das Organ wird bei einer Infektion von Bakterien stark angegriffen.

Das Gesundheitsamt veranlasste bei allen bekanntgewordenen Fällen eine weitläufige Umgebungsuntersuchung mit Röntgen-Thorax (Röntgenaufnahme des Brustkorbs) und „Quantiferontestungen“ (Nachweis von körpereigenen Abwehrreaktionen auf den Tuberkelbazillus). Dabei seien keine weiteren Krankheitsfälle ermittelt worden, trug der Verwaltungschef vor.

„Bei Vorliegen eines Indexfalles werden sofort die genannten Umgebungsuntersuchungen veranlasst, einschließlich der Kontaktpersonen, die nicht aus der Fleischindustrie kommen“, führte der Verwaltungschef weiter aus. „Die Zusammenarbeit mit dem Wohnpark Ahlhorn gestaltet sich dabei gut.“

Rechtsgrundlage fehlt

Für eine umfangreiche medizinische Untersuchung für alle in der fleischverarbeitenden Industrie tätigen Beschäftigten, aber auch anderen Gruppen – wie von den Grünen ins Spiel gebracht – fehle es allerdings an einer Rechtsgrundlage. Das Infektionsschutzgesetz sehe nur eine Umgebungsuntersuchung bei Vorliegen eines Ausgangsfalles vor und beschränke den Umfang lediglich auf Kontaktpersonen. Die sogenannten TBC-Röntgenreihenuntersuchungen wurde bereits 1983 abgeschafft.

Persönlich ergänzte Harings: „Die Bevölkerung kann sich darauf verlassen, dass die Kreisverwaltung bei jedweder Gefahr professionell, unaufgeregt und entschlossen handelt und informiert.“ Und werden dem Landkreis Fälle zugetragen, werde diesen auch nachgegangen, versicherte er. „Wir müssen da vorsichtig und auch wachsam sein“, entgegnete der Grüne Reinhold Schütte, der die Anfrage nur wenige Tage vor der Sitzung gestellt hatte.

fra

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