Alfred Panschar hält Vortrag im „Amtshaus“

Heringslauge für den Kirchturm

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Die Jusos mit Heimatforscher Alfred Panschar (Mitte, stehend) sowie den Ehrengästen und Zeitzeugen.

Wildeshausen - Junge und ältere Wildeshauser beschäftigten sich am Freitagabend mit der Geschichte der Alexanderkirche. Die Jusos hatten zu einem Vortrag mit Heimatforscher Alfred Panschar ins Restaurant „Altes Amtshaus“ eingeladen.

Warum musste der Zimmererlehrling damals Heringslauge den Turm hinauf schleppen? Wie sorgte der berühmte „Rucksackpastor“ mithilfe des Schwarzhandels für ein neues Uhrwerk? Warum überlebten die Glocken auf dem Hamburger Glockenfriedhof? Und wie bekamen die Baumeister ohne Kran und moderne Maschinen damals die 15 Meter langen Balken für die Spitze auf den Turm? All diesen Fragen ging Panschar mit seinen Zuhörern und einigen Zeitzeugen auf den Grund.

Als Ehrengäste hatte er Wilfried Kleine, damals Lehrling bei der Wildeshauser Zimmerei Kieselhorst, Gerhard Lübben und Heinrich Jüchter, den Vater der Wildeshauser Karikaturistin „Holly“, deren Zeichnungen Panschars Bericht veranschaulichten, eingeladen. Zudem illustrierten zahlreiche Fotos von damals und heute den Vortrag. Auch ein Foto einer Aquarellmalerei der Alexanderkirche, die ein englischer Soldat angefertigt hatte, war zu sehen.

Zu Anfang seines Vortrags berichtete Panschar von einigen Unstimmigkeiten, die bezüglich der Zerstörung des Kirchturms während des Zweiten Weltkriegs überliefert seien. In den Kirchturm sei eingraviert, dass der Turm in „den letzten Kampftagen durch Beschuss“ zerstört worden sei. „Richtig ist aber, dass die Engländer ein Feuer legten, weil sie vermuteten, dass sich oben deutsche Soldaten befinden“, konnte Panschar berichten.

Völlig zerstört wurde bei dem Brand auch die größte und schönste Glocke, die sich noch im Turm befand. „Die drei anderen überlebten auf dem Glockenfriedhof in Hamburg und wurden nach dem Krieg zurückgebracht – zum Glück kam man nicht dazu, sie einzuschmelzen“, so Panschar.

Vom Wiederaufbau des Kirchturms konnte Zeitzeuge Kleine anschaulich berichten – immerhin war er als 14-jähriger Lehrling dabei gewesen. „Als Lehrling hat man keine Meinung“, sagte er schmunzelnd. Und so hatte er nicht protestiert, als er am Seil den Turm hinuntergelassen wurde, um das Zifferblatt der Uhr abzumontieren. Auch musste er Heringslauge den Turm hinauf schleppen – damit wurde der Kirchturm eingepinselt, denn so erhielt das Kupfer direkt seine grüne Farbe.

Kleine wusste auch noch genau, wie die riesigen Balken ohne modernes Gerät den Turm hinauf geschafft wurden: „Die Arbeit erledigte damals ganz einfach ein Trecker – mithilfe eines ausgeklügelten Seilzugs.“

Ein neues Uhrwerk musste von der Turmuhrenfabrik Buer aus Melle besorgt werden. Der damals berühmte „Rucksackpastor“ aus Wildeshausen fungierte als Kundschafter: Mit Motorrad fuhr er dem Transporter voran, um zu verhindern, dass der Schwarzhandel-Transporter der Militärpolizei in die Arme fiel.

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