Nicht öffentliche Informationsveranstaltung in Großenkneten

Wieder Bürgerprotest gegen Schlachthof in Ahlhorn

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Zunächst protestieren die Bürger auf dem Rathausvorplatz. Später drangen sie bis zum Sitzungssaal vor. ·

Ahlhorn - Von Jan Schmidt. Für einen kurzen Moment drohte die Situation zu eskalieren. Die Schlachthofgegner waren vom Rathausvorplatz ins Verwaltungsgebäude vorgedrungen und bezogen direkt vor dem Sitzungssaal Stellung. Hinter der verschlossenen Tür informierten zu diesem Zeitpunkt Vertreter der Firmen Kreienkamp und Heidemark den Großenkneter Gemeinderat über ihre Pläne bezüglich des Schlachthofes in Ahlhorn.

„Wir sind das Volk“ und „Kein Schlachthof in Ahlhorn“ skandierten die aufgebrachten Bürger plötzlich – und zwar in einer Lautstärke, dass die nicht öffentliche Info-Veranstaltung so nicht weiter fortgeführt werden konnte.

Erster Gemeinderat Klaus Bigalke trat vor die Tür und versuchte, die Gemüter zu beruhigen: „Sie stören unsere Arbeitsatmosphäre“, bat er die Protestierenden um Einsicht, zunächst ohne Erfolg. Erst als auch Thorsten Schmidtke, der neu gewählte Bürgermeister, nach draußen kam, ließ sich die Gruppe besänftigen.

Friedlich und mit zufriedenen Gesichtern zogen die Männer, Frauen, Jugendlichen und Kinder von dannen, zurück auf den Rathausvorplatz. Sie hatten ihr Ziel erreicht. Einmal mehr setzten rund 100 Köpfe ein deutliches Zeichen gegen den Schlachthof. „Wir sind nicht damit einverstanden, dass die Veranstaltung hinter unserem Rücken stattfindet“, erklärte Anita Kalkwarf (50). Bislang habe sie nur unbestätigte, teils unterschiedliche Meldungen über das Großprojekt wahrgenommen. Unter den Anwohnern – sie selber komme auch aus Ahlhorn – herrsche große Unsicherheit, wer nun was und wie vor Ort plane.

Dass es enormen Informationsbedarf gibt, zeigte gestern auch die Tatsache, dass die Sitzung etwa zweieinhalb Stunden dauerte. „Die Vertreter der beiden Unternehmen haben von dieser Zeit alleine 90 Minuten für das Beantworten von Fragen gebraucht“, berichtete anschließend Bürgermeister Schmidtke gegenüber Vertretern der Presse. Ob die Info-Veranstaltung zu neuen Erkenntnissen geführt habe? „Ich für meinen Teil bin nicht eines Besseren belehrt worden“, so der Bürgermeister. Für ihn seien noch immer viele Fragen offen. Immerhin: Die Kapazität von möglichen 220 000 Hähnchenschlachtungen pro Tag solle früher oder später auch ausgereizt werden. Dies hätten die Vertreter der antragstellenden Firmen auf Nachfrage bestätigt. Vorerst seien jedoch „nur“ bis zu 100 000 Schlachtungen pro Tag geplant.

Neue Stallbauten

nicht nötig?

Nach Informationen unserer Zeitung beteuerte Walter Kreienborg während der Sitzung, dass es sich um seine eigenen Interessen handele und es im Hintergrund keinen weiteren großen Investor gebe. Die Sorge vieler Bürger, dass etliche neue Tiermastställe zur Belieferung des Schlachthofes gebaut werden müssten, wollte er nicht teilen. Neubauten von Ställen seien nicht notwendig. Dies begründete er offenbar mit einem Verdrängungswettbewerb: Kleinere Schlachthöfe aus der Umgebung würden bald schließen. Ebenfalls würden Hähnchenmäster, die derzeit noch an entferntere Schlachthöfe liefern, ihre Tiere dann nach Ahlhorn bringen.

Aus dem Rat gab es den Einwand, dass dies auch eine Frage der Vergütung sei. Am Ende werde der Schlachthof beliefert, der besser für die Tiere bezahle. Eine Garantie, dass keine neuen Stallbauten nötig seien, gebe es nicht.

Kreienborg erläuterte ebenfalls, dass die Firma Kreienkamp wegen des erhöhten Wasserverbrauchs den Bau eines eigenen Brunnens erwäge. Gutachten hätten ergeben, dass dadurch keine Absenkung des Grundwasserspiegels zu erwarten sei.

Auf Nachfrage unserer Zeitung nannte Kreienborg die gestrige Sitzung „konstruktiv“. Es habe ein sachliches Diskussionsklima geherrscht. Persönlich überwiege bei ihm der Eindruck, dass die eine oder andere Frage aus dem Rat beantwortet werden konnte. Ob nun in naher Zukunft auch die Bürger über Details informiert werden sollen, „werden wir uns überlegen“, so Kreienborg.

Die Schlachthofgegner werden sich damit wohl nicht zufrieden geben. „Schlachthäuser sind Pestgeschwüre am Leib der Humanität“ war gestern auf einem Plakat zu lesen. „Tiermastfabriken und Fleischfabriken bringen unseren Ort zum stinken“ stand auf einem anderen geschrieben.

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