44-Jähriger soll Frau sexuell genötigt haben

Zwei Versionen eines Besuches

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Mediengruppe Kreiszeitung

Wildeshausen - Unterschiedlicher könnten die Beschreibungen über den Verlauf der Nacht zum 7. Dezember vorigen Jahres kaum sein. Ein 44-jähriger Wildeshauser ist seit Montag vor dem Amtsgericht angeklagt, eine 50-jährige Bekannte geschlagen und sexuell genötigt zu haben. Der Angeklagte hingegen gab an, die Frau lediglich „gerüttelt“ zu haben, wobei sie zu Boden gegangen sei.

Die Amtsrichterin berief fünf Zeugen zur Wahrheitsfindung in die Verhandlung. Ein Sachverständiger verfolgte das Geschehen, wird sich jedoch erst in der kommenden Woche zu den Verletzungen äußern.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind massiv: Um 4.30 Uhr habe der Angeklagte die Frau zu Boden geworfen und ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen, was zu Prellungen am Schädel sowie Brüchen des Nasen- und des Jochbeins geführt habe. Zudem habe der 44-Jährige die Frau unsittlich berührt und erst von ihr abgelassen, als sie ihm zugesichert habe, ihn zu lieben.

Der Angeklagte gab an, die langjährige Bekannte bei ihrer Arbeit im Solarium getroffen zu haben. Man habe sich locker verabredet. „Als sie gegen 22 Uhr kam, sah ihr Zustand nicht gut aus“, erinnerte er sich. Sie habe sofort etwas „Hartes“ trinken wollen.

Im Laufe des Abends habe man sich über Probleme der Frau mit ihrem Freund, bei der Arbeit und über „Drogengeschichten“ unterhalten. Dabei seien zwei Wodkaflaschen geleert worden. Auch eine Unterleibsoperation habe die Bekannte erwähnt. Sie sei wegen einer Vergewaltigung im Krankenhaus gewesen, der Freund habe sie fertig gemacht.

Als er gesagt habe, dass man etwas tun müsse, so der Angeklagte, sei sie ihm förmlich in den Arm gelaufen. „Ich habe sie natürlich gerüttelt und gerufen: Werd doch mal wach“, sagte er. Seine Bekannte sei dann „auf den Boden geknallt“, schließlich aufgestanden, habe die Jacke genommen und sich verabschiedet.

Die 50-Jährige hingegen sprach von einem zunächst „netten Abend“, so dass man nicht mehr gemeinsam in die Stadt gegangen sei. Sie habe fünf Gläser Wodka mit Energy-Drink getrunken und hätte mit ihrem Bekannten nur über „normale Probleme“ gesprochen. Um 4 Uhr habe sie gehen wollen. „Da hat er mich plötzlich zu Boden gebracht und mir ins Gesicht geschlagen.“ Mit den Knien habe er ihr die Arme auf den Boden gedrückt und ihr mit den Händen die Hose heruntergezogen. „Ich wollte mich aus der Situation lösen. Ich habe ihm alles mögliche erzählt“, erinnerte sie sich. Als sie ihm gesagt habe, sie könnten doch ein Liebespaar werden, habe er sie gehen lassen.

Wenige Stunden später, so die Frau, sei sie wie gewöhnlich zur Arbeit ins Solarium gegangen, wo ihre Chefin sie gesehen habe. Am Abend habe ihr eine Freundin vergeblich geraten, ins Krankenhaus zu gehen. „Aber ich wollte das nicht.“ Am nächsten Tag fuhr die 50-Jährige zu ihrer Hauptbeschäftigung. Weil die Schwellungen immer größer wurden, ließ sie sich nach Feierabend dann überreden, ins Krankenhaus zu gehen und anschließend Anzeige zu erstatten.

Auf Nachfrage der Richterin, warum sie so spät zum Arzt gegangen sei, antwortete die Angeklagte, sie habe die Schmerzen verdrängt und versucht, die Schwellungen wegzuschminken. Die Leiterin des Sonnenstudios hingegen beteuerte, wenige Stunden später bei der Arbeit keine auffälligen Spuren im Gesicht der Frau gesehen zu haben. Dazu dürfte sich der Sachverständige am nächsten Prozesstag detailliert äußern.

dr

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