Leiter des Wichernstifts in Ganderkesee schlägt Alarm 

Alte Leute ohne Ende, aber nicht genug Pfleger

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. „Einige Betriebe machen schlichtweg alles, um Mitarbeiter zu kriegen“, fand Friedrich Mohn, Leiter des Wichernstifts in Ganderkesee, am Dienstag klare Worte. 

Mohn berichtete den Mitgliedern des Sozial- und Gesundheitsausschusses im Kreishaus in Wildeshausen, wie schwer es sei, Personal zu bekommen. Das Stift habe sogar Plätze abgebaut, weil nicht genug Pfleger vorhanden seien. Dabei ist die Nachfrage nach vollstationärer und Kurzzeitpflege hoch. Jede Woche muss Mohn drei bis vier Anfragen ablehnen.

Die SPD hatte das Thema „Personal in der Pflege“ auf die Tagesordnung gesetzt. Die Genossen beantragten eine Analyse und schlugen eine Kooperation mit der Gesundheitsregion Vechta/Cloppenburg vor, die sich bereits mit der Materie befasst habe.

153 Plätze in der Tagespflege im Landkreis

Bodo Bode, Sozialdezernent des Landkreises Oldenburg, informierte während der Sitzung, dass es elf Tagespflegeeinrichtungen im Landkreis gibt, die 153 Plätze anbieten. Hinzu kommen 1788 Betten in stationären Pflegeeinrichtungen. Jedes Jahr komme erfahrungsgemäß ein Heim dazu. Bauen ist das eine, Mitarbeiter anwerben das andere. Auch in Bezug auf die 13 ambulanten Pflegedienste, die im Landkreis aktiv sind, sagte Bode: „Es gibt da durchaus Wartelisten, weil es an Fachpersonal fehlt.“ Bei stationären Einrichtungen müssten mindestens 50 Prozent der Pfleger Fachkräfte sein. Diese Quote werde nicht immer eingehalten, so der Sozialdezernent. In solchen Fällen schreitet der Landkreis ein und kann Aufnahmestopps verhängen.

In anderen Fällen werden die Kapazitäten reduziert – wie beim Wichernstift: Statt 98 stehen in Ganderkesee derzeit nur 87 Plätze zu Verfügung. Die Einrichtung „hat sich verkleinert, weil wir Personalfluktuationen nicht auffangen konnten“, so Heimleiter Mohn. Bode hatte ihn als Referenten zu der Sitzung eingeladen.

„Unmoralische Angebote“ im Wettbewerb um Personal

„Es gibt ein ziemliches Hopping. Junge Leute suchen nach Stellen mit der besten Bezahlung, ältere schauen nach guten Arbeitsbedingungen“, so Mohn. Inzwischen sei es so weit, dass „der Wettbewerb um Personal den Bodenkontakt verliert“. Als gemeinnützige Einrichtung seien dem Wichernstift dabei gewissen Grenzen auferlegt. So bekämen alle Mitarbeiter den gleichen Lohn. Das sei nicht bei allen Arbeitgebern in der Branche der Fall. Teilweise würden Konkurrenten „unmoralische Angebote“ abgeben. Als Beispiel nannte er die Befreiung von Wochenenddiensten.

Als Ursache der Misere sieht Mohn unter anderem die geringe Attraktivität des Berufs. „Wir habe in den vergangenen zehn bis 15 Jahren Fehler gemacht.“ Es müsse dringend etwas für die Arbeitsbedingungen getan werden. Zumal die Nachfrage nach Pflegeplätzen in den kommenden Jahren durch die älter werdende Babyboomer-Generation zunehmen könnte.

Bleibt die Frage, was der Landkreis gegen den Personalnotstand tun kann. Bode schlug eine Veranstaltung mit Gesundheitsregion, Jobcenter und Arbeitsagentur im Kreishaus vor, zu der Pflegeanbieter eingeladen werden sollen. In diesem Rahmen sollen die Wünsche der Betriebe konkretisiert werden. Die Politik äußerte sich zustimmend zum Vorschlag des Sozialdezernenten.

Rubriklistenbild: © dpa

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