17-Jähriger erhält Wildeshauser Zivilcouragepreis

Jasper Damke zeigt Mut gegen rassistischen Busfahrer

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Jan Pössel, Jens Kuraschinski, Gerke Stüven und Martin Klinger (v.l.) ehrten Jasper Damke mit dem Zivilcouragepreis. 

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. „Mach den Weg frei, du Neger. Ab mit dir nach Afrika!“, brüllte ein Busfahrer am 27. Februar vergangenen Jahres den damals 13-jährigen Matthew Wollin aus Dötlingen wegen seiner dunklen Hautfarbe an der Haltestelle der Wildeshauser Realschule an. Das hörte der heute 17-jährige Jasper Damke aus Ostrittrum und schritt resolut ein. Am Freitag erhielt er dafür den Zivilcouragepreis der Stadt Wildeshausen.

Es war 16 Uhr, und vor den Bussen herrschte Gedränge. „Wie so oft war nicht ganz klar, welcher Bus zuerst kommt“, erinnerte sich Jasper an die Situation, in der sein Mitschüler ebenso wie andere vor der falschen Tür stand und dann signalisierte, den Weg freimachen zu wollen.

Doch der 13-Jährige, dessen Mutter Nigerianerin ist, wurde gleich übelst rassistisch beschimpft. Das hörte Jasper. Er sah, dass er als älterer Schüler gefordert war und sprach nach eigenen Angaben den Busfahrer an, warum er sich auf ein derart niedriges Niveau herablassen würde. „Halt das Maul“, sei die Antwort gewesen, erinnert sich Jasper. Deshalb habe er eine Lehrkraft dazugeholt. Als die gekommen sei, habe der Busfahrer jedoch kommentarlos die Tür geschlossen und sei abgefahren.

Dem Rektor der Realschule Jan Pössel ist es zu verdanken, dass der Vorfall bekannt wurde. Er sprach am nächsten Tag mit den Schülern und sorgte über den Landkreis Oldenburg dafür, dass der Busfahrer die Linie nie wieder fuhr, sowie strafrechtlich belangt wurde. Der Mann musste 400 Euro Strafe zahlen, 150 Euro an den Kinderschutzbund überweisen und verlor seinen Job bei dem Busunternehmen. „Die bewusste Herabwürdigung des Schülers war nicht akzeptabel, Rassismus darf keinen Raum bekommen“, so Pössel am Freitag. Er lobte Jaspers Einsatz ausdrücklich und erklärte: „Viele Leute in meinem Alter hätten das nicht getan.“ Die Realschule werde mit ihren 830 Schülern aus über 30 Nationen zunehmend bunter. „Wir brauchen hier Schüler, die den Rücken gerade machen.“

Bürgermeister wird bei Abschlussfeier hellhörig

Da Pössel den jungen Mann im Rahmen der Abschlussfeier im Sommer ausgezeichnet hatte, erfuhr auch Bürgermeister Jens Kuraschinski davon und schlug Jasper Damke für den Zivilcouragepreis vor. Er überreichte eine Urkunde und einen Gutschein für einen Segelflug.

Martin Klinger vom Präventionsteam des Wildeshauser Polizeikommissariats und Leiter des Arbeitskreises Verkehr, Sicherheit und Zivilcourage im Präventionsrat der Stadt Wildeshausen, freute sich, den jungen Mann ehren zu können. „Es ist für uns oft schwer, von solchen Taten zu erfahren“, sagte er.

„Es geht auch um alltägliche Hilfeleistungen. Der Preis soll dazu ermuntern, häufiger Zivilcourage zu zeigen“, erklärte Kuraschinski. Die neue Leiterin des Polizeikommissariats Wildeshausen, Gerke Stüven, war zudem begeistert darüber, dass sie gleich am zweiten Tag ihres Dienstes zu der Preisverleihung kommen konnte. „Es ist nicht allein an der Polizei, für Sicherheit zu sorgen“, sagte sie. „Jeder kann seinen Beitrag leisten. Ein Anruf unter 110 kann schon genügen.“ Im Rahmen eines „Werbeblocks“ ermunterte sie Jasper Damke, nach seiner schulischen Ausbildung doch mal bei der Polizei vorbeischauen und ein Praktikum zu machen.

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