Warnung vor subtilem Rechtsextremismus im Rahmen des Holocaust-Gedenkens

„Es werden schon wieder Gaskammerwitze erzählt“

Die Schüler der Berufsbildenden Schulen nannten die Namen der im Holocaust umgebrachten Juden aus Wildeshausen. ·
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Die Schüler der Berufsbildenden Schulen nannten die Namen der im Holocaust umgebrachten Juden aus Wildeshausen. ·

Wildeshausen - „Der Antisemitismus ist wieder in der Gesellschaft angekommen. Er zeigt sich aber subtiler.“ Diese bittere Feststellung äußerte Bodo Gideon Riethmüller, Beauftragter für die jüdischen Friedhöfe in Niedersachsen, im Rahmen der Holocaust-Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in Wildeshausen.

Damit spannte er gestern vor zahlreichen Schülern der Berufsbildenden Schulen, Ratsvertretern und interessierten Bürgern den Bogen von der Judenverfolgung im Dritten Reich zu aktuellen Tendenzen. Zeigten damals viele Bürger offen eine feindliche Einstellung gegen Juden, sei die Fremdenfeindlichkeit jetzt eher im Kreise Gleichgesinnter zu spüren und zu sehen. „Da werden dann auch wieder Gaskammerwitze erzählt“, so Bodo Gideon Riethmüller, der sich ganz besonders bei den Schülern aus Wildeshausen für ihre Teilnahme bedankte. Die jungen Menschen trugen die Namen der zwölf Wildeshauser Juden vor, die im Holocaust umgebracht wurden.

An jedem 27. Januar wird auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog der Juden gedacht. An diesem Tag im Jahr 1945 wurde das Konzentrationslager in Auschwitz befreit. „Fünf Jahre lang wurden hier Menschen gefoltert“, so Bürgermeister Kian Shahidi. Der deutsche Name eines polnischen Ortes sei zum Synonym für Völkermord und Barbarei geworden.

„Die Schuld von damals ist nicht übertragbar, es gibt aber die Verantwortung der Überlebenden.“ Shahidi gab einen Einblick in das Leben von Alfred Heinemann, einem Wildeshauser Juden, der für Deutschland in den Ersten Weltkrieg gezogen war, dann das Textilgeschäft der Eltern in Wildeshausen übernahm und „gute Ware für kleine Leute“ anbot. 1938 prangte das Wort „Jude“ auf seinem Geschäft, er wurde verhaftet, in Sachsenhausen misshandelt, kehrte zurück nach Wildeshausen, wurde aber dann ins Bremer Ghetto gebracht und schließlich nach Minsk deportiert, wo er mit vielen tausend Juden, unter ihnen seine Haushälterin Golda Herzberg, ermordet wurde.

Riethmüller warnte vor dem neuen Rechtsextremismus und erinnerte an die „Zwickauer Zelle“. „Hier haben auch viele weggeschaut. Die Gewaltbereitschaft hat eine neue Qualität erreicht.“ Bisher sei der Kampf gegen Rechtsextremismus eher halbherzig geführt worden. Das müsse sich in Zukunft auf jeden Fall ändern. · dr

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