„Aktionswoche Alkohol“: Hilfsangebote im Landkreis Oldenburg stellen sich vor

„Trocken“ dank der Gruppe

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Annegret von Essen (hinten, r.) und Mitglieder von diversen Selbsthilfegruppen im Landkreis bieten ihre Hilfe an.

Landkreis - „Ich kann mit Alkohol nicht umgehen – mit diesem Eingeständnis hat sich mein Leben komplett gewandelt“, sagt Reinhard Jamry. Mit Hilfe der Guttempler-Gemeinschaft Harpstedt hat er den Weg aus der Abhängigkeit geschafft. Jamry und die Mitglieder anderer Selbsthilfegruppen im Landkreis Oldenburg werben zusammen mit der Fachstelle Sucht der Diakonie dafür, diesem Beispiel zu folgen.

„Wir wollen Betroffene und ihre Angehörigen dazu ermutigen, sich Unterstützung zu suchen und ihnen zeigen, wo sie diese bekommen“, erklärt Annegret von Essen, Leiterin der Fachstelle in Wildeshausen. Anlass ist die bundesweite Kampagne „Aktionswoche Alkohol“, die noch bis Sonntag läuft.

Zusammen bildeten sie ein gut geknüpftes Hilfenetz im Landkreis, sagt von Essen, und meint damit die Gruppen des Blauen Kreuzes in Wildeshausen, Ahlhorn und Hude, die Guttempler-Gemeinschaften Harpstedt und Ganderkesee, die Selbsthilfegruppe für Alkohol- und Medikamentengefährdete (SAM) in Bookholzberg sowie den Freundeskreis Sandkrug. Sie alle richten sich sowohl an die Betroffenen selbst als auch an deren Angehörige. Denn: „Die ganze Familie leidet“, berichtet Karin Dörrbeck aus Bookholzberg. Sie spricht aus Erfahrung, denn als ihr Mann Klaus noch nicht „trocken“ war, habe sie all das übernehmen müssen, was er wegen seiner Krankheit vernachlässigt hat. Familienangehörige, Freunde oder Ärzte sind es auch, die viele Alkoholiker darauf hinweisen, dass es so nicht weitergeht.

Eine der Ausnahmen ist Hanna Plate. Bei ihr kam die Einsicht von selbst, als sie ihre Beine immer wieder im Stich ließen: „So Hanna, das war‘s“, erinnert sie sich noch genau an den Moment ihrer bewussten Abkehr vom Alkohol. Geschafft hat sie es mit Hilfe der Ganderkeseer Guttempler. „Es braucht ein negatives Aha-Erlebnis“, ist sich auch Hanno Naber aus Ahlhorn sicher. Bei Klaus Dörrbeck war es die Tatsache, dass sich auch seine Kinder immer mehr von ihm zurückzogen. Den Satz „Papa, du bist peinlich“ wird er wohl nie vergessen.

Und doch sei der nächste Schritt, nämlich sich Hilfe zu suchen und anderen gegenüber zu öffnen, wohl der schwierigste. Für jeden gebe es dabei eine enorme Hemmschwelle. Allein habe er sich zum Beispiel vor dem Gang zur Selbsthilfegruppe gedrückt, berichtet Dörrbeck. Erst als seine Frau mit ihm kam, konnte er sich dazu durchringen. Sich die Unterstützung von Angehörigen oder Freunden zu holen, empfehlen auch die meisten anderen Betroffenen. Zumal der Austausch eben auch für die Familienmitglieder selbst eine wichtige Stütze sein kann.

Was ausgerechnet Alkohol für viele so gefährlich macht, weiß von Essen genau: „Er ist gesellschaftlich akzeptiert, leicht verfügbar und die gesundheitlichen Gefährdungen werden unterschätzt.“ Und der Weg hinein in die Abhängigkeit sei ein ganz leichter: „Als Belohnung nach der Arbeit oder wenn ich mich über etwas geärgert habe – irgendein Grund findet sich immer“, beschreibt Naber das Phänomen.

Wer sich über die Angebote der Fachstelle Sucht oder dei einzelnen Selbsthilfegruppen informieren möchte, kann sich telefonisch unter 04431/2964 oder per E-Mail an fs-sucht-lkol@diakonie-ol.de melden.

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