1971 gegründet

50 Jahre Gymnasium: Dr. Gerhart Mayer erinnert sich

Mehr als 27 Jahre war Dr. Gerhart Mayer Rektor des Gymnasiums Wildeshausen. Er wohnt nach wie vor in der Stadt, die der gebürtige Berliner wegen ihrer hohen Lebensqualität schätzt.
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Mehr als 27 Jahre war Dr. Gerhart Mayer Rektor des Gymnasiums Wildeshausen. Er wohnt nach wie vor in der Stadt, die der gebürtige Berliner wegen ihrer hohen Lebensqualität schätzt.

Das Gymnasium Wildeshausen wurde vor 50 Jahren gegründet. Der Rektor der ersten Stunde, Dr. Gerhart Mayer, erinnert sich an die Anfänge.

Vor rund 50 Jahren, genauer gesagt am 9. September 1971, hat das Gymnasium Wildeshausen seinen Betrieb in der Stadt aufgenommen. Von der ersten Stunde an mit dabei war Schulleiter Dr. Gerhart Mayer. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt er anlässlich des Jubiläums auf die Anfänge der Schule zurück.

Mayer ist inzwischen 84 Jahre alt. Der rüstige Pensionär empfängt den Besuch in seinem wunderschön gelegenen Haus. Er lebt immer noch in Wildeshausen, kümmert sich um den Garten und pflegt seine Frau, die gesundheitlich eingeschränkt ist. Seine preußische Disziplin hat sich der gebürtige Berliner bewahrt, der immer noch häufig von ehemaligen Schülern angesprochen wird. „Beim Einkaufen muss ich immer etwas Zeit extra einplanen“, sagt er mit einem Lächeln.

Mayer war erst 34 Jahre alt, als er die Chance bekam, Rektor zu werden. Damals war er als Lehrer in Göttingen tätig. Schon als er sich im Zuge seiner Bewerbung beim Wildeshauser Stadtrat vorstellte, habe er kein Hehl daraus gemacht, „ganz und gar kein Freund der Ganztagsschule zu sein“, anders als manche Führungspersönlichkeit in Verwaltung und Politik der Kommune. Deswegen „war ich auch sehr erstaunt, dass sie mich trotzdem haben wollten“, erinnert er sich.

Vor 50 Jahren gegründet: Das Gymnasium Wildeshausen entstand 1971. Das Gebäude an der Humboldtstraße wurde jedoch erst zwei Jahre später eingeweiht.

Doch genauso war es. Die ersten Jahre waren indes von Herausforderungen geprägt, denn das Gymnasium musste ja von Grund auf neu errichtet werden. „An der Humboldtstraße gab es eine freie Fläche, auf der sich bis dahin eine Kleingartenanlage befunden hatte“, berichtet Mayer. Dennoch startete 1971 der Schulbetrieb mit vier Klassen, also rund 100 Schülern, und insgesamt fünf Lehrern. Das waren außer dem Rektor selbst: Herbert Andrees, Raimund Klimanek, Waltraut Zimmerl und Carsten Bruns. Die Jugendlichen waren übergangsweise in zwei anderen Schulen in Wildeshausen untergebracht. Die Pädagogen pendelten von Standort zu Standort. „Das war schon eine sportliche Leistung, bedenkt man die kurzen Pausen“, meint Mayer.

In den folgenden Jahren wurde ein eigenes Schulgebäude errichtet, das damals sehr modern war – kein Backsteinbau, sondern mit Beton- und Glaselementen. Das Gymnasium ist seitdem mehrfach umgebaut beziehungsweise erweitert worden. Als bisher letztes Objekt kam im Jahr 2020 die Mensa dazu, die auch Unterrichts- und Arbeitsräume für die Schüler beherbergt.

Alles musste zu Beginn improvisiert werden

„Im Grunde musste alles improvisiert werden“, blickt Mayer auf die Anfangszeit zurück. Er habe diese Herausforderung aber auch gesucht. Der 84-Jährige leitete das Gymnasium mehr als 27 Jahre und verabschiedete sich 1999 in den Ruhestand. Er hebt den familiären Charakter der Schule hervor: „Ich habe versucht, mit meinen Fächern in jeder Klasse ein Jahr oder mindestens ein halbes Jahr zu unterrichten. Es ist wichtig, die Schüler kennenzulernen, für den Fall, dass Konflikte auftreten“, sagt der Lehrer für Deutsch, Geschichte und Geografie.

Das Gymnasium wuchs unter Mayers Führung, von einst 100 Schülern auf 600 Mitte der 1990er-Jahre. Damals wurde die 25-Jahr-Feier groß begangen. „Ich glaube, die ging eine Woche“, denkt der 84-Jährige gerne daran zurück und bedauert, dass das 50-jährige Bestehen wegen der Coronalage leider nicht so groß gefeiert werden kann.

Inzwischen 1.300 Schüler am Gymnasium

Inzwischen hat das Gymnasium rund 1 300 Schüler. Eine Größe, die Mayer nicht so recht schmeckt. Er sei dafür, Schulen zu teilen, aber das sei eben Landespolitik. In München, wo er seine Lehrerausbildung absolvierte, lernte der heute 84-Jährige ein strengeres Bildungssystem als in Niedersachsen kennen. Bei den Jugendlichen war der Rektor für seine sehr genaue, fast schon pedantische Art bekannt. Dieser Eindruck sei nicht falsch, entgegnet er auf diese Einschätzung. Und auch seine Begeisterung für Detailfragen will er nicht abstreiten. Mit seinen Zehn-Jahres-Plänen habe er dem Schulträger gegenüber gut argumentieren können, wenn es zum Beispiel um Raumnot ging.

Doch diese Zeiten liegen hinter Mayer. Nach dem Eintritt in den Ruhestand reiste er viel, erkundete Japan, China und Indonesien, wanderte drei Wochen an der Küste Kleinasiens und stattete Afrika manchen Besuch ab. Diesem Hobby kann er nun nicht mehr so stark nachgehen. Seine andere Leidenschaft, das Lesen, pflegt er aber weiterhin. Und vielleicht gibt es ja 2022 eine große 50-Jahr-Feier, zu der er mit alten Weggefährten in „seinem“ Gymnasium zusammenkommt.

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