Stadtverwaltung soll mit Eigentümer über Erhalt des Gebäudes sprechen

Abriss von alter Schmiede in Wildeshausen vertagt

Eine Skizze von Stephan Damke: So stellt sich der Architekt den Anblick eines sanierten Schmiede-Gebäudes vor. Zeichnung: Damke
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Eine Skizze von Stephan Damke: So stellt sich der Architekt den Anblick eines sanierten Schmiede-Gebäudes vor. Zeichnung: Damke

Die alte Schmiede an der Straße „Lütjen Ort“ in Wildeshausen ist marode. Der Eigentümer will das Gebäude abreißen. Da spielt die Politik aber noch nicht mit.

Der Ausschuss für Stadtplanung, Bau und Umwelt hat den Abriss der alten Schmiede an der Straße „Lütjen Ort“ in Wildeshausen erst einmal vertagt. Das Gremium sprach sich nach einer Begehung am frühen Mittwochabend und der anschließenden Beratung im Rathaus einstimmig dafür aus, dass vor einer Entscheidung das Gespräch mit dem Eigentümer gesucht werden soll.

Es soll geklärt werden, wie teuer es wäre, der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Außerdem soll besprochen werden, ob die alte Werkstatt nicht doch erhalten werden kann. Wie berichtet, plant der Eigentümer einen Abriss des in seinen Augen maroden Gebäudes. Perspektivisch soll ein Neubau im Stil der gegenüberliegenden Wohngebäude an der Burgstraße errichtet werden.

Die Denkmalschutzbehörde sieht keinen geschichtlichen oder städtebaulichen Wert des Hauses. Das sah im Ausschuss nicht jeder so. „Es tut mir in der Seele weh, ein Stück Wildeshauser Geschichte und auch Gildegeschichte abzureißen“, sagte Matthias Kück, der sich genau wie Hermann Hitz (beide UWG) bei der Beschlussfassung enthielt. „Wir verlieren wieder ein altes Gebäude von geschichtlichem Wert“, beklagte Kück.

CDU, CDW und FDP für Abriss, UWG dagegen

„In diesem Zustand kann doch kein Mensch etwas damit anfangen“, hielt Wolfgang Sasse (CDU) dagegen. Er sei für einen Abriss, aber vielleicht könnten einzelne Elemente des alten Gebäudes in einen Neubau integriert werden.

Für Frank Stöver (CDW) wäre eine Ablehnung des Abrisses „fast eine Enteignung“. Dafür müsse der Eigentümer kompensiert werden. „Und das Schmieden des Gilde-Papagoys ist alles, was da passiert ist“, sah er keinen hohen historischen Wert.

Für Marko Bahr (FDP) war klar: „Äußerlich mag es ja erhaltenswerte Ansätze geben, aber das Gebäude fällt bald von alleine zusammen. Und dann hat der Eigentümer ein Problem, weil er seiner Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen ist.“

Bürgermeister plädiert für Vorsicht

Bürgermeister Jens Kuraschinski plädierte für Vorsicht. „Viel zu oft haben wir die Hand gehoben, wenn es um den Abriss von Gebäuden ging.“ Er brachte den Vorschlag ein, die Verwaltung möge Sondierungsgespräche mit dem Eigentümer führen.

„Damit spricht mir der Bürgermeister aus der Seele“, schloss sich Stephan Dieckmann (SPD) an. „Das ist ein Kleinod. Da können wir nicht mal eben entscheiden, es abzureißen.“

Im Vorfeld der Diskussion hatte sich der Dötlinger Architekt Stephan Damke per E-Mail an die Presse und Ratsmitglieder gewandt. Er regte an, die alte Schlosserei zu erhalten. „Sie bietet einmalige Möglichkeiten für individuelles und unverwechselbares Wohnen oder Gewerbe. Es hat Charme, Esprit und Atmosphäre“, so Damke.

Die Anregung fiel beim parteilosen Ratsherrn Karl Schulze Temming-Hanhoff auf fruchtbaren Boden. Er beantragte, der Eigentümer möge Gespräche mit Damke führen. Darüber wurde aber nicht mehr abgestimmt.

Vorschlag von Architekt Stephan Damke

Zurück zu den Vorstellungen des Architekten: Die Klinkerfassade mit den übergroßen Fenstern aus Metall riefen geradezu nach einem Kreativbüro, einer Agentur oder einem Fotostudio. „Innen kann man sich eine offene obere Ebene bis unter die Decke vorstellen, nach Süden eine Dachterrasse. Auch ließe sich hier fantastisch wohnen, wie in einem kleinen Loft“, meinte Damke. Er lobte den „schönen alten Klinkerstein, die schmiedeeisernen Maueranker, die untypische originelle hohe Traufe sowie das Rundfenster am Giebel“ sowie die exponierte Ecklage am Kirchplatz mit dem Kirchturm im Hintergrund.

Der Architekt glaubt, dass die benachbarten Bauten von einem bestehenden Altbau profitieren. „Nur neu hat bei Weitem nicht die Ausstrahlung. Genauso wie eine Branntweinbrennerei oder eine Lohgerberei ist auch eine alte Schlosserei ein wichtiger Baustein, der einer Kleinstadt wie Wildeshausen Identität verleiht. Und erst recht, wenn ein Bezug zur Gilde besteht“, so Damke.

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