AfD-Politiker sprechen von „Beleidigung“

Ratsherren als „Faschistenpack“ bezeichnet?

Vor der Ratssitzung in der Wallschule: Die Antifaschistische Aktion protestierte gegen die AfD.
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Vor der Ratssitzung in der Wallschule: Die Antifaschistische Aktion protestierte gegen die AfD.

Wildeshausen – Im Rahmen der konstituierenden Ratssitzung in der Wallschule Wildeshausen soll es am Donnerstag zu einem Vorfall gekommen sein, der zunächst nicht öffentlich geworden ist. Nach Angaben von AfD-Ratsherr Frank Voigt von Montag soll im Laufe der Sitzung ein älterer Bürger von der Tribüne aufgestanden und zum Tisch von Voigt sowie seinem Parteifreund Thomas Krahn gegangen sein und ihnen „Elendes Faschistenpack! Verreckt!“ zugeraunt haben.

„Er ist ganz nah an Krahn herangekommen, praktisch Kopf an Kopf“, erinnerte sich Voigt. Sie beide seien sehr geschockt über diese „Beleidgung“ gewesen und hätten überlegt, ob sie den Vorfall, den wohl sonst niemand mitbekommen habe, melden sollen. „Wir wollten aber lieber keine Unruhe stiften“, so Voigt. „Außerdem mussten wir das erst mal verarbeiten.“

Bürger weist Vorwürfe entschieden zurück: Skandalös!

Dass jemand am Tisch der AfD vorbeigegangen war und sich zu den Männern gebeugt hatte, hatten andere Ratsmitglieder gesehen. Sie hatten aber nichts gehört. Es war Ralf Beduhn, in der Region bekannt als entschiedener AfD-Gegner. Die ihm vorgeworfenen Worte wies er jedoch entschieden zurück. „Das ist unter meinem Niveau. Es ist skandalös, dass die mit solch einer Behauptung um die Ecke kommen“, sagte er. Er habe lediglich etwas vor sich hingemurmelt, weil er mit dem Verlauf der Ratssitzung unzufrieden gewesen sei. Er sei auch nur gekommen, weil er befürchtet habe, dass Voigt als zweitältester Ratsherr die Eröffnung der Sitzung vornimmt. „Und das am Tag der Enttarnung der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund vor genau zehn Jahren. Das wäre ein schlimmes Signal gewesen“, so Beduhn.

Schon vor dem Eingang gab es Proteste

Im Vorfeld der Ratssitzung hatte es vor dem Eingang Proteste dagegen gegeben, dass die AfD erstmalig in den Wildeshauser Stadtrat gewählt wurde. Die Gruppe, die sich als „Antifaschistische Aktion Wildeshausen“ bezeichnete, hatte Transparente präsentiert, mit denen unter anderem gegen Rassismus, Faschismus und Sexismus protestiert wurde. Drei Personen hatten mit tief gezogenen Mützen und Mund-Nasen-Schutz – später die Ratssitzung auf der Tribüne verfolgt, waren dann aber – ebenso wie der ältere Bürger – nach kurzer Zeit wieder gegangen.

Ratsvorsitzender Günter Lübke hat nach eigenen Angaben von dem Vorfall nichts mitbekommen. Auf Nachfrage erklärte er, dass er das Gespräch mit Voigt suchen wolle, um mehr über den Vorfall zu erfahren. „Derartige Bemerkungen darf es in einer Ratssitzung nicht geben“, so Lübke. Er bedauerte, nicht sofort davon erfahren zu haben.

Frank Voigt

Voigt sieht sich eigenen Angaben zufolge nicht als Rechtsextremist oder Neo-Nazi. „Ich verfluche den Krieg von Hitler. Ich habe mich mein Leben lang für Soziales eingesetzt“, beteuerte er gegenüber unserer Redaktion. Er habe sogar Angela Merkels Flüchtlingspolitik in weiten Teilen für richtig gehalten. „Es hätte nur nicht so unkontrolliert laufen dürfen“, sagte der Ratsherr. Er sei dafür, dass seine Enkelkinder ebenso wie alle rechtschaffenen Flüchtlinge in Deutschland in Frieden leben könnten. Und sollte die AfD nach der Bundesvorsitzendenwahl weiter nach rechts abdriften, würde er die Partei verlassen. Derzeit sei sie aber seine Heimat, weil er dagegen sei, dass Menschen wegen ihrer politischen Meinung diskriminiert würden. Als Zeichen für seine Einstellung, so Voigt, wolle er auch am Erinnerungsgang an die Pogrome teilnehmen.  

Thomas Krahn

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