„World Cleanup Day“

Aktive sammeln knapp 4 000 Kippen ein

Eimerweise Zigarettenstummel: Die Aktion am „World Cleanup Day“ am Sonnabend interessierte unter anderem auch Bürgermeister Jens Kuraschinski (l.).
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Eimerweise Zigarettenstummel: Die Aktion am „World Cleanup Day“ am Sonnabend interessierte unter anderem auch Bürgermeister Jens Kuraschinski (l.).

Wildeshausen – Seit Monaten sammelt Jens Fröhlke in der Innenstadt Wildeshausens Zigarettenkippen ein. Angefangen hatte der Buchhändler damit im April vor seinem Laden am Marktplatz. Nach und nach dehnte er dann seinen Aktionsradius auf den gesamten Innenstadtbereich aus. Aus dieser privaten Initiative hat sich mit der Zeit das Bündnis „Kippenfreies Wildeshausen“ herausgebildet. Zum weltweiten „World Cleanup Day“ am Sonnabend hatten die Gründer Fröhlke, Bastian Lahrmann, Matthias Kluck, Majken Hjortskov und Christian Suhr Freiwillige zum gemeinsamen Müllsammeln eingeladen.

Vom Wildeshauser Marktplatz schwärmten ab 10 Uhr mehr als 20 Helfer, bewaffnet mit Eimer und Handschuhen, aus. Gegen 11 Uhr kehrten sie zurück. Kaum zu glauben, was sich innerhalb einer Stunde an weggeworfenen Zigarettenstummeln angesammelt hatte: Zunächst zählten die Aktiven etwa 2 800 Kippen. Doch Birte Hogeback vom Stadtmarketing legte mit der Ausbeute vom Burgbergpark noch einmal 1 100 Zigarettenreste drauf. Insgesamt dürften es wesentlich mehr gewesen sein. „Nicht alle Sammler haben mitgezählt“, berichtete Hjortskov.

Was ist das Problem mit diesem speziellen Müll? Die Filter bestehen aus dem Kunststoff Celluloseacetat. Der Zellstoff reichert sich beim Rauchen mit Substanzen wie Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und vor allem Nikotin an. Eine Studie der TU Berlin zeigt, dass 50 Prozent des in Zigarettenfiltern enthaltenen Nikotins bereits in weniger als 30 Minuten herausgelöst werden kann. Laut Weltgesundheitsorganisation verschmutzen pro Jahr zwischen 340 und 680 Millionen Kilogramm weggeworfene Zigarettenkippen unseren Planeten – ein großes Problem vor allem für die Weltmeere.

Wandaschenbecher sollen Abhilfe schaffen

Die Initiatoren vor Ort setzen aber nicht auf Verbote. „Wir sollten damit anfangen, die Stadt Wildeshausen wie unsere eigene zu behandeln und dementsprechend mit ihr umzugehen“, findet Lahrmann. „Ich bin Raucher und bis vor wenigen Jahren habe ich meine Zigaretten achtlos vor meinem Laden entsorgt. Ich wusste es nicht besser“, gestand Fröhlke.

„Könnte man nicht Flyer und aus Zigarettenresten recycelte Taschenaschenbecher an Raucher verteilen? Hat die Stadt ein Budget dafür?“, fragte Marianne Bernhard-Beeskow vom Nabu Wildeshausens den anwesenden Bürgermeister Jens Kuraschinski. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, antwortete der Verwaltungschef, ohne eine konkrete Zusage zu geben. Er verwies zusätzlich auf die seit Jahren bestehende Aktion „Saubere Innenstadt“ des Stadtmarketings.

Zum Abschluss hängten Fröhlke und Joshua Walther einen Wandaschenbecher des Vereins „TobaCycle“ an die Fassade des Buchladens am Markt. Dieser koste etwa 200 Euro, informierte Fröhlke. Das Stadtmarketing wird laut Hogeback zunächst fünf dieser Sammelbehälter in Wildeshausen anbringen. Diese bestehen laut Hersteller aus wiederverwerteten Kippen in Form eines Granulats und könnten nach der Nutzung recycelt werden.

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