Kritische Frage zu Verwendung der Mieteinnahmen

Alt-Bürgermeister Rollié: „Villa Knagge darf nicht sterben“

Die Holzveranda wird seit dem vergangenen Herbst abgestützt.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Die Villa Knagge aus der Mitte des 19. Jahrhunderts gilt als eine der schönsten Villen im Landkreis Oldenburg. Allerdings ist die Gebäudesubstanz mittlerweile so marode, dass die Stiftung Johanneum als Besitzerin Teile der Immobilie auf Anweisung der Denkmalschutzbehörde des Landkreises hat sichern lassen.

Das war bereits vor neun Monaten. Eine Sanierung wurde jedoch noch nicht in Angriff genommen, ist aber dringend erforderlich. „Ich bin guter Dinge, dass wir auf einen Nenner kommen“, gibt sich Stefan Effenberger, beim Landkreis zuständig für den Denkmalschutz, optimistisch.

„Eine Rettung ist machbar. Wir haben im August weitere Gespräche mit der Stiftung Johanneum.“ Es habe zudem schon mehrere Termine vor Ort gegeben.

Mitte September ziehen die Mieter des Landkreises, der Betreuungsverein Oldenburg-Land, die Psychologische Beratungsstelle und die Zweigstelle des Jugendgerichtshilfevereins „Brücke“, aus dem Gebäude aus.

Der Landkreis hatte den Mietvertrag gekündigt, nachdem klar war, dass die Villa baufällig ist. Er lässt derzeit in einem Wohn- und Geschäftshaus am Mühlendamm Büros und Beratungsräume für die Institutionen herrichten.

„Der Auszug ist nun eine Chance für den Denkmalschutz“, sagt Effenberger. Wenn dort niemand mehr arbeite, könne man grundlegend an die Verbesserung der Substanz des Gebäudes gehen.

Wie aufwendig und ob eine Sanierung überhaupt durchgeführt wird, ist allerdings noch unklar. Von der Stiftung Johanneum gibt es dazu keine Auskunft. Es ist immerhin ein Ingenieurbüro beauftragt worden, einen Plan für die Arbeiten zu erstellen. „Ziel muss es sein, die Villa zukunftssicher zu machen“, gibt Effenberger als Devise aus.

Unterdessen setzt sich Wildeshausens Alt-Bürgermeister und ehemaliger Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Johanneum, Manfred Rollié, für schnelle und effektive Maßnahmen ein und stellt kritische Fragen: „Wofür sind die hohen Mietzahlungen in den vergangenen Jahren verwendet worden?“, möchte er wissen und ist der Meinung, dass schon der Einsatz eines Teils der Miet-Einnahmen den Verfall der Villa hätte verhindern können.

Er selbst habe früher als Kuratoriums-Vorsitzender viel Wert darauf gelegt, dass kontinuierlich der Bestand gepflegt wurde. „Die Denkmalschutzbehörde, der Landkreis, die Stadt und auch die Stiftung Johanneum sollten in einer konzertierten Aktion das Gebäude sanieren“, fordert Rollié. Es müsse unverzüglich durch die Reparatur der Dächer sichergestellt werden, dass keine weiteren Schäden mehr eintreten. „Die Villa muss dringend winterfest gemacht werden. Das gilt für die Heizung und die Wasserleitungen“, so Rollié.

Wie teuer eine Sanierung wird, darüber spricht niemand öffentlich. Doch allein die kunstvollen Holzteile zu erhalten, dürfte einiges Geld kosten. Die Holzveranda ist morsch und wird durch Pfeiler gehalten. An vielen Stellen ist zu sehen, dass unter dem Anstrich verrottetes Holz liegt. Somit könnten sich die Kosten auf über eine Million Euro belaufen.

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