87-jähriger Sven H. Gullmann stattet Alexanderkirche einen Besuch ab

Alter Schwede: Auf den Spuren Gustav Gustavsons

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Sven H. Gullmann reiste aus Stockholm an, um sich über die Alexanderkirche zu informieren.

Wildeshausen - Sven H. Gullmann ist 87 Jahre alt, wohnt in Stockholm und arbeitet als Autor und Heimatforscher. Für einen Tag war er nun in Wildeshausen, um etwas über die Nachkommen des Grafen von Wasaburg, Gustav Gustavson, und seine Nachkommen zu erfahren.

Gullmann reist alleine mit dem Zug durch Europa auf der Suche nach Spuren der Schwedenherrschaft im Mittelalter. „Vielleicht schreibe ich ein Buch oder einen Aufsatz darüber“, erzählte der Verfasser von historischen Werken. Für einen Tag waren Huntlosen und Wildeshausen seine Ziele. In der Alexanderkirche waren Nachfahren von Gustavson begraben, der alte Grabkeller wird jedoch mittlerweile als Heizungsraum benutzt, die Grabinhalte sind nicht mehr da und auch Grabplatten finden sich nicht. Im Altarraum jedoch entdeckte Gullmann eine Platte eines Pastors, der zur Zeit von Gustav Gustavson gelebt hat. „Vielleicht haben sie sich gekannt“, so der Stockholmer, der bereits in der Schule Deutsch gelernt hat und sich somit hier gut verständigen konnte.

Die Stadt Wildeshausen gehörte seit Oktober 1648 staatsrechtlich als Reichslehen zum Königreich Schweden. Königin Christina von Schweden erweiterte die Belehnung für ihren Halbbruder Gustav Gustavson Graf von Wasaburg.

Dem Schweden war in Wildeshausen und Huntlosen jedoch nur noch eine kurze Lebensspanne beschieden. Auf der Hochzeitsfeier der Tochter des Richters Heidenreich Schlüter in Wildeshausen erlitt der 37-Jährige, der 400 Pfund gewogen haben soll, im Jahr 1653 bei der Eröffnung des Ehrentanzes einen Schlaganfall und starb. Im Folgejahr überführte man die Leiche nach Stockholm, wo der Sarg in der Grabkapelle der Riddraholmskirche noch vorhanden ist.

Die Beliebtheit Gustavsons war in Wildeshausen geteilt. „Ich glaube, sein Ruf ist hier nicht so gut“, vermutete Gullman bei seinem Besuch in der Wittekindstadt. Zwar hat sich Gustavson um den Wiederaufbau der Stadt nach der Herrschaft des Münsteraner Bischofs gekümmert, er hat aber auch darauf geachtet, dass die Stadt nicht zu unabhängig und selbstständig wird. Mit dem Alexanderstift und seinen Kanonikern hat er einen zähen und unerfreulichen Kampf geführt, weil er der lutherischen Kirche anhing.

Bei seinem Besuch in der Alexanderkirche traf Gulman zufällig Pastor Markus Löwe, der sechs Jahre lang in Kopenhagen als Geistlicher tätig war. Spontan unterhielten sich die beiden auf Schwedisch. Somit hat der Stockholmer zwar nicht die ersehnten Grabplatten in Wildeshausen gefunden, aber immerhin ein Gespräch in seiner Heimatsprache führen können – was er nicht unbedingt erwarten durfte.

dr

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