Interview mit Vivien Rollié

20-Jährige zur Vorsitzenden des katholischen Pfarreirats gewählt

Vivien Rollié engagiert sich in der katholischen Kirche.
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Vivien Rollié engagiert sich in der katholischen Kirche.

Allzu viele junge Frauen engagieren sich nicht in der katholischen Kirche. Die 20-jährige Vivien Rollié aus Wildeshausen ist da eine Ausnahme.

Ohne es böse zu meinen: Die katholische Kirche hat vermutlich nicht gerade einen Überschuss an engagierten, jungen Frauen. Umso bemerkenswerter ist, dass Vivien Rollié (20) zur neuen Vorsitzenden des Pfarreirats der katholischen St.-Peter-Gemeinde in Wildeshausen gewählt wurde. Im Interview verrät sie, was sie gerne ändern würde, wie Gottesdienste Spaß machen können und warum sie sich in der Kirche engagiert.

Frau Rollié, erst mal zu Ihnen persönlich. Was machen Sie beruflich?

Ich bin in der Ausbildung zur Groß- und Außenhandels-Kauffrau und arbeite bei einem Großhändler für Werbemittel. Voraussichtlich bin ich im Frühjahr fertig. Dann möchte ich studieren, wahrscheinlich auf Lehramt.

Sie sind schon seit mehreren Jahren in der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) aktiv. Was müsste in der Kirchengemeinde Wildeshausen besser laufen?

Manchmal fehlen Kommunikationswege, um sich in der Gemeinde zu verständigen. Da möchte ich mich unter anderem einbringen.

Haben Sie denn damit gerechnet, in den Pfarreirat und auch noch zur Vorsitzenden gewählt zu werden?

Eigentlich schon, weil es nicht so viele Kandidaten gab, ist die Wahl in den Pfarreirat eine Bestätigungswahl gewesen. Trotzdem hatte ich mit 126 Stimmen den meisten Zuspruch aller Bewerber. Damit hatte ich nicht gerechnet, obwohl ich im Vorfeld viel Zuspruch aus der Jugendgruppe und der Gemeinde bekommen habe. Dass ich dann Vorsitzende geworden bin, hat mich sehr gefreut. Ich wurde vorgeschlagen, eben weil ich die meisten Stimmen erhalten hatte.

Noch mal zurück zu den Kommunikationswegen. Um was konkret geht es Ihnen da?

Wir haben zum Beispiel ganz viele verschiedene Gruppen, die sich im Waltberthaus treffen, der Chor, Kolping, die junge Gemeinde und andere. Aber es fehlt an einem Ansprechpartner, um die Raumbelegung zu organisieren. Da stelle ich mir eine Online-Lösung, also eine Art Kalender mit Raumplan vor, in den sich jeder eintragen kann. Aktuell gibt es zwar einen Raumplan, auf den aber nur das Pfarrbüro Zugriff hat. Wir sind eine große katholische Gemeinschaft in Wildeshausen und sollten das auch leben und nicht nebeneinander arbeiten.

Ende 2019 hatte die katholische Gemeinde die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, wonach besonders für jüngere Kinder und allgemein Menschen unter 30 mehr getan werden sollte.

Ja, die Anbindung in die Gemeinde fehlt für manche Jugendliche. Wir von der KJG haben uns zum Beispiel den „Alex:18.30“-Gottesdienst in der Alexanderkirche angeschaut. Und wir stehen in Kontakt mit dem Diözesanverband KJG Münster, der viele Ideen hat. Zum Beispiel einen Kneipen-Gottesdienst in einem Lokal oder einen Kanu-Gottesdienst in Booten auf der Hunte. Kirche kann auch Spaß machen. Und Gottesdienste in der Kirche sind nicht die einzige Möglichkeit.

Also soll die Kirchengemeinde ein bisschen flotter, moderner und attraktiver werden.

Es sind kleine Sachen, die manchmal große Veränderungen mit sich bringen.

Wenn wir mal den Blick über den Tellerrand werfen, wird die katholische Kirche oft von älteren Männern repräsentiert. Wie finden Sie das?

Es ist super wichtig, dass sich Frauen engagieren. Insgesamt gibt es großen Veränderungsbedarf in der Kirche. Gerade, weil im Bistum Münster an einem neuen Pastoralplan gearbeitet wird, in dessen Rahmen auch Gemeinden zusammengelegt werden könnten, ist es sehr wichtig, Frauen zu motivieren und sie zum Mitmachen zu bringen. Das ist ein notwendiger Weg.

Es werden ja auch immer mal Rufe laut, dass Frauen das Priesteramt übernehmen können. Wie stehen Sie dazu?

Ich sehe keinen vernünftigen Grund, warum Frauen nicht predigen können.

Der Weg, den Sie da gerne gehen wollen, weist durchaus einige Widerstände auf.

Ich weiß, was ich möchte. Ich lasse mich da nicht beeinflussen. Und ich stehe mit meinen Ansichten auch nicht alleine da, sondern bin dafür gewählt worden.

Und warum engagieren Sie sich in der Kirche?

Schon mit meinen Großeltern bin ich zum Gottesdienst gegangen. In der Kirche habe ich ein Gemeinschaftsgefühl erlebt und inzwischen ist die Katholische Junge Gemeinde zu einer Familie für mich geworden.

Aber warum wollen Sie in der katholischen Kirche wirken, die ja nicht gerade als veränderungsbereit gilt?

Ich finde, es ist einfach dringend notwendig, sich in der Kirche zu engagieren.

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