Bulgarische Arbeiter bei „Geestland“ klagen an / Staatsanwalt ermittelt wegen illegaler Beschäftigung

„Werden wie Roboter behandelt“

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen illegaler Arbeitnehmerüberlassung gegen „Geestland“.

Wildeshausen -(dr) · Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt wegen des „Verdachts der Beihilfe zur illegalen Beschäftigung und zur illegalen Arbeitnehmerüberlassung“ im Wildeshauser Betrieb „Geestland Putenspezialitäten“, an dem die Familie der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen mit einer Kommanditisten-Einlage in Höhe von rund zwei Millionen Euro beteiligt sein soll.

Das berichtete das NDR-Magazin „Menschen und Schlagzeilen“ gestern Abend mit Verweis auf die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Frauke Wilken. Nach Angaben des Magazins hatten die Ermittlungsbehörden bereits im August den Schlachthof durchsucht, in dem stündlich 2 500 Puten das Leben lassen und verarbeitet werden.

„Familie Grotelüschen profitiert von den Gewinnen, die bei Geestland gemacht werden,“ sagte Arbeitsrechtler Frank Lorenz, dem die Recherche-Ergebnisse vorliegen, zu „Menschen und Schlagzeilen“. „Und auch von Gewinnen, die möglicherweise durch illegale Arbeitnehmerüberlassung und durch Lohndumping zu Lasten osteuropäischer Beschäftigter gemacht werden.“

In der Putenschlachterei sind unter anderem bulgarische Arbeiter aus einem bulgarischen Sub-Unternehmen beschäftigt. Nach Auskunft von Geestland sind diese mit Hilfe eines Werkvertrages in Wildeshausen tätig. Nach geltendem Recht dürfen Arbeitnehmer aus den neuen EU-Ländern über Werkverträge in deutsche Unternehmen entsandt werden, um dort eigenständig ein Gewerk des Betriebs zu erfüllen – zu bulgarischen Bedingungen und Löhnen. Illegal ist jedoch, wenn diese Arbeiter darüber hinaus in den Betrieb eingegliedert werden.

„Wenn reguläre Stammbeschäftigte und diese so genannten Werkvertragsarbeiter zusammenarbeiten und dieselben Aufgaben durchführen, dann sind das ganz starke Hinweise dafür, dass wir eine Eingliederung in den Betrieb haben. Dann haben wir an der Stelle auch eine illegale Arbeitnehmerüberlassung“, so Arbeitsrechtler Lorenz.

Nach den Recherchen des NDR haben im Betrieb von Geestland Deutsche, Russen, Polen und Bulgaren neben-einander gearbeitet. „Wir haben alle dasselbe getan“, so bulgarische Arbeiter gegenüber „Menschen und Schlagzeilen“. Die Bulgaren verdienten dabei einen Bruchteil des Lohnes ihrer deutschen Kollegen. Man zahle ihnen einen Stundenlohn von vier bis fünf Euro. Oft arbeiteten sie bis zu 16 Stunden am Tag: „Man fühlt sich nicht als Mensch. Wir werden wie Roboter behandelt.“

Bereits vor Monaten wurde in Internet-Kommentaren zu Berichten unserer Zeitung über menschenunwürdige Wohnbedingungen der ausländischen Arbeiter berichtet. „Die Wohnbedingungen bestimmen die Subunternehmer, die ihren Reibach auf Kosten ihrer Arbeiter machen“, hieß es da.

Der Familienbetrieb der niedersächsischen Ministerin, die Mastputen-Brüterei Ahlhorn GmbH & Co. KG, ist mit fast 14 Prozent an der Putenschlachterei Geestland beteiligt. Geschäftsführer ist Garlich Grotelüschen, der Ehemann der Ministerin. Astrid Grotelüschen wollte sich gegenüber dem NDR auf Anfrage zu den Ermittlungen und zur Familienbeteiligung nicht äußern.

Die Geestland Putenspezialitäten GmbH hingegen bestätigte die Durchsuchung in ihrem Betrieb. Eine Stellungnahme der Ermittlungsbehörden gegenüber der Firma stehe aber noch aus.

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