45-Jähriger sollte Führerschein für acht Monate verlieren, erhält ihn aber nach Gerichtsverhandlung zurück/Viele Zeugenaussagen

Kurze Alkoholfahrt an der Hermann-Ehlers-Straße nicht beweisbar

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Mediengruppe Kreiszeitung

Wildeshausen - Ein Novemberabend an der Hermann-Ehlers-Straße in Wildeshausen. Mehrere Menschen, darunter einige Bulgaren, stehen auf der Straße und unterhalten sich lautstark bei Musik. Einige von ihnen sind angetrunken. Dann wird ein Auto eine kurze Wegstrecke gefahren. Gegen 22 Uhr fährt die Polizei vor, weil eine Anwohnerin Anzeige erstattet hat. Aus dem Dachgeschoss heraus will sie beobachtet haben, dass es Streit gab und ein Mann in gelbem T-Shirt betrunken Auto fuhr.

Knapp drei Monate später stand nun ein 45-jähriger Mann bulgarischer Herkunft aus Goldenstedt vor der Amtsrichterin in Wildeshausen. Er war es, den die Polizei an dem Abend des 7. November mit zur Wache nahm, weil er ein gelbes T-Shirt trug. Er musste sich dort einem Alkoholtest unterziehen. Der Promillewert im Blut lag bei 1,18. Ihm wurde der Führerschein abgenommen. Der Entzug der Fahrerlaubnis war für acht Monate geplant. So hatte es auch das Landgericht bestätigt.

Dabei, so beteuerte der Angeklagte an dem Abend und auch im Gericht durch eine Dolmetscherin, habe er das Auto gar nicht gefahren. Er sei lediglich auf der Straße gewesen und habe auf einen Freund gewartet. Sieben Zeugen bestätigten das in der Verhandlung, sodass sowohl die Staatsanwältin als auch die Richterin aufgrund von fehlenden Beweisen keine Gründe für eine Verurteilung sahen. Die Richterin äußerte zwar Zweifel am Wahrheitsgehalt einiger Zeugenaussagen, während sie die Aussage der Anzeigenerstatterin ganz klar nicht in Frage stellte. „Aber vielleicht gab es zwei Sachverhalte und mehrere Personengruppen auf der Straße“, sagte sie. Man könne deshalb nicht zu einer Verurteilung kommen. Das auch deshalb, weil die Polizei vor Ort wenige Ermittlungsansätze gesehen hatte. Die Ordnungshüter waren alarmiert worden, weil es einen Streit gegeben haben sollte, der zu eskalieren drohte. Die Beamten setzten sich mit ihrem Wagen vor den schwarzen Kombi mit bulgarischem Kennzeichen, kontrollierten aber nicht, ob der Schlüssel noch steckte. Bei dem Mann mit gelbem T-Shirt fanden sie weder Fahrzeugpapiere noch Schlüssel. Die Stimmung sei ruhig gewesen, so die Beamtin vor Gericht. Es habe nur eine Person mit gelbem T-Shirt gegeben, mit der man sich aber nur mithilfe eines deutschkundigen Bulgaren habe verständigen können. Der Mann habe angegeben, dass er darauf gewartet habe, von einem Freund aus Goldenstedt abgeholt zu werden. Das ging dann jedoch erst später, weil er sich bereiterklärte, mit zur Wache zu kommen, um sich einem Alkohltest zu unterziehen.

Nach der schwierigen Beweisaufnahme vor Gericht zeigte sich, dass der 45-Jährige noch keine Einträge im Bundeszentralregister hat. Er betonte in seinem letzten Wort, wie wichtig es für ihn sei, den Führerschein zurückzubekommen, weil er seinen Sohn fahren müsse. Mit großer Genugtuung nahm er dann die Fahrerlaubnis entgegen und verließ den Gerichtssaal.

dr

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