„Fridays for Future“-Protest in der Innenstadt / Nur gut 25 Teilnehmer

„Abschied von der Erde nehmen“

Protest in Wildeshausen: Die Demonstranten zogen durch das Westertor in die Innenstadt ein. Vor dem Stadthaus fand die Abschlusskundgebung statt. Fotos: bornholt

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Gut 25 Demonstranten sind am Freitagnachmittag durch Wildeshausen gezogen, um gegen Umweltzerstörung und für mehr Klimaschutz zu protestieren. Vom Parkplatz am Friedhof ging es im nasskalten Novemberwetter kurz nach 16 Uhr auf der Visbeker Straße zum Westertor und von dort zum Marktplatz. Bei der abschließenden Kundgebung äußerten mehrere Redner ihr Unverständnis für die in ihren Augen mangelnde Handlungsbereitschaft der Politik und die zunehmende Umweltzerstörung.

Der Protest unter dem Motto „Fridays for Future“ zog wesentlich weniger Menschen an als bei vorherigen Veranstaltungen in diesem Jahr. Ein älterer Herr zeigte sich entsetzt. „Das kann doch nicht alles sein“, rief er erstaunt, als er sich dem Protest am Friedhof anschloss.

Die Demonstranten hatten ihre Veranstaltung als Trauerfeier inszeniert. Zwei junge Männer schulterten einen mit leeren Zigarettenschachteln, Kunststoffverpackungen, diversen Plastiktüten sowie einem Globus gefüllten Sarg und trugen ihn durch die Stadt. Einige Teilnehmer waren ganz in Schwarz gekleidet, trugen Anzüge wie bei einer Beerdigung.

„Trauergemeinde“ stoppt vorm Stadthaus

„Liebe Trauergemeinde“, fing denn auch die Schülerin Jenna Lindemann aus Dötlingen ihre Abschlussrede an. „Wir müssen Abschied von der Erde nehmen.“ Die Menschen hätten alles darauf getötet. Und da sie nicht auf die Warnsignale gehört hätten, „müssen wir jetzt den Verlust spüren“. Es gebe zum Beispiel keine Artenvielfalt mehr, beklagte Lindemann. Vor dem Stadthaus sang eine Teilnehmerin „Heal the World“ und erntete Applaus. Auf den Transparenten standen Sprüche wie „Hier könnte Ihr Meeresspiegel stehen“, „Die Dinos dachten bestimmt auch, sie hätten noch Zeit“ und „Kapitalismus tötet“.

Da es weniger als 50 Demonstranten waren, hatte die Polizei es den Klimaaktivisten untersagt, auf der Straße zu marschieren. Stattdessen mussten sie auf dem Bürgersteig bleiben. Dementsprechend hielten sich die Verkehrsbehinderungen in Grenzen. Erst im Innenstadtbereich durften die Protestler auf der Westerstraße gehen, sodass sich mancher entgegenkommende Autofahrer unversehens in einer Demonstration wiederfand.

Immer wieder stoppten Passanten unterwegs, machten Fotos und Videos mit ihren Handys. Ihr Ziel, für Aufmerksamkeit zu sorgen, erreichten die Teilnehmer also durchaus, auch wenn sich ihnen kaum jemand anschloß. Unter den Demonstranten waren auch drei Ratsmitglieder: Kreszentia Flauger (Linke), Klaus Schultze (Grüne) und Frank Stöver (CDW). Ansonsten waren vor allem jüngere Menschen dabei, aber auch Rentner liefen mit.

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