AUS DEM GERICHT Angeklagter bestreitet sexuelle Nötigung in der Disco

Alles nur ein Missverständnis?

Am Landgericht in Oldenburg sind noch vier Prozesstermine angesetzt. Foto: Imago

Wildeshausen/Oldenburg - Von Ove Bornholt. Unter Tränen hat eine 21-Jährige am Mittwoch vor dem Landgericht Oldenburg geschildert, wie sie im Sommer 2019 in der Wildeshauser Discothek „5 Elements“ fast vergewaltigt wurde. Der angebliche Täter, ein 26-Jähriger aus Bremen, bestreitet den Vorgang, der als sexuelle Nötigung angeklagt ist.

Videos zeigen Mann, der Damen-WC verlässt

Auf Videos ist zu sehen, wie die junge Frau gegen 3.15 Uhr die Damentoilette betritt. Ein paar Sekunden später folgt ihr der Angeklagte, der eine gute Minute später schnellen Schrittes den Raum verlässt. Was drinnen passiert ist, zeigen die Aufnahmen nicht.

Die 21-Jährige sagte aus, sie sei auf die Toilette gegangen, weil ihr von einem Tequila schlecht geworden sei. Sie habe sich in eine Kabine begeben und abgeschlossen. „Da wusste ich noch nicht, dass das Schloss klemmte.“ Als sie vor der Kloschüssel hockte, um sich zu übergeben, habe der Angeklagte sie von hinten überwältigt.

„Er hat mir seine rechte Hand auf den Mund gedrückt, sodass ich nicht schreien konnte“, sagte die Frau aus Westerstede. Mit der anderen Hand habe der Mann erst ihre Brust berührt und dann versucht, seine Finger in ihre Hose zu schieben, die jedoch so eng saß, dass er nicht bis in den Schambereich kam. Sie wehrte sich. „Er hat seine Finger in meinen Mund gesteckt, da habe ich ganz doll zugebissen.“ Daraufhin habe der Angeklagte von ihr abgelassen und sei geflüchtet. Eine Verletzung an der Hand des Bremers ist dokumentiert, allerdings will er sich diese vor dem Abend bei der Arbeit in einem Stahlwerk in der Hansestadt zugezogen haben.

Der Vorsitzende Richter wollte wissen, wie die 21-Jährige den Mann denn erkannt habe, sein Gesicht habe sie ja nicht sehen können. „An seinem Geruch. Er hat penetrant gerochen, richtig eklig – wie in schimmeligen Wohnungen“, erwiderte die Frau, die sehr unter dem Geschehen leidet. Vor Gericht war sie mit einer psychosozialen Prozessbegleiterin erschienen. Während ihrer Aussage brach die Westerstederin in Tränen aus.

Angeklagter stark alkoholisiert

Der Angeklagte und die Frau hatten sich in der Disco zum ersten Mal getroffen. Und schon hier widersprechen sich die Aussagen. Sie schilderte, er habe sie einfach auf die Tanzfläche gezogen, hochgehoben und herumgewirbelt. „Ich habe versucht, das abzublocken, weil es mir zu viel war.“

Nachdem sie sich losgemacht habe, habe der Mann ihr ein Bier ausgegeben und versucht, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Die Westerstederin erzählte ihm einen falschen Namen und Wohnort, bevor sie mit einer Freundin den Raum in der Disco wechselte. „Aber er hat uns verfolgt.“ Erst als sie wütend geworden sei und ihn laut aufgefordert habe, sie in Ruhe zu lassen, sei er weggegangen. „Vorher hat er es nicht verstanden.“

Wenig später gab ein Bekannter ihrer Freundin den Tequila aus, wegen dem die 21-Jährige auf die Toilette wollte. Auf dem Weg habe sie noch nach dem Mann Ausschau gehalten. „Aber ich habe ihn nicht gesehen.“

Der Angeklagte, der am Tattag einen beachtlichen „Cocktail“ aus Anisschnaps, Whiskey, Marihuana, Tequila, Bier, Schmerzmittel und „Tabletten so ähnlich wie Ecstasy“ intus hatte, schilderte einen anderen Ablauf des Abends. „Er tanzte mit der Frau, verbrachte den Abend mit ihr. Als sie auf die Toilette wollte, verstand er, dass er hinterhergehen soll“, fasste die Verteidigerin die Wahrnehmung ihres Klienten zusammen. Dieser ergänzte, die Westerstederin habe ihm auf dem Weg zum WC mit der Hand signalisiert, er solle mit hinein gehen. Eine Videoaufzeichnung davon existiert nicht.

Der Bremer sagte aus, die Frau habe ihn in der Toilette am Unterarm angefasst und ihn mit in die Kabine nehmen wollen. Das habe er aber nicht gemacht. Daraufhin habe sie angefangen zu schreien. „Ich habe Angst bekommen“, so der Angeklagte, der das WC deswegen zügig verlassen und einen Türsteher angesprochen haben will. „Der hatte aber keine Zeit.“

Auf den Videoaufzeichnungen ist zu sehen, dass eine Zeugin, die in der Toilette war, den Angeklagten verfolgt. Wenig später wurde er von Türstehern im Eingangsbereich überwältigt.

Verfahren wird fortgesetzt

Mehrere Monate saß der Angeklagte in Untersuchungshaft, befindet sich aber derzeit auf freiem Fuß. Er muss sich bei der Polizei melden. Das Verfahren wird fortgesetzt. Es sind noch vier Termine angesetzt, bevor die zwei Richter und zwei Schöffen ihr Urteil fällen.

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