Was die Corona-Beschränkungen für die Wildeshauser Musiker bedeuten

Alle hoffen auf weitere Lockerungen

Freuen sich darauf, bald wieder mit dem Musikkorps Wittekind auftreten zu können: Elissa Jäschke, Lotta Matthiesen und Celine Nieste (v.l.). Fotos: Rinne

Wildeshausen - Von Holger Rinne. Wenn man den Probenraum des Blasorchesters Wildeshausen betritt, fallen dem Besucher zwei große Schilder mit dem Hinweis „Pause“ ins Auge. Normalerweise werden die Tafeln bei Konzerten zwischen Musikblöcken als Hinweis für das Publikum aufgestellt. Nun dienen Sie vor der seit Mitte März verwaisten Orchesterbestuhlung als Sinnbild für die Corona-Schutzmaßnahmen. Eine Zeit ohne Proben und Auftritte, die die Musiker zunehmend belastet. „Das Gemeinschaftsgefühl fehlt und immer, wenn ein Auftritt gewesen wäre und der Kalender daran erinnert, ist man traurig“, wie „Blow“-Musikerin Melanie Rohe berichtet.

Das Musikkorps Wittekind wurde vom Lockdown mitten während der „heißen“ Vorbereitungsphase kalt erwischt. „Leider hatten wir das Pech, dass wir gerade auf dem Hochlauf unserer Probearbeit für unser jährliches Eröffnungskonzert von ,hundert auf null‘ ausgebremst wurden. Ein paar Tage vor dem Termin mussten wir es plötzlich absagen und es fanden keine Proben mehr statt. Es gab keine Gelegenheit, die Situation zu verarbeiten oder sich zu verabschieden“, zeigt sich die Klarinettistin Michaela Klein tief enttäuscht. Auch für den Spielmannszug war es bisher eine kurze Gastspielsaison. „Wir haben durchschnittlich 50 Auftritte im Jahr zu absolvieren, dieses Jahr waren es gerade einmal drei. Da fehlt einem natürlich das Musizieren in der Öffentlichkeit und die Gemeinsamkeit, die man bei den Auftritten oder Proben hat“, so Tambourmajor Jens Hoffmann.

Grundsätzlich zeigen aber alle Befragten Verständnis, insbesondere für die Absage des Gildefestes, auch wenn dem einen oder anderen Pfingsten ohne Schützengilde und Marschmusik bisher schier unvorstellbar erschien. „Es gibt Musikerinnen, die seit mehr als 40 Jahren zum ersten Mal zu Pfingsten nicht in Wildeshausen sind oder zum ersten Mal die Woche nach Pfingsten keinen Urlaub nehmen müssen“, schildert Conny Wolter, Geschäftsführerin des Musikkorps die Gemütslage.

Einige versuchen, doch noch ein wenig „Gilde-Feeling“ einzufangen. Nach dem gescheiterten Versuch, mit Lyra und Trommel „Preußens Gloria“ zu intonieren (den Kindern war es zu laut), überbrückt das Gildekönigspaar Jan und Frederike Hoffrogge die gildefestfreie Zeit mit dem Hören der Gilde-CD vor dem Einschlafen. Beide sind seit Jahren im Spielmannszug aktiv. Auch wenn es in den Fingern juckt: Das Risiko, mit privatem Spiel in der Stadt Schaulustige anzulocken, will niemand eingehen, so Conny Wolter. Zumal Gildeoberst Willi Meyer ausdrücklich um Zurückhaltung gebeten hatte.

Bei allem Verständnis hoffen alle auf ein Signal von der Politik. „Nun, es wäre natürlich schön, wenn nach und nach weitere Lockerungen kämen, die wieder ein Auftreten oder Üben in der Gemeinschaft ermöglichen würden. Aber voreilige Lockerungen wären ebenso nicht gut, da wir nicht abschätzen können, welche Konsequenzen hieraus für das Gemeinwesen erwachsen können“, urteilt Spielmannszugsvorsitzender und Bürgermeister Jens Kuraschinski. Andere verweisen auf bevorstehende Lockerungen im Freizeitbereich. „Ich finde, da Sport sogar in Gruppen wieder erlaubt ist, könnte man auch Musikvereinen das Proben unter Auflagen wieder erlauben“, meint Rohe, während Klein eine hoffnungsvolle Botschaft sendet: „Egal wann und wie. Am Ende gewinnt die Musik!“

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