Rachetat eines 28-Jährigen vor Gericht

1500 Kois in Fischfarm vergiftet

Symbolbild: dpa

Wildeshausen - Der Schaden in einer Fischfarm in Holzhausen war am 22. April 2015 immens: 1500 Kois schwammen tödlich vergiftet in drei Aufzuchtbecken, dem Betrieb entstanden rund 20.000 Euro Verlust. Und eigentlich gab es mit dem Angestellten, der wenige Minuten zuvor die Kündigung erhalten hatte, auch nur einen Tatverdächtigen.

Der 28-jährige Wildeshauser stritt zwar am Mittwoch vor dem Amtsgericht alles ab, wurde aber dennoch zu einer neunmonatigen Freiheitsstrafe, drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, und zur Zahlung von 2000 Euro an seinen ehemaligen Chef verurteilt, nachdem er zuvor einen Strafbefehl über 1500 Euro zurückgewiesen hatte.

Der Sachverhalt ist bis zum Zeitpunkt der Tat relativ klar. Der Angeklagte gestand zu, dass er mit der Kündigung nach etwa einem halben Jahr gerechnet hatte. Unter anderem habe er 60 Kilo schwere Behälter tragen müssen. „Ich konnte die Arbeit mit meinem kaputten Knie nicht machen.“ Deswegen sei er auch nicht sauer über den Jobverlust gewesen und habe somit auch keinen Grund gehabt, die Fische zu töten.

Der Farmbesitzer hingegen sprach von einer siebenwöchigen Probezeit, in der sein Angestellter immer wieder zu spät gekommen sei, oft rauchend vor dem Gebäude gestanden und mit seinem Handy gespielt habe. Nach der Kündigung gegen 16 Uhr, so der ehemalige Chef, habe er noch eine halbe Stunde im Betrieb verbracht, sei dann weggefahren und um kurz nach 18 Uhr zurückgekehrt. Er habe bemerkt, dass das Wasser in drei Becken „komisch“ aussah und dann 1500 Fische tot vorgefunden. In einem Mülleimer entdeckte der Fischwirt ein leeres Fläschchen mit Essigsäure, die in geringer Dosierung gegen Bakterien in den Becken wirkt, in größerer Menge aber absolut tödlich für die Tiere ist.

„Er wusste, wie gefährlich die Säure ist“, sagte der Chef mit Blick auf den Angeklagten. Dieser hingegen stritt alles ab. Er habe nach der Kündigung mit einem Kollegen eine Zigarette geraucht, habe dann oben in der Büroecke bei den Zuchtbecken lediglich seinen Stundenzettel kopiert und sei mit dem Fahrrad weggefahren.

Der Kollege sagte als Zeuge aus, dass der Angeklagte sechs bis sieben Minuten oben gewesen sei. „Er war schon ein wenig sauer auf den Chef. Das war zu spüren“, erklärte er. Von Beschwerden mit dem Knie habe er vorher nie etwas gehört.

Während dem ermittelndem Polizisten am Abend nach der Tat aufgefallen war, dass der Angeklagte am Telefon wenig überrascht auf die Vorwürfe reagierte, brachte der Farmbesitzer weitere Merkwürdigkeiten zur Sprache. Möglicherweise habe der 28-Jährige einen Schlüssel entwendet, denn vier Monate später sei in seinem Betrieb eingebrochen worden, ohne dass es Einbruchsspuren gegeben habe. Es seien 36 Einzelsicherungen an einer Stelle herausgedreht worden, die so leicht nicht zu finden sei. Deshalb seien 2000 Störe verendet. Zudem sei die Kasse aufgebrochen gewesen, wären Pumpen und eine Schubkarre gestohlen worden.

Unabhängig davon zeigten sich Staatsanwaltschaft und Richterin davon überzeugt, dass nur der Angeklagte als Täter für die Vergiftung der Fische infrage kam. Im Bundeszentralregister stehen bereits 19 Einträge, unter anderem wegen Diebstahls, Körperverletzung, Unterschlagung und fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr. Eine fünfmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung aus diesem Jahr wurde in das neue Strafmaß einbezogen, sodass nun neun Monate Freiheitsstrafe verhängt wurden. Die Bewährung ist aber schon deshalb gefährdet, weil offenbar zwei weitere Strafsachen anhängig sind. Der ehemaligen Chef kann zudem noch zivilrechtlich gegen den 28-Jährigen vorgehen.

Der Angeklagte zeigte sich uneinsichtig: „Ich habe es nicht getan. Ich kämpfe das durch.“ - dr

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