Bestatter Fabian Reinke berichtet

Abschied nehmen unter Corona-Bedingungen - was das für Angehörige bedeutet

Fabian Reinke kann Bestattungen derzeit nur mit Einschränkungen durchführen. Foto: Rinne
+
Fabian Reinke kann Bestattungen derzeit nur mit Einschränkungen durchführen.

Wildeshausen - Von Holger Rinne. Das Coronavirus hat alle Bürger fest im Griff. Die Maßnahmen zum Schutz vor der Ansteckung wirken sich nahezu auf jeden Lebensbereich aus. Besonders hart treffen die Kontaktverbote diejenigen, die Abschied von einem verstorbenen Menschen nehmen müssen. Wie bereits berichtet, ist auch in Wildeshausen der Zutritt zur Friedhofskapelle gesperrt. Die Trauerhalle des Bestattungsunternehmens Reinke an der Heemstraße ist für die Öffentlichkeit ebenfalls tabu. An der Trauerfeier, die entweder vor der Kapelle oder an der Grabstelle stattfindet, dürfen höchstens zehn Personen teilnehmen.

Wie gehen die Angehörigen mit dieser besonderen Situation um? „Jedem ist bewusst, dass es in der jetzigen Zeit fühlbare Einschränkungen im alltäglichen Leben gibt. Deshalb sprechen wir diese Einschränkungen auch ohne viel Umschweife direkt an und treffen durchweg auf Verständnis“, sagt Bestatter Fabian Reinke. „Klar ist es für die Angehörigen schwierig, im Zweifel zwischen dem einen oder dem anderen Trauergast zu entscheiden. Es werden aber alle kreativ, wenn es darum geht, etwa eine weitere Feier im Sommer auszurichten und die Trauergemeinde dazu beispielsweise in den eigenen Garten einzuladen“, sagt der Juniorchef des Wildeshauser Familienunternehmens. Auf Wunsch werde die Trauerfeier per Videokamera aufgenommen und stehe den Familienangehörigen anschließend zur Verfügung.

„Selbstverständlich gibt es bei der Zeremonie im Freien eine Aufbahrung, also eine Dekoration mit Blumen, Kränzen oder Fotos des Verstorbenen. Auch ein Organist kann spielen, mit E-Piano und Verstärker. Individuelle Musikwünsche werden über Lautsprecher eingespielt“, informiert Reinke und betont die „unkomplizierte und reibungslose Zusammenarbeit“ mit den beiden Kirchgemeinden sowie den Trauerrednern.

Eine Verschiebung des Begräbnisses, die ja ohnehin nur bei einer Urnenbestattung infrage käme, hält er allerdings für problematisch. „Hierzu stellt sich mir auch fachlich die Frage, ob das Hinausschieben der Beisetzung trauerpsychologisch sinnvoll ist. Je länger der Zeitraum zwischen Versterben und Beisetzen, desto weiter ist unser Trauerprozess fortgeschritten. Bereits zu heilen beginnende Wunden durch die Beisetzung wieder aufzureißen, ist für keinen Trauernden von Vorteil“, ist sich der Bestatter-Meister sicher.

Etwas treibt ihn und seine Kollegen in dieser Zeit um. „Bei aller gebotenen Vorsicht und der Sinnhaftigkeit hinter den derzeitigen Maßnahmen sollten wir uns als Gesellschaft überlegen, wie wir mit den Sterbenden und vor allem deren Angehörigen in einer Zeit wie dieser umgehen wollen. Es kann nicht sein, dass der Sterbeprozess etwa im Altenheim von den nahen Angehörigen nicht mehr begleitet werden darf oder dass die offene Abschiednahme, sozusagen das ,letzte auf Wiedersehen‘, verboten wird. Niemand sollte allein gelassen gehen müssen; niemand sollte jemanden alleine gehen lassen müssen“, appelliert Reinke an die Verantwortlichen und ergänzt zum Abschluss: „Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Tagen hierzu etwas von der Ethikkommission hören werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fossilien-Grube Messel feiert 25 Jahre Welterbe

Fossilien-Grube Messel feiert 25 Jahre Welterbe

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Meistgelesene Artikel

81 „Aderlässe“ in Groß Ippener

81 „Aderlässe“ in Groß Ippener

Finanzausschuss tagt im Koems

Finanzausschuss tagt im Koems

Offene Stellen im Ehrenamt

Offene Stellen im Ehrenamt

Hübsches Kleinod an der Kirchstraße

Hübsches Kleinod an der Kirchstraße

Kommentare