Alfred Panschar stöbert im Archiv/Dunghaufen prägen Stadtbild

Kind stirbt in Mistkuhle

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1910 waren die Probleme mit dem Schmutzwasser entlang der Westerstraße noch nicht endgültig behoben. Repro: Panschar

Wildeshausen - Mist und Gülle sowie Schmutzwasser haben schon seit vielen Jahren ihre festen Plätze, an denen sie gesammelt werden dürfen. Das war aber auch in Wildeshausen nicht immer so. Alfred Panschar vom Bürger- und Geschichtsverein hat in seinem Archiv gestöbert und Interessantes niedergeschrieben.

„Der Charakter Wildeshausens als typische Ackerbürgerstadt zeigte sich auch an der großen Anzahl von Mistgruben und Dunghaufen im Straßenbild. Es handelt sich dabei um ein Problem, mit dem viele kleinere Städte konfrontiert waren und lange Zeit vergeblich zu kämpfen hatten“, steht in einer Niederschrift. Häufig waren es weniger die Kommunen als die Stadtherren oder die staatliche Verwaltung, die aus vielerlei Gründen daran Anstoß nahmen.

Nachdem in der Wittekindstadt wieder einmal ein Kind in einer solchen Mistkuhle zu Tode gekommen war und der Amtmann darüber berichtet hatte, verfügte die Regierung in Hannover im Jahr 1719, alle tiefen und gefährlichen Mistkuhlen vor den Häusern, wo diese ohnehin nicht zu dulden waren, zuzuschütten. Der Stadtmagistrat sah das allerdings als großen Nachteil an, weil die meisten Stadtbewohner vom Ackerbau lebten, aber nur wenige Pferde und Wagen hätten, um den Mist gleich auf die Felder zu fahren. Allerdings sollten zu tiefe Mistkuhlen baulich verändert werden. Anders als die Stadt war der Amtmann der Ansicht, dass die meisten hinter ihren Häusern genug Platz zum Mist- und Ascheablagern hätten.

Er hatte sich mit der Minderheit derjenigen, die keinen Raum hinter ihren Häusern hatten, geeinigt, den Platz der gefährlichen Mistkuhlen so mit Steinen zu bepflastern, dass nur eine kleine Sinke blieb. So entschied dann die Regierung. Dennoch gab es drei Jahre später noch 14 offene und zu tiefe Mistkuhlen namentlich genannter Bürger und Einwohner, deren Schließung angeordnet und auch ausgeführt wurde.

1751 monierte das Amt gegenüber der Stadt, dass trotz verschiedener Verfügungen ganze Gossen mit Mist beworfen seien. Dadurch werde nicht nur das vom Stadtkämmerer mit großen Kosten unterhaltene Steinpflaster verdorben, sondern auch der Abfluss des Wassers gehindert. Der Magistrat sollte die Bürger unter Strafandrohung veranlassen, innerhalb von drei Tagen den Mist wegzuräumen.

1796 drängte der Kommandant der in Wildeshausen stationierten Garnison auf eine Wegräumung der Miststellen. Im Jahr 1800 gab es einen neuen Befehl zur Beseitigung der Mistpfützen und Gruben und in den Folgejahren entsprechende Wiederholungen.

Auf Veranlassung des Amtes reichte die Stadt ein Verzeichnis von nicht weniger als 77 Hausbesitzern ein, die in der Huntestraße, am Markt, in der Westerstraße und in der Kirchstraße ungeachtet des Kammerbefehls ihre Mistgruben noch nicht aufgefüllt hatten.

Sie wurden alle vorgeladen und nochmals eindringlich zur Beseitigung und Verlegung hinter die Häuser angehalten. Im nachfolgenden Jahr dehnte man diese Aktion auch auf die Nebenstraßen aus.

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