Vorsitzender der Mitarbeitervertretung zeigt die Geschäftsführung bei der Staatsanwaltschaft an

Wichernstift: Streit spitzt sich zu

Das Wichernstift: Meldete die Geschäftsführung Insolvenz an, um Löhne und Gehälter massiv senken zu können?

Oldenburg - GANDERKESEE/HANNOVER (epd) · Der Streit um das ehemals dem Diakonischen Werk angehörende Altenheim des Wichernstiftes in Ganderkesee spitzt sich zu. Der Vorsitzende der Mitarbeitervertretungen in der niedersächsischen Diakonie, Manfred Freyermuth, hat nach eigenen Angaben die Geschäftsführung bei der Staatsanwaltschaft in Oldenburg angezeigt.

Er wirft ihr unter anderem vor, sie habe die Insolvenz der Einrichtung herbeigeführt, um Löhne massiv senken zu können. Geschäftsführer und Mitglieder des Verwaltungsrates wiesen die Vorwürfe zurück. Im November vergangenen Jahres hatte Geschäftsführer Jörg Emken beim Amtsgericht die Insolvenz der 177-Betten-Einrichtung mit 100 Mitarbeitern angemeldet. Er begründete den Schritt mit drohender Überschuldung.

Mittlerweile gab es einen Neustart des Altenheimes in einer Auffanggesellschaft, allerdings nicht mehr unter dem Dach der Diakonie. „Wir zahlen nicht mehr nach den Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie“, erläuterte Emken. Freyermuth wirft ihm vor, er habe das Altenheim durch interne Finanztransaktionen bewusst seiner Liquidität beraubt und Heimverträge abgeschlossen, die offensichtlich nicht erfüllbar gewesen seien. „Das sind böse Unterstellungen“, konterte Emken. Das von ihm vorgelegte Zahlenmaterial sei von mehreren Wirtschaftsprüfungsgesellschaften unabhängig voneinander bestätigt worden. Danach seien die Kosten in den zurückliegenden Jahren trotz erhöhter Pflegesätze nicht mehr bezahlbar gewesen, „so dass eine Anpassung der Gehälter notwendig wurde“. Das Wichernstift habe die Entgelte durch eine Arbeitszeiterhöhung auf 40 Stunden sowie den Wegfall des 13. Montagsgehaltes und der betrieblichen Altersversorgung um 20 Prozent gedrückt, kritisierte Freyermuth. Auch dem widerspricht Emken. Die Entgelte seien um elf Prozent gesenkt worden. Der Geschäftsführer wertet den mit einem offenen Brief verbundenen Vorstoß der Mitarbeitervertreter als Angriff auf den Betriebsfrieden. Verwaltungsratsmitglied Eckard Dreyer ergänzte, die Geschäftsführung habe keine Möglichkeit gehabt, anders zu entscheiden, um den Fortbestand des Hauses zu sichern. Freyermuth verwies darauf, dass ein Neustart des Altenheims unter dem Dach der Diakonie auch unter einer Notlagenregelung denkbar gewesen wäre, die in den Arbeitsvertragsrichtlinien möglich sei. Diese Regelung habe die Geschäftsführung eineinhalb Jahre begehrt, sagte Emken. „Das hat die Mitarbeitervertretung aber wie jedes Sanierungskonzept abgelehnt.“

Erst kürzlich war das Wichernstift in die Schlagzeilen geraten, weil die Geschäftsleitung im Betrieb eine Liste von Beschäftigten veröffentlichte, die weder verlängerte Arbeitszeiten noch Einbußen ihres Lohnes akzeptieren wollten.

Wer bereits Neuverträge unterschrieben hatte, wurde aufgefordert, auf die Kollegen einzuwirken, dies auch zu tun. Die Liste komme einem Pranger gleich, urteilte die 3. Kammer des Arbeitsgerichtes in Oldenburg und untersagte die Aktion.

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