Ausbildungsmarkt für Betriebe schwierig / Größere Chancen für Realschüler

Abiturienten sind im Sommer Mangelware

Wildeshausen – Weil im kommenden Jahr an vielen Gymnasien in Niedersachsen von zwölf auf 13 Jahre umgestellt wird, gibt es deutlich weniger Abiturienten. Das bedeutet zum Beispiel für Realschüler bessere Chancen auf dem Ausbildungsmarkt, stellt Firmen aber auch vor die Herausforderung, ihre Azubi-Stellen zu besetzen.

Ingo Hermes, Vorsitzender der Wildeshauser Mittelstandsvereinigung (MIT), differenziert zwischen Unternehmen, die direkt von der Sachlage betroffen sind, und Betrieben, die nur indirekt betroffen sind. Erstere seien sicherlich Banken und Sparkassen, die im Allgemeinen direkt Abiturienten einstellen. „Kleine und mittlere Handwerksbetriebe setzen da mehr auf die Absolventen der Oberschulen, Realschulen und Hauptschulen“, erklärt Hermes.

Aber der MIT-Vorsitzende denkt weiter: „Durch das Fernbleiben der Abiturienten werden sicherlich viele Banken und Sparkassen ihre vorhandenen Ausbildungsplätze durch gute bis sehr gute Realschüler auffüllen, was zu einem erhöhten Mangel an Realschülern mit besseren Abschlüssen zur Folge hat.“ Das werde sich auf die Betriebe auswirken. „Insgesamt wird sich der ohnehin heftige Wettbewerb um Azubis durch diese Situation sicherlich noch verschärfen“, blickt Hermes in die Zukunft. Er befürchtet, dass viele Betriebe in Wildeshauser dieses Problem noch gar nicht auf dem Schirm haben.

Arbeitsagentur ermuntert Jugendliche

Kleine und mittlere Unternehmen müssten sich – nicht nur im kommenden Jahr – sehr gut und werbewirksam aufstellen. „Fährt man auf der Visbeker Straße in Richtung Innenstadt, so fallen einem die neuen, massiven Werbetafeln der Firma Schade auf.“ Die Firma habe ein durchdachtes Werbekonzept in Position gebracht, um junge Menschen auf sich aufmerksam zu machen, lobt Hermes. Wichtig sei, dass die Betriebe zukünftig etwas tun, „sonst werden sie im großen Angebotsdschungel nicht wahrgenommen“.

Beim Software-Hersteller Hoffrogge wurde im Sommer bereits ein Ausbildungsplatz mehr besetzt. „Uns ist bewusst, dass die Konkurrenz dieses Jahr besonders groß ist“, heißt es auf Nachfrage. Da war der in Spasche angesiedelte Betrieb nicht der einzige. „Bereits im vergangen Ausbildungsjahr war zu spüren, dass einige und insbesondere die größeren Unternehmen mehr Abiturienten eingestellt und vom Markt abgezogen haben als in den Vorjahren.“ Hoffrogge setzt auf Kooperationen mit den Schulen der Stadt, um Jugendliche auf sich aufmerksam zu machen.

Auch die Arbeitsagentur befasst sich mit der Situation. Laut Mitteilung raten deren Experten den Unternehmen, neben Abiturienten auf Realschüler zu setzen. Und sie ermutigen Jugendliche, sich auf Ausbildungsplätze zu bewerben. „Wer mit guten Noten einen erweiterten Sekundarabschluss I erwartet, strebte bislang oft einen höheren Schulabschluss an, um seine Chancen zu verbessern. In diesem Jahr sind die Möglichkeiten für Schulabgänger gestiegen, direkt in eine anspruchsvolle Ausbildung einzusteigen. Viele Unternehmen sind dafür offen.“  bor

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