Geplante Änderung

Jagdrecht erhitzt Gemüter: Katzen sollen abgeschossen werden dürfen

Viele Katzen sind Freigänger und treiben sich in Gärten, auf Wiesen und in Wäldern herum. Wenn sie weit außerhalb der Siedlung sind, dürfen sie abgeschossen werden.
+
Viele Katzen sind Freigänger und treiben sich in Gärten, auf Wiesen und in Wäldern herum. Wenn sie weit außerhalb der Siedlung sind, dürfen sie abgeschossen werden.

Landkreis – Unser Bericht „Todesurteil für viele Freigänger“, der sich mit dem Abschuss von Katzen durch Jäger befasst, hat ein Riesen-Echo ausgelöst. Mittlerweile gibt es auch eine Petition an den Niedersächischen Landtag, die sich mit dem Thema befasst. Über die Leser-Reaktionen berichten wir hier - und konkretisieren noch einmal, welche Änderung im Jagdgesetz geplant ist.

Laut aktuellem, seit vielen Jahren geltendem niedersächsischen Gesetz dürfen Jäger Katzen töten, die sich mehr als 300 Meter entfernt vom nächsten Wohnhaus aufhalten und beim Wildern auf jagdbares Wild beobachtet werden. Das soll verschärft werden, wenn es nach den Plänen der niedersächsischen Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Barbara Otte-Kinast (CDU), geht. Laut ihrem vorliegenden neuen Entwurf des Jagdrechts muss eine Katze nicht mehr beim Wildern erwischt werden. Sie darf auch ohne triftigen Grund abgeschossen werden, wenn sie sich mehr als 300 Metern vom nächsten Wohnhaus entfernt hat. Dagegen protestieren heimische Tierschützer.

„Mit der neuen Regelung wird einfach angenommen, dass eine Katze jagdbares Wild wildert“, kritisiert Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Niedersächsischen Landestierschutzverbandes und Verfasser eines Protestbriefes an das Landwirtschaftsministerium, gegenüber unserer Zeitung.

Auf unsere Berichterstattung mit dem Titel „Todesurteil für viele Freigänger“ gab es deutliche Reaktionen von Lesern. Die Beiträge reichten von Aussagen wie „ein Katzenhalter, der sein Haustier täglich in freier Wildbahn wildern lässt, handelt kriminell und absolut unverantwortlich gegenüber Singvögeln und Bodenbrütern“ bis hin zu „Katzen gehören grundsätzlich nicht abgeschossen“.

Eine Leserin aus Wildeshausen schreibt an die Redaktion: „Eine Katze kann einen ganzen Vogelstamm ausrotten. Ich beobachte immer wieder, wie Katzen versuchen, Vögel von der Hecke zu holen.“ Und ein Leser ergänzt zu unserem Artikel: „Überlege mal, wie viele Vögel dein Kater im Wald gekillt hat. Jäger = Vogelretter.“

Der Kreisjägermeister des Landkreises Oldenburg, Friedrich Hollmann aus der Gemeinde Dötlingen, versucht, die Emotionen aus der Diskussion zu nehmen. „Kein Jäger hat ein Interesse daran, Katzen zu töten“, betont er. Jeder Jagdscheininhaber würde erst einmal prüfen, ob eine Katze, die sich weitab von Häusern aufhält, ein Halsband trägt und gepflegt aussieht. „Die Kollegen gehen verantwortungsvoll damit um, dass Katzen abgeschossen werden dürfen“, sagt er und weist darauf hin, dass es im Landkreis Oldenburg ohnehin nur wenige Gegenden gibt, wo ein Wohnhaus weiter als 300 Meter entfernt ist. „Kein Katzenbesitzer muss davon ausgehen, dass eine Katze jetzt verstärkt in Gefahr gerät“, so Hollmann.

Kreisjägermeister Friedrich Hollmann.

Gegen unkontrollierte Vermehrung

Ruhnke erklärt, woher der aktuelle Passus im Jagdrecht überhaupt kommt: „Die ursprüngliche Regelung wurde seinerzeit aufgenommen, weil unkastrierte Hofkatzenpopulationen sich unkontrolliert vermehrt haben. Seinerzeit war die Katze noch nicht als Haustier etabliert und die Kastration der Tiere war keine gängige Praxis. Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Die Hauskatze ist mittlerweile das beliebteste Haustier, und die Kastration zur Verhinderung unkontrollierten Nachwuchses hat sich durchgesetzt“, schreibt er. Die Ergebnisse der Naturschutzbund-Zählaktion „Stunde der Gartenvögel“ seit 2005 zeigen laut Ruhnke, dass die generellen Artenbestände im Siedlungsraum, also dort, wo Hauskatzen jagen, stabil sind, obwohl der Hauskatzenbestand seit Jahren kontinuierlich ansteigt.

Tierschützer Dieter Ruhnke.

Katzenbesitzer klagen ihr Leid

Groß war die Zahl von Katzenbesitzern aus Nah und Fern, die berichteten, dass ihre Lieblinge im Freien erschossen wurden. So schreibt Karin Oswald aus Bayern: „Auch unsere Katze wurde von einem Jäger getötet. Immer aggressiver verteidigen Jäger den Katzenabschuss. Während man noch vor nicht allzu langer Zeit Katzen heimlich getötet hat (schießen, schaufeln, Schnauze halten), pocht man nun auf sein Recht, die Haustiere seiner Mitmenschen zu töten. Menschen, die ihrer Katze ein möglichst artgerechtes Leben ermöglichen möchten, werden als Kriminelle bezeichnet.“ Ein Jäger habe als Reaktion auf den Zeitungsartikel sogar eine Abschussprämie für Katzen gefordert.

Schätzungen: Streuner töten viele Vögel

Hans-Gerd Dörrie aus der Gemeinde Großenkneten verweist in einer Reaktion auf unseren Artikel auf Schätzzahlen: „Man geht in Deutschland von mindestens 15 Millionen gehaltenen Katzen aus und schätzt, dass davon bis zu einem Viertel, also mehr als drei Millionen Katzen streunen.“ Es könnten somit allein in Niedersachsen etwa 300 000 streunende Katzen unterwegs sein. „Wenn diese Katzen wöchentlich nur einen Vogel fangen, sind das im Jahr schon 15 Millionen Tiere“, so Dörrie, der für eine Abwägung plädiert: „Das sogenannte Paderborner Modell ist ein Schritt in diese Richtung, indem Katzenhalter verpflichtet werden, ihre Katzen zu kastrieren und zu chippen. Ein Problem ist die Kontrolle derer, die sich nicht daran halten. Hier könnten tatsächlich die Jäger ins Spiel kommen. Katzen lassen sich relativ leicht fangen. Die, die zutraulich sind, kommen ins Tierheim und können über den Chipcode dem Halter zugeordnet werden.“

Die anderen Katzen, so Dörrie, „werden vermittelt und dann auch gechippt in gute Hände gegeben oder werden aus Artenschutzgründen euthanasiert. So ein Vorgehen könnte die emotionale Diskussion entschärfen und erheblich zur Versachlichung beitragen.“

Petition an den Niedersächsischen Landtag

Unterdessen läuft derzeit eine Petition von Alfred Stiens, der seit 1997 ein Wochenendhaus in Twistenbostel bei Zeven besitzt, an den Niedersächsischen Landtag. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir drei Katzen verloren, außerdem wissen wir von drei weiteren Katzen, die in den vergangenen Jahren hier spurlos verschwunden sind. Vermutlich sind es sogar noch mehr. Von all den verschwundenen Katzen hat man nie etwas gefunden. In unserer Umgebung befinden sich keine freilaufenden Katzen mehr. Wir gehen davon aus, dass Jäger all diese Katzen erschossen haben“, heißt es dort. Wir beantragen deshalb, dass auch in Niedersachsen ein Abschussverbot für Katzen erlassen wird. Die Petition findet sich unter folgendem Link www.navo.niedersachsen.de/navo2/portal/nipetition/0/publicviewpetition?id=58

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Meistgelesene Artikel

„Rollende Zeitbombe“ auf der A1 entdeckt

„Rollende Zeitbombe“ auf der A1 entdeckt

„Rollende Zeitbombe“ auf der A1 entdeckt
Kritik an Geestland: Firma reagiert am Abend

Kritik an Geestland: Firma reagiert am Abend

Kritik an Geestland: Firma reagiert am Abend
Neue Allgemeinverfügung bis zum 9. Mai: Weiter Einschränkungen im Landkreis

Neue Allgemeinverfügung bis zum 9. Mai: Weiter Einschränkungen im Landkreis

Neue Allgemeinverfügung bis zum 9. Mai: Weiter Einschränkungen im Landkreis
Landkreis Oldenburg hebt Ausgangssperre auf

Landkreis Oldenburg hebt Ausgangssperre auf

Landkreis Oldenburg hebt Ausgangssperre auf

Kommentare