Atlas-Chef Filipov empört sich über die IG Metall / Sondierungsgespräche mit dem Betriebsrat

„Wie soll das Atlas helfen?“

Metaller aus Nordrhein-Westfalen standen vor der Tür des Atlas-Vertriebspartners Michels in Geldern.

Oldenburg - DELMENHORST (dn) · Gestern hielt sich Sigmar Gabriel wieder im Hintergrund. Der SPD-Bundesvorsitzende ließ bei der Generaldebatte zum Haushalt im deutschen Bundeshalt andere reden, für ihn stand Fraktionsvorsitzender Frank-Walter Steinmeier am Podium. An die Atlas Maschinen GmbH dachte Gabriel während des bundespolitischen Schlagabtausches wohl kaum, dabei hatte er tags zuvor die Auseinandersetzung zwischen der IG Metall und dem Eigentümer des Baggerbauers in ein neues Licht gerückt (wir berichteten).

Ein Schlichter soll‘s bei Atlas richten und den Disput der Angestellten und der Gewerkschaft mit Eigner Filip Filipov beilegen. „Das hätte viele Vorteile“, meint Gabriel, „vor allem, dass die Arbeitnehmer sich ernstgenommen fühlen.“

Kämpfen für einen Tarifvertrag: Sigmar Gabriel (SPD) und die Betriebsratsvorsitzenden Werner Magnus und Ralf Lenski.

Und ein neutraler „Moderator“ scheint dringender benötigt zu werden denn je. Gestern beschuldigte Filipov die IG Metall erneut der „Einschüchterung“ und meinte damit die bundesweite Mobilmachung der Metaller. Anfang der Woche standen Gewerkschaftsvertreter aus Nordrhein-Westfalen vor dem Sitz der Firma Michels in Geldern und warfen dem Vertriebspartner der be-streikten Atlas-Werke in Delmenhorst, Vechta und Ganderkesee vor, den Angestellten „in den Rücken zu fallen“, wie ein Unternehmenssprecher bestätigte. „Wie soll das Atlas helfen?“, fragt Filipov und kündigt an, „alle rechtlichen Schritte dagegen einzuleiten, die mir zur Verfügung stehen“. Denn: „Was ich mache, ist nicht illegal, das Verhalten der Gewerkschaft schon. Trotzdem werde ich in der Öffentlichkeit, obwohl ich gute Leistungen erbracht habe, fast schon als Krimineller hingestellt. Schafft die Gewerkschaft etwa Arbeitsplätze?“

Eines zumindest hat die IG Metall bereits erreicht: Filipov machte nach einem Treffen des Managements mit dem Betriebsrat der Belegschaft ein Angebot, das die Bedingungen eines Tarifvertrags bietet – aber aus Sicht der Gewerkschaft eben keine Sicherheit. „Und darauf kommt es uns an“, sagt Hartmut Tammen-Henke, der Vorsitzende der IG Metall Oldenburg, der mit seinen Kollegen gestern über Filipovs Vorschlag beriet. Heute soll es dann erneut zu Gesprächen zwischen dem Betriebsrat und der Geschäftsführung kommen. Tammen-Henke stellte wie Gariel klar: „Wir wollen Arbeitsbedingungen auf tarifvertraglicher Basis“ – Filipovs Angebot dagegen sähe eine Betriebsvereinbarung vor. Dennoch zeigte sich der Gewerkschaftsvertreter kompromissbereit: „Sollte es zwischen unserer Forderung und der bisherigen starren Position des Unternehmens Mittelwege geben, müssen diese jetzt ernsthaft ausgelotet werden.“ Das soll weiter der Gesamtbetriebsrat tun, „mit einem Rechtsbeistand seiner Wahl“. Die letzte Entscheidung träfe aber die Tarifkommission der IG Metall.

In den kommenden Verhandlungen scheint die Arbeitervertretung sogar in der besseren Position zu sein. Filipov wandte sich gestern in einem offenen Brief einmal mehr an die Streikenden: „Ich appelliere an die Atlas-Mitarbeiter, das letzte Angebot anzunehmen und an die Arbeit zu gehen, bevor es zu spät ist. Je länger der Streik dauert, desto größer wird der Schaden mit gravierenden Konsequenzen.“

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