SPD-Senioren mit Jusos am Denkmal in Thölstedt 

1945: Sechs Kinder sterben durch eine Panzerfaust

Überaus bedrückend war für die Jusos der Besuch des Denkmals: Marco Dittmer, Matthias Kluck Daniel Helms und SPD-Senior Rudolf Drieling aus Kleinenkneten (von links).

Thöstedt/Varnhorn - „Mit weniger Waffen Frieden schaffen – Europa soll mit aktiver Friedenspolitik vorangehen“, fordern im Landkreis junge und alte Sozialdemokraten gemeinsam. Das war der Gruppe am Panzerfaust-Denkmal in Thölstedt/Varnhorn besonders deutlich geworden.

An der Kreisgrenze kamen dort nach Kriegsende am 12. Mai 1945 sechs Kinder zu Tode, als sie mit einer zurückgelassenen deutschen Panzerfaust hantierten. Ein Unglück, das seinerzeit kein Mensch wahrhaben wollte. Kinder verloren ihr Leben, weil sie mit einer Hinterlassenschaft des Krieges spielten. Die beiden SPD-Senioren Rudolf Drieling, Wildeshausen, und Hermann Bokelmann, Harpstedt, haben den Jusos am Wochenende die Unglücksstelle gezeigt. Juso Daniel Helms meinte dann: „Frieden ist das zentrale Projekt der Europäischen Union. Wir haben auf dieser Welt die besondere Verpflichtung, anderen den Frieden ebenfalls zugänglich zu machen. Dafür wollen wir uns einsetzen.“

Kritik an Indien und Pakistan, die noch immer Anti-Personen-Minen produzieren

Das Treffen am Denkmal wurde nicht nur zu einer Gedenkstunde für die dort verunglückten Alfons Hohnhorst (16 Jahre alt), Heinrich Busse (15), Josef Themann (13), Gerhard Hermes (11), Heinz Gertzen (12) und Walter Stolle (11). Es wurde gleichzeitig ein stiller Protest gegen den Einsatz von Personen-Minen.

Hermann Bokelmann, 1945 auch 16 Jahre alt, berichtete, dass die deutschen Truppen beim Rückzug unzählige Minen verlegt hatten, durch die in der Samtgemeinde Harpstedt neun Erwachsene und fünf Kinder zu Tode gekommen seien. Wie viele es im gesamten Landkreis waren, ist nicht bekannt. „Die Zahl dürfte aber leider recht hoch sein“, so Bokelmann.

Matthias Kluck beklagte: „Herstellung, Einsatz und Verbreitung von Anti-Personen-Minen sind zwar seit 1999 verboten, doch Indien und Pakistan produzieren immer noch diese schlimmen Waffen.“ Aber vor dem Verbot seien nach Schätzung der Vereinten Nationen etwa 110 Millionen Landminen in mehr als 70 Ländern verlegt worden – auch auf dem Balkan und jetzt noch in der Ukraine: „Überall werden dadurch unschuldige Zivilisten zu Opfern. Deshalb wollen wir keine Aufrüstungsspirale in Europa.“

Herstellung einer Mine: 2,33 Euro - Beseitigung: 233 bis 780 Euro

In den USA, Russland, China, Israel, Indien und Pakistan sollen heute noch 160 Millionen Landminen in Depots lagern. Ihre Vernichtung wäre teuer. Die Herstellung einer Mine kostet 2,33 Euro – ihre Räumung zwischen 233 und 780 Euro. „Statt einer Aufrüstung müssen Gelder für die Minenräumung eingesetzt werden, damit dann auch verseuchte Äcker wieder bewirtschaftet werden können“, forderte Marco Dittmer, Dötlingen.

Streumunition die nicht als Ganzes explodiert, sondern eine Vielzahl an kleinen Sprengkörpern freisetzt, bildet ebenso eine große Gefahr. Ein großer Teil davon explodiert nicht, sondern gefährdet nach Beendigung der Kämpfe dann die unbeteiligte Bevölkerung. In Syrien werden sie eingesetzt – produziert in Russland.

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