Geigenbaumeister Gerd Mallon wartete die Instrumente der Musikschule und erklärte die Fertigung

Werkzeuge wie aus der Arztpraxis

Geigenbaumeister Gerd Mallon hatte in den Kindern, Eltern und Musiklehrerin Ute Klitte (3.v.r.) aufmerksame Zuhörer.

Landkreis - (ck) · Manche Hilfsmittel aus Gerd Mallons Werkstatt könnten aus der Zahnarztpraxis stammen. Doch mit dem kleinen Spiegel blickte der Experte gestern nicht hinter Backenzähne, sondern ins Innere von unzähligen Geigen. Einen Tag lang nahm sich der Geigenbaumeister gestern die Streichinstrumente der Musikschule des Landkreises Oldenburg vor. Zudem standen vor allem Mädchen mit ihren eigenen Bratschen und Geigen am Tisch des Thüringers Schlange. Wer noch nicht an der Reihe war, „durfte“ erst einmal das Holz polieren und die Saiten pflegen.

Erstmals kam ein derartiger Fachmann zum Hausbesuch in die Räume an der Burgstraße in Wildeshausen. Den Kontakt zum Mann aus Greiz hatte die hier angestellte Musikpädagogin Ute Klitte hergestellt, die ihn noch aus ihrer alten Heimat kennt. „Über diese Gelegenheit sind wir ganz froh, denn sonst bekommen wir unsere Leihinstrumente nicht so oft zu Gesicht“, berichtete Musikschulleiter Rafael Jung. Er würde sich freuen, wenn künftig jährlich dieser Termin zustande käme.

Denn der Gast brachte nicht nur das „Handwerks zeug“ der zurzeit etwa 40 Geigenschüler auf Vordermann, sondern verdeutlichte auch anschaulich und witzig den langen Weg vom jahrzehntelang abgelagerten Holz bis zum filigran gefertigten Endprodukt. Den sechswöchigen Entstehungsprozess vom Zurechtsägen übers Hobeln und Leimen bis zum Lackieren und Polieren verdeutlichte er ebenso wie das Herausarbeiten des Halses – allerdings stark untertrieben: „Ich schnitze einfach alles weg, was nicht nach Geige aussieht.“

Die kleinsten Hobel, so räumte der Meister ein, „sehen aus wie in einer Puppenstube, damit ich auch alle Rundungen herausarbeiten kann“. Und die „Wirbelkreide“ ähnele einem Lippenstift. Doch damit behandelt er die Stellschrauben am Ende der Saiten, „weil sie sich durch permanentes Drehen irgendwann abnudeln“.

Anschließend durften die Schülerinnen und ihre teils mit zuhörenden Eltern mal an einigen Baumharzen schnuppern, mit denen Mallon jeden Korpus lackiert. Die Begeisterung angesichts des strengen Geruchs hielt sich jedoch in Grenzen…

Deutlich mehr Beifall spendete das junge, sachkundige Publikum nach den musikalischen Kostproben von Gerd Mallon und Ute Klitte. Die Melodien von „Pippi Langstrumpf“, „Die Flintstones“ oder Bob, der Baumeister“ hatten für Mallon eines gemeinsam: „Man muss nicht immer völlig ernste Dinge spielen.“

Heute nimmt sich der Handwerker mit dem guten Gehör weitere Geigen vor – am Außenstandort der Kreismusikschule in Ganderkesee.

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