Antragstellung für EU-Dokument: Sonder-Öffnungszeiten

Abschied vom „Lappen“: Großer Andrang beim Landkreis Oldenburg

Der Autor dieses Artikels muss seinen grauen „Lappen“ spätestens im übernächsten Jahr durch ein EU-Dokument ersetzen.
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Der Autor dieses Artikels muss seinen grauen „Lappen“ spätestens im übernächsten Jahr durch ein EU-Dokument ersetzen.

Der Umtausch alter Führerscheine in EU-Exemplare führt zu großem Andrang beim Straßenverkehrsamt des Landkreises Oldenburg. Aktuell betroffen sind die Geburtsjahrgänge 1953 bis 1958.

Landkreis Oldenburg – Führerscheinbesitzer, die zwischen 1953 und 1958 geboren wurden, müssen sich jetzt von ihrem grauen „Lappen“ verabschieden. In zwei Wochen verlieren die Dokumente für die entsprechenden Geburtsjahrgänge ihre Gültigkeit. Das gilt auch für die rosa Exemplare.

Antrag beim Landkreis oder bei der Wohnortgemeinde

Aufgrund einer EU-Richtlinie müssen alle vor dem 19. Januar 2013 ausgestellten deutschen Führerscheine bis zum Jahr 2033 sukzessive umgetauscht werden. Eine einheitliche EU-Fahrerlaubnis im Scheckkartenformat ersetzt die alten Papierdokumente. Einen entsprechenden Antrag können die betroffenen Bewohner beim Landkreis Oldenburg oder bei ihrer Wohngemeinde stellen. Dafür brauchen sie allerdings Geduld. Wer erst jetzt erkennt, dass sein „Lappen“ in wenigen Tagen ungültig wird, bekommt keinesfalls mehr rechtzeitig Ersatz.

Bearbeitungszeit liegt bei drei bis vier Wochen

„Die Bearbeitungszeit liegt aktuell bei drei bis vier Wochen, da die Bundesdruckerei den neuen Führerschein erstellt“, erklärt Siegfried Bluhm, Leiter des Kreisstraßenverkehrsamtes in Wildeshausen. Hinzu komme noch die Vorlaufzeit für einen Termin zur Antragstellung. Die ist nur persönlich bei der zuständigen Behörde möglich. Beim Landkreis beträgt sie derzeit vier Wochen. Der Andrang auf die Führerscheinstelle der Kreisverwaltung sei sehr groß. „Daher sind bereits Sonder-Öffnungszeiten im Rahmen der Terminvergabe freigeschaltet worden. Zusätzlich wurden auch einige Abläufe für eine zügige Abarbeitung umgestellt“, berichtet Bluhm. Die Führerscheinstelle werde von einigen Bürgern mehrfach am Tag telefonisch kontaktiert und teilweise auch beschimpft. 60 Anrufe seien es alleine am Dienstag zwischen 8 und 11.30 Uhr gewesen. Der Leiter des Straßenverkehrsamtes kritisiert, dass Termine teilweise doppelt gebucht, aber bei Verhinderung nicht rechtzeitig abgesagt würden. Bluhm: „Das System kann nur funktionieren, wenn sich jeder vernünftig verhält und die Termine auch wieder storniert werden, wenn sie nicht genutzt werden können.“

Polizei soll bei Kontrollen kulant sein

Die Kreisverwaltung bittet in diesem Zusammenhang eindringlich darum, dass jetzt nur die Fahrerlaubnisinhaber der Jahrgänge 1953 bis 1958, die noch im Besitz des grauen beziehungsweise des rosa Führerscheins sind, den Antrag auf Umtausch stellen. Alternativ könne dieser auch in der Gemeinde des jeweiligen Wohnortes gestellt werden, sagt Bluhm. Dort geht es teilweise deutlich schneller. So müssen Betroffene in der Samtgemeinde Harpstedt zum Beispiel nur wenige Tage auf einen Termin warten. Wildeshauser haben dagegen keine Wahl. Sie können ihren Antrag ausschließlich beim Landkreis stellen. Aufgrund der langen Wartezeiten habe das Land Niedersachsen die Polizei allerdings angewiesen, bei Kontrollen kulant zu sein, so Bluhm.

Einige Harpstedter benötigen Karteikartenabschrift

Neben den üblichen Unterlagen für die neue EU-Fahrerlaubnis benötigen Einwohner der Samtgemeinde Harpstedt womöglich zudem eine sogenannte Karteikartenabschrift. „Auf der ist hinterlegt, wo und wann jemand seine Führerscheinprüfung gemacht hat“, erläutert der Straßenverkehrsamtsleiter. Diese Karteikarte liegt in den Aktenkellern der Kreisverwaltung, in der die Inhaber bei der Ausstellung der Fahrerlaubnis gelebt haben. Harpstedt gehörte bis zur Gebietsreform im Jahr 1977 zur Grafschaft Hoya – die größtenteils in dem heutigen Landkreis Diepholz aufging. Wer in Harpstedt also vor der Reform seinen Führerschein gemacht hat, ist davon betroffen. „Das gilt für jeden Menschen, der zu- oder weggezogen ist, aber ebenfalls“, verdeutlicht Bluhm. Schließlich werde der Führerschein bei einem Umzug nicht umgeschrieben.

Die entsprechenden Personen können entweder den Landkreis Oldenburg sowie die Wohnortgemeinde für zehn Euro mit der Abschrift beauftragen, oder sich diese selbst bei dem ehemaligen Heimatkreis besorgen und dem Antrag beifügen.

In den kommenden Jahren sind weitere Jahrgänge betroffen

In den kommenden Jahren sind weitere Jahrgänge von der Umtauschaktion betroffen. Menschen, die zwischen 1959 und 1964 geboren sind und deren Führerschein vor dem 31. Dezember 1998 ausgestellt wurde, müssen ihren Führerschein bis zum 19. Januar 2023 umgetauscht haben. Ein Jahr länger Zeit haben Personen, die zwischen 1965 und 1970 geboren wurden – zwei Jahre länger alle danach geborenen. Ab 2026 beginnt die Abgabefrist für sämtliche ab dem 1. Januar 1999 ausgestellten Führerscheine. Bei ihnen hängt das Umtauschdatum vom Jahr der Ausstellung des Dokuments ab, nicht vom Geburtsjahr. Der graue oder rosa „Lappen“ von Führerscheininhabern, die vor 1953 geboren wurden, bleibt dagegen bis Januar 2033 gültig.

Bluhm geht davon aus, dass im Landkreis Oldenburg bis zum Ende der Umstellung zwischen 70 000 und 80 000 Dokumente von dem Tausch betroffen sein werden.

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